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Gastkommentar Die Bundesrepublik sollte ihre Kooperation mit Russland und seinen Nachbarn ausbauen

Die Energiewende eröffnet große Chancen für die Zusammenarbeit mit Russland, der Ukraine und Zentralasien. Deutschland sollte diese Chancen nutzen, meint Johann Saathoff.
08.02.2021 - 08:19 Uhr 1 Kommentar
Johann Saathoff ist Koordinator der Bundesregierung für zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft sowie energiepolitischer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion. Quelle: Johann Saathoff [M]
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Johann Saathoff ist Koordinator der Bundesregierung für zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft sowie energiepolitischer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion.

(Foto: Johann Saathoff [M])

Zivilgesellschaft und Energiewende sind untrennbar miteinander verbunden. In Deutschland standen am Anfang des Erneuerbaren-Booms Tüftler und Energiegenossenschaften. Und auch in Russland, der Ukraine oder Usbekistan machen sich heute Zivilgesellschaften vom Aktivisten bis zum Zukunftsforscher für Klimaschutz und erneuerbare Energien stark. In Ostfriesland und Odessa stehen Menschen dabei vor ähnlichen Herausforderungen – und vielerorts dank Sonnen- oder Windreichtum vor großen Chancen.

Daraus ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für internationale und zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit. In den deutsch-russischen Beziehungen, in denen es derzeit zwischen den Regierungen nicht immer einfach ist, ist die Zukunftstechnologie Wasserstoff eine Chance zur Zusammenarbeit in Forschung und Industrie. Im derzeit laufenden „Deutsch-Russischen Jahr der Wirtschaft und nachhaltigen Entwicklung“ wird die Bundesregierung eine neue Struktur schaffen, die den Dialog zwischen Deutschland und Russland zum Thema Wasserstoff beleben wird.

Der menschengemachte Klimawandel macht vor Grenzen nicht halt. Er lässt Meeresspiegel steigen, Gletscher schmelzen, Wüsten wachsen oder Permafrostböden tauen. Deshalb ist internationale Zusammenarbeit zwingend, um unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu sichern und Menschen weltweit Flucht zu ersparen. Hier haben wir wichtige Fortschritte gemacht. Genannt seien das Pariser Klimaabkommen und das EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050.

In Deutschland lieferten die Erneuerbaren 2020 bereits mehr als die Hälfte der Stromproduktion. In vielen unserer Partnerländer ist dieses Potenzial noch größer. So sind die Ebenen der – bereits stark vom Klimawandel betroffenen – Region Zentralasien wind- und sonnenreich, während die Hochgebirge ideale Bedingungen für die Speicherung von Energie in Stauseen bieten. Zudem erscheint die für Erneuerbare besonders geeignete dezentrale Energieinfrastruktur als ideale technische Lösung für die Region.

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    EU ist auf Wasserstoff-Importe angewiesen

    Kooperationen existieren bereits vielfach. So verbindet Deutschland und die Ukraine seit wenigen Monaten eine Energiepartnerschaft. Kasachstan erarbeitet mit deutscher Unterstützung eine ambitionierte Strategie, um bis 2050 einen Anteil von 50 Prozent erneuerbarer Energie an der Primärstromerzeugung zu erreichen. Und die Initiative „Green Central Asia“ des Auswärtigen Amts thematisiert den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Sicherheitsrisiken in Zentralasien und Afghanistan.

    In all diesen Beispielen spielt die Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle. Rechtsstaatlichkeit, gute Regierungsführung, korruptionsfreie Geschäftsumgebung sowie die staatliche Garantie bürgerlicher Rechte und Freiheiten bleiben entscheidende Faktoren, um Energiewenden Schwung zu verleihen.

    Die schwindende Bedeutung fossiler Brennstoffe wird geopolitische Folgen haben. Traditionelle Öl- und Gasproduzenten stellt das vor Herausforderungen, für andere eröffnen sich neue Chancen. Für Klimaneutralität bis 2050 wird eine Ressource rasch wichtig werden: Wasserstoff, der zukünftig Hochöfen befeuern und Flugzeuge antreiben wird.

    Klimaneutral ist dieser Treibstoff vor allem dann, wenn er durch Elektrolyse – die Aufspaltung von Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff mithilfe elektrischen Stroms – mit Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. Deutschland und die EU werden künftig große Mengen dieses Wasserstoffs importieren und haben entsprechende Strategien vorgelegt.

    Über Erfahrung und eigene Wasserstoff-Spitzenforschung verfügt Russland. Moskau sieht in Deutschland einen bevorzugten Partner für Zusammenarbeit im Wasserstoffbereich – wobei es bislang ausschließlich auf Produktion aus Erdgas oder Kernenergie setzt. Dennoch sollte dieser Anknüpfungspunkt genutzt werden – verbunden mit dem Signal, dass nur CO2-neutraler und insbesondere der aus erneuerbarer Energie erzeugte Wasserstoff in eine klimafreundliche Zukunft führt.

    Die Infrastruktur ist vorhanden

    Die Voraussetzungen dafür könnten in Russland besser kaum sein: Die rechnerische Kapazität für die Onshore-Windkraft liegt bei mindestens dem Tausendfachen der heute in Deutschland installierten Windenergie.

    Und zwischen Russland, Zentralasien, dem Südkaukasus und der EU existiert schon heute die Transport-Infrastruktur: Die Pipelines, durch die heute Öl und Gas zu uns strömen, können auf Wasserstoff umgestellt werden. Erwähnt seien die Exportchancen, die sich mit der Energiewende in unseren östlichen Partnerländern für deutsche Hochtechnologie bieten.

    Ich setze mich mit Nachdruck dafür ein, dass wir die Chancen, die die Energiewende auch in den Ost-West-Beziehungen bietet, gemeinsam mit unseren Partnerländern erkennen und nutzen.

    Der Autor ist Koordinator der Bundesregierung für zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft sowie energiepolitischer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion.

    Mehr: In diesem Jahrzehnt entscheidet sich, ob die Klimaneutralität in der EU bis 2050 erreichbar ist

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Die Bundesrepublik sollte ihre Kooperation mit Russland und seinen Nachbarn ausbauen"

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    • Warum man noch immer an Sanktionen festhält, ist nicht logisch. Sanktionen sind falsch unter dem Lichte der praktischen Erfahrungen betrachtet, die man aus Sanktionen der letzten 50 Jahre gewinnen konnte. Man treibt nur sanktionierte Staaten ökonomisch in die Arme der asiatischen Wettbewerber. Potentaten werden durch Sanktionen täglich mächtiger im Inneren der sanktionierten Staaten, demokratische Ansätze werden so ruiniert. Es ist unverständlich, warum dieses deutsche Bessermenschen-Getue nicht endlich unter dem Lichte der Schäden betrachtet wird, die es anrichtet. Sämtliche Sanktionen gegen eurasische Staaten sofort aufheben.

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