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Gastkommentar Die Zukunft gehört der Künstlichen Intelligenz

Um Ängste auszuräumen, müssen die Entscheidungsprozesse der KI-Software so transparent wie möglich sein, fordert die KI-Chefin von SAP, Feiyu Xu.
16.05.2021 - 18:19 Uhr Kommentieren
Die Autorin ist Global Head of Artificial Intelligence des Softwarekonzerns SAP. Quelle: DFKI
Feiyu Xu

Die Autorin ist Global Head of Artificial Intelligence des Softwarekonzerns SAP.

(Foto: DFKI)

Wie oft haben Sie heute schon Ihr Smartphone per Gesichtserkennung entsperrt? Wie häufig hat das Gerät Ihnen beim Tippen Wörter vorgeschlagen? Hat Ihr Streamingportal Ihnen gestern Abend auf der Couch Filme und Serien empfohlen? Dann haben Sie Technologien genutzt, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren – und das vermutlich unbemerkt, bequem, effizient und schnell.

Keine Frage, KI ist in unserem privaten Alltag längst angekommen. Anders sieht es bei Unternehmen aus. Hier stehen viele noch völlig am Anfang. Denken Sie nur an die leidige Reisekostenabrechnung, die gern auf die lange Bank geschoben wird. Wäre es nicht schön, die Abrechnung nicht selbst schreiben zu müssen?

Oder wenn Ersatzteile für eine Produktionsmaschine automatisch bestellt würden – rechtzeitig vor der Reparatur? Ein E-Mail-Programm, das Nachrichten vorsortiert und falls nötig blitzschnell an die passenden Kolleg*innen weiterleitet, wäre ebenfalls eine große Hilfe. Wie oft findet das schon statt? Nicht so oft, sagt die Statistik. Laut dem Fachverband Bitkom setzen heute gerade einmal sechs Prozent der Unternehmen KI ein. Lediglich jedes fünfte Unternehmen plant bereits, KI zu nutzen, oder diskutiert zumindest darüber. Dabei halten 73 Prozent der Unternehmen KI für die wichtigste Zukunftstechnologie.

Die beschriebenen Einsatzfelder lassen sich unter dem Begriff Enterprise Artificial Intelligence (Enterprise AI) zusammenfassen. Was ist das genau? Es handelt sich um Unternehmenssoftware, die KI-Technologien wie das sogenannte maschinelle Lernen nutzt, um Prozesse zu automatisieren, zu beschleunigen und nicht zuletzt nachhaltiger zu gestalten. Anders als traditionelle Software, die auf programmierten Regeln basiert, lernen KI-Programme kontinuierlich aus Daten hinzu, erkennen Muster und bilden Verknüpfungen. So können sie auch Probleme lösen, an denen bisherige Software scheitert.

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    KI für Unternehmen steht vor einer Blüte, weil diese und andere Trendtechnologien wie Cloud-Computing, Big Data und das Internet der Dinge die notwendige Reife erreicht haben. Gemeinsam ermöglichen sie nun Anwendungsszenarien, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren – mangels Rechenleistung, verfügbarer Daten oder Sensoren. Marktbeobachter wie Gartner, Forrester Research oder McKinsey Global Institute sehen in der KI einen Katalysator für Innovation und digitale Transformation von Unternehmen.

    Als Weltmarktführer für Unternehmenssoftware steht für SAP das Thema KI ganz oben auf der Innovationsagenda. Seit einem halben Jahrzehnt entwickeln Teams weltweit Enterprise-AI-Lösungen für das gesamte Spektrum, etwa in den Bereichen Finanzen, Personalverwaltung, Lieferketten und Marketing. Kunden können durch automatisierte Prozesse nicht zuletzt Zeitersparnisse von gut 30 Prozent erzielen – und zum Beispiel auch Produkte erkennen, die sich schlecht verkaufen.

    Ziel ist es, Kunden die Transformation zum intelligenten Unternehmen so einfach wie möglich zu machen. Viele Unternehmen haben sich in der Vergangenheit mit teuren und komplexen KI-Eigenentwicklungen verzettelt. Unkomplizierte Enterprise AI lohnt sich für Kunden und Anbieter. Der weltweite Umsatz mit KI-Software erreichte im vergangenen Jahr nach Zahlen des Analystenhauses IDC 248,4 Milliarden US-Dollar. Bis 2024 wird ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 17,3 Prozent erwartet.

