Gastkommentar – Global Challenges: Die Transformation gemeinsam meistern
Die Autorin ist Professorin für Wirtschaftstheorie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Foto: IMAGO/Jürgen HeinrichDie Transformationspläne, mit denen Deutschland und Europa ins neue Jahrzehnt gestartet sind, geraten durch die eng aufeinanderfolgenden Krisen massiv unter Druck. Vor allem die exorbitant gestiegenen Preise fossiler Energieträger und die sich abzeichnende Rezession erschweren den Weg in eine klimaneutrale Zukunft.
Anfang 2020 lautete die Parole: In dieser Dekade wird sich entscheiden, ob wir Klimaneutralität bis 2045 erreichen können. Das ist nach wie vor richtig. Die Aufmerksamkeit hat sich aber von diesem vergleichsweise fernen Ziel zur Bewältigung unmittelbar drohender Notlagen verschoben.
In jeder Krise liegt zwar auch eine Chance. So dürfte der Ausbau erneuerbarer Energien nun schneller vorangehen, klimafreundlicher Wasserstoff etwa ist bei hohen Gaspreisen früher rentabel als bei niedrigen.
Gleichzeitig aber geraten Transformationspläne der Unternehmen unter Druck. Gas als Übergangslösung auf dem Weg in die klimaneutrale Produktion ist zu teuer oder nicht verfügbar. Hinzu kommen Material- und Fachkräfteengpässe sowie ungünstigere Finanzierungsbedingungen infolge steigender Zinsen.
Mit diesen Herausforderungen sehen sich nicht nur energieintensive Bereiche wie die Stahl- oder Chemieindustrie konfrontiert. Auch viele andere Unternehmen, etwa Bäckereien oder Brauereien, werden nach den Coronabelastungen die hohen Energiekosten nicht aus eigener Kraft stemmen können. Deshalb hat die Bundesregierung drei Entlastungspakete im Volumen von 95 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Zusätzlich soll noch ein Schutzschirm von 200 Milliarden Euro aufgespannt werden.