Gastkommentar: So soll Deutschland ein souveräner Tech-Standort werden
Forschung und Technