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Gastkommentar Innovationen dürfen nicht nur technisch gesehen werden

Bei technologischen Innovationen und neuen Prozessen müssen die gesellschaftlichen Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden.
02.02.2020 - 12:07 Uhr Kommentieren
Der Umstieg auf Elektromobilität erfordert auch ein anderes Mobilitätsverhalten. Quelle: dpa
Ladesäulen für Elektroautos

Der Umstieg auf Elektromobilität erfordert auch ein anderes Mobilitätsverhalten.

(Foto: dpa)

Das deutsche Innovationssystem ist stark unter Druck. Die Bundesregierung sucht nach Wegen, die technologische Innovationskraft zu stärken. So hat sie eine KI-Strategie entwickelt und zuletzt im Rahmen der Verhandlungen über eine Grundrente beschlossen, einen Zukunftsfonds mit zehn Milliarden Euro aufzulegen. Im Sommer hat die Agentur für Sprunginnovation ihre Arbeit aufgenommen.

In der Diskussion über Innovationen wird häufig übersehen, dass das „Ökosystem Innovation“ nicht nur aus Technologie besteht. Technik allein reicht nicht. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Antwort auf die Klimakrise erfordert einerseits ein Umsteuern zur Elektromobilität und damit technologische Antworten.

Gleichzeitig werden wir auch unser Mobilitätsverhalten ändern müssen und den Individualverkehr viel stärker durch öffentlichen Nahverkehr ergänzen und ersetzen müssen. Dies wiederum gelingt nur, wenn wir intelligente Verkehrskonzepte haben, die auch gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprechen. Was diese Bedürfnisse sind und wie wir sie in Erfahrung bringen, erfordert wiederum neue Prozesse gesellschaftlicher Partizipation.

Damit wird der notwendige Gleichschritt aus technologischer, sozialer und politischer Innovation deutlich: Technologische und soziale Innovationen sind nur komplementär zu verstehen. Zur Lösung gesellschaftlicher Probleme muss Technologie genauso zur Anwendung kommen wie in der Industrie. Gesellschaftliche Bedürfnisse müssen gleichwohl auch bei technologischen Innovationen in den Mittelpunkt gestellt werden.

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    Insbesondere ihre Folgen für gesellschaftliche Integration und Inklusion sind zentrale Themen. Und dazu kommt noch, dass die digitale Transformation das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat berührt. Aus Bürgern und Bürgerinnen werden zunehmend Kunden und Kundinnen statt „Untertanen“, sodass sich die öffentliche Verwaltung von einer „Obrigkeit“ zum Dienstleister wandeln muss.

    Soziale Innovationen fördern

    Um diese Aspekte der Transformation leisten zu können, muss in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft ein breiterer Ansatz von Innovationen entwickelt werden, der insbesondere technologische Innovation mit sozialen und politischen verknüpft.

    Unsere europäischen Nachbarn haben diese Herausforderung schon länger erkannt und auch entsprechend reagiert. Die französische Regierung hat letztes Jahr das Programm French Impact aufgelegt und mit 1 Milliarde Euro für die nächsten fünf Jahre ausgestattet. Hier sollen Pioniere der sozialen Innovation gefördert und lokale Herausforderungen über Ideenwettbewerbe gemeistert werden. In Schweden ermöglicht die Innovationsagentur Vinnova sozialen Innovationen durch niederschwellige Antragsverfahren einen einfachen Zugang zu staatlicher Förderung und fördert sektorübergreifende Partnerschaften.

    Auch auf lokaler Ebene gibt es Pionierarbeit in unseren europäischen Nachbarländern. So hat die Stadt Amsterdam eine eigene Innovationsagentur Smart City Amsterdam eingerichtet, deren Ziel es ist, neue Ideen im Bereich Digitalisierung, Mobilität, Energie und Bildung für eine lebenswerte Stadt zu entwickeln. Barcelona ist führend im Bereich des Einsatzes digitaler Technologie beispielsweise über das Online Partizipationsportal Decidim. 

    In Deutschland gibt es auch eine breite Landschaft von Initiativen und Sozialunternehmen, die ähnliches versuchen. Diese Vielfalt der Praxis braucht jedoch eine bessere Rahmung durch die Bundesregierung, die fördert, berät und auch finanziell unterstützt. Zwar hat die Hightech-Strategie der Bundesregierung das Thema soziale Innovationen auf die Tagesordnung gesetzt.

    Auch im Koalitionsvertrag findet man den Begriff mittlerweile. Aber es fehlt an einem strategischen Ansatz wie mit sozialen Innovationen umgegangen werden soll. Sie müssen stärker als bisher als eigenständiges Themenfeld anerkannt und mit eigenen Instrumenten ausgerüstet werden.

    Hier geht es unter anderem darum, wie Erfolg gemessen und wer an der Auswahl von Projekten beteiligt wird. Zudem fehlt eine Koordinationsstelle, die mit eigener Expertise, Budget und Befugnissen ausgestattet ist und für die Bundesregierung einen Rahmen für die Integration von sozialen, politischen und technologischen Innovationen entwickeln kann.

    Dieser Rahmen sollte zum einen auf die so genannten „Zwölf Missionen“ der Hightech-Strategie Bezug nehmen, die von der Anwendung von KI bis zur vernetzten und sauberen Mobilität reichen. Zum anderen sollte sie klare Prioritäten setzen und Grundsätze der Förderung entwickeln, die in den Förderprogrammen der Einzelressorts zur Anwendung kommen können.

    Es fehlt in Deutschland nicht an Ideen, sondern an politischem Willen und einem institutionellen Rahmen, der die Innovationskultur voranbringt.

    Die Autoren: Anke Hassel ist Professorin für Public Policy an der Hertie School Berlin und Mitglied im Hightech Forum. Felix Sieker ist Doktorand an der Hertie School Berlin.

    Mehr: Die EU-Kommission will mehr Transparenz bei Künstlicher Intelligenz.

    • Anke Hassel und Felix Sieker
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