Gastkommentar – Global Challenges: Was wird aus dem Euro?
Volker Wieland ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Währungs- und Finanzstabilität an der Goethe-Universität in Frankfurt.
Foto: dpa, imagoSeit Januar 2021 hat der Euro gut 15 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Bis Silvester 2023 dürfte der Verlust auf mehr als ein Fünftel seines Wertes steigen. Die Deutschen erwarten in den kommenden fünf Jahren eine Inflation von jeweils fünf Prozent, ermittelte die Bundesbank. Viele sorgen sich um die Zukunft der gemeinsamen Währung. Zu Recht? Gegenüber dem US-Dollar stürzte der Euro 2022 jedenfalls geradezu ab – im September erreichte der Kurs seinen Tiefpunkt, ein Dollar kostete 1,04 Euro. Die internationale Presse spekulierte schon über den „Kollaps“ des Euros.
Seither konnte die Gemeinschaftswährung einen Teil der Verluste wieder wettmachen, derzeit kostet der Dollar „nur“ noch rund 92 Cent. Das sind allerdings immer noch gut zehn Cent mehr als vor zwei Jahren. Das relative Erstarken des Euros dürfte nicht zuletzt auf die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen sein. Bevor die EZB verspätet die Zinswende eingeleitet hat, war die wachsende Zinsdifferenz gegenüber den USA ein treibender Faktor für die Abwertung des Euros. Inzwischen hat die Zentralbank den Zinsabstand verringert – und EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisiert weitere deutliche Zinsanhebungen.