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GastkommentarDrei entscheidende Schritte, wie der KI-Durchbruch in Deutschland gelingen kann

Die USA und China sind der Bundesrepublik in der Künstlichen Intelligenz schon fast enteilt. Jörg Rocholl und Michael Backes sehen Deutschlands letzte Chance, seinen Wohlstand zu erhalten. 19.02.2025 - 17:37 Uhr Artikel anhören
Die Autoren: Jörg Rocholl (l.) ist Präsident der internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin. Michael Backes ist Gründungsdirektor und CEO des CISPA Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit. Foto: Getty Images, ESMT Berlin, Jennifer Weyland [M]

Künstliche Intelligenz (KI), Cybersicherheit und deren methodische Durchbrüche sind Haupttreiber für Innovation und Wirtschaftswachstum im 21. Jahrhundert. Diese Einsicht führt weltweit zu konzertierten Aktionen wie dem US-amerikanischen Stargate-Projekt mit einem Investitionsvolumen von bis zu 500 Milliarden Dollar und der jüngsten französischen Initiative von mehr als 100 Milliarden Euro.

Deutschland läuft akut Gefahr, den Anschluss in KI zu verpassen

Globale IT-Unternehmen in den USA und zunehmend China sind hier führend, bisweilen gar enteilt: Während die USA laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Jahr 2023 rund 54,8 Milliarden Dollar in KI-Start-ups investierten, flossen in China 18,3 Milliarden Dollar und in Deutschland lediglich 2,2 Milliarden Dollar in diesen Bereich. Deutschland läuft akut Gefahr, diesen entscheidenden Teil der Wertschöpfung langfristig zu verlieren.

Der Erhalt und das nachhaltige Wachstum des Wohlstands in der Bundesrepublik hängen entscheidend davon ab, ob es uns gelingen wird, in der Innovationsfähigkeit in diesen Schlüsselthemen international aufschließen und eine tragende Rolle übernehmen zu können. Die neue Bundesregierung steht damit vor einer großen Herausforderung.

Der entscheidende Faktor zur Konkurrenzfähigkeit werden disruptive Fortschritte in methodischen Grundlagen der vertrauenswürdigen Informationsverarbeitung und deren Translation in neuartige Anwendungen sein. Es sind genau solche Fortschritte, die unser Leben bereits seit Jahren revolutionieren und eine exponentielle Wirkung entfalten.

Sie gipfeln im Prinzip des „The winner takes it all“: Konzeptionelle Durchbrüche in der KI führen zu derart drastischen Verbesserungen in Funktionalität, Performanz und Kosten, dass bislang als unrealistisch angesehene Anwendungen und neuartige Märkte in kürzester Zeit erschaffen werden. Viele bestehende Ansätze werden nahezu augenblicklich nicht mehr konkurrenzfähig.

In der wissenschaftlichen Förderung ist statt der Gießkanne der Fokus auf Exzellenz nötig

Die Analogie der Transition von Pferdekutschen hin zum Automobil drängt sich auf. Das in Deutschland bisher von der Politik oft postulierte und in der Praxis gelebte Modell des reinen Technologietransfers greift zu kurz, da es den konzeptionellen Fortschritt als den maßgeblichen Teil einer langfristig erfolgreichen Innovationskette verkennt. In der Analogie strebt es primär schnellere Pferde an, statt sich mit aller Kraft der Gestaltung des Automobils und dessen Möglichkeiten zu widmen. Deutschland muss den Mut aufbringen, bei KI- und Cybersicherheitsforschung in der Weltspitze mitzuwirken und diese Durchbrüche in neue Wertschöpfungen zu transferieren.

Gastkommentar

Wir brauchen eine Demokratisierung Künstlicher Intelligenz

Die neue Bundesregierung muss an verschiedenen Hebeln ansetzen:

Erstens muss die wissenschaftliche Förderung tiefer Forschung im Mittelpunkt stehen, die nicht nur auf momentane Bedarfe ausgerichtet ist. Dabei benötigen wir den Mut, die Bürokratie radikal zu minimieren und die Finanzierung von Initiativen zu beenden, die internationalen Exzellenzanforderungen nicht gerecht werden. Statt der Gießkanne ist Fokus auf Exzellenz nötig. Statt kurzfristiger Transfers etablierter Konzepte sind tiefe konzeptionelle Neuerungen und deren Wertschöpfung der Schlüssel.

Zweitens müssen die Rahmenbedingungen für Venture-Capital unterstützt werden. Start-ups in diesen Technologiebereichen benötigen Kapital, das sich auf Risiken einlassen und diese Risiken einschätzen kann. Kapital, das schnell und bürokratiefrei verfügbar ist. Wir schlagen einen Risikofonds nach Vorbild des European Research Council (ERC) vor, der Start-ups mit disruptiven Ansätzen und starken Teams nach hartem, kurzem Auswahlverfahren mit jeweils mindestens 20 Millionen Euro fördert, ohne Auflagen außer einer finalen Berichtspflicht.

Wir benötigen neue Leuchtturm-Initiativen über Disziplinen hinweg. Vorbilder für Wertschöpfung aus Spitzenforschung müssen erschaffen und vorgelebt werden.
Jörg Rocholl und Michael Backes

Darüber hinaus hat Deutschland ausreichend privates Kapital, um dieses teilweise in diese Bereiche zu lenken. Die WIN-Initiative mit zusätzlichen Zusagen von insgesamt zwölf Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung. Mutigere und größere Schritte müssen folgen. Wenn Deutschland die Investition in Venture-Capital auf internationales Niveau bringen möchte, dann wären hierfür 15 Milliarden Euro der Maßstab – aber pro Jahr.

Drittens benötigen wir neue Leuchtturm-Initiativen über Disziplinen hinweg. Vorbilder für Wertschöpfung aus Spitzenforschung müssen erschaffen und vorgelebt werden. Forschende mit höchstem internationalem Anspruch müssen inhaltliche Triebfedern eines sich stetig verbessernden Systems sein, das systematisch kooperiert mit ambitionierten und technologieaffinen Unternehmern und Investoren.

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In diesem Lichte sehen wir die neue Kooperation zwischen dem Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (CISPA) und der internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin: Ziel ist nicht weniger als der Aufbau eines führenden europäischen Ökosystems, das echte technologische Durchbrüche erzeugt und effizient in wirtschaftliche Wertschöpfung überführt.

Die Autoren:
Jörg Rocholl ist Präsident der internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin.

Michael Backes ist Gründungsdirektor und CEO des CISPA Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit.

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