    Herausforderungen rufen irrationale Ängste hervor

    Diese Entwicklung bringt eine Reihe sozioökonomischer Herausforderungen mit sich, die mitunter auch für irrationale Ängste sorgen. Mein Eindruck ist: Bedenken rühren meistens von unbeantworteten Fragen und der Unsicherheit her, ob sich die intelligenten Systeme hinreichend fair, verantwortungsvoll und datenschutzkonform einsetzen lassen. Es liegt an der Softwareindustrie, solche Vorbehalte mit Blick auf Entwicklung und Anwendung von KI auszuräumen.

    Transparenz ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Dystopischen Szenarien sollten wir realistische Einsatzfelder entgegenstellen. Beispielsweise, wie KI schützt, indem sie vor Gefahren warnt, assistiert oder Arbeitsschritte übernimmt, die für Menschen zu schwer oder zu gefährlich sind. Oder wie KI den Menschen manuelle und eintönige Tätigkeiten abnimmt und mehr Raum für kreative Arbeit schafft. Außerdem ist die strikte Einhaltung rechtlicher Rahmen wie der Datenschutz-Grundverordnung unabdingbar.

    Darüber hinaus sollten wir auch die Entscheidungsprozesse von KI-Software so transparent wie möglich gestalten. Auf diese Weise kann KI für den Menschen erklär- und nachvollziehbar werden. Wir sprechen hier von sogenannter „Responsible AI“ oder „Trustworthy AI“.
    Ich habe sowohl in China als auch in Deutschland gelebt und gearbeitet. Dabei konnte ich die gesellschaftlichen Unterschiede im Umgang und in der Nutzung von KI kennenlernen, welche die Anwendung und Kommerzialisierung dieser Technologie maßgeblich beeinflussen.

    Verglichen mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auf anderen Kontinenten wirken die europäischen zunächst sehr strikt. Doch dies kann auch von Vorteil sein, wenn wir dadurch sicherstellen, dass der Mensch beim Entwurf und Einsatz dieser bedeutsamen Technologien stets im Mittelpunkt steht. Als erstes europäisches Technologieunternehmen hat SAP 2018 eigene Leitlinien für die KI-Ethik entwickelt sowie einen internen KI-Lenkungsausschuss und einen externen Beirat für den ethischen Umgang mit KI eingesetzt.

    KI lässt sich schwer regulieren

    Diese Leitlinien sind Grundlage und Verpflichtung, sich über das gesetzliche Maß hinaus tiefgreifend und kontinuierlich mit den umfassenden ethischen und sozioökonomischen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Ziel sind Lösungen, die vorurteilsfrei, transparent und integer sind und dabei Qualität, Sicherheit und Datenschutz wahren. Laut Bitkom wünschen sich 85 Prozent der Bundesbürger*innen eine sichere KI und möchten, dass KI-Systeme in Deutschland besonders gründlich geprüft werden.

    KI lässt sich mit einem traditionellen Ansatz schwer regulieren. Dafür sind ihre Anwendungen zu vielfältig. Hinzu kommen die hohe Dynamik, flexible Geschäftsmodelle und die Experimentierfreude technologiegetriebener Unternehmen. Deshalb stehen gerade globale Unternehmen in der Pflicht, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich täglich für eine ethische Gestaltung und Nutzung der Technologien einzusetzen.

    Vertrauen ist die Grundlage eines nachhaltigen technologischen Fortschritts. Und Vertrauen ist darüber hinaus auch ein Wettbewerbsvorteil.
    Künstliche Intelligenz birgt das Potential, viel produktiver, effizienter und nachhaltiger zu werden. Deutschland hat auf dem Gebiet der Enterprise AI die Möglichkeit, im internationalen Wettbewerb eine führende Rolle zu spielen. Diese Chance müssen wir nun entschieden und verantwortungsvoll nutzen.
    Die Autorin: Feiyu Xu ist Global Head of Artificial Intelligence des Softwarekonzerns SAP. Sie gehört für das Handelsblatt zu den Top-100-Frauen, die Deutschland voranbringen.

    Mehr: In diesen fünf Technologien muss Europa jetzt aufholen

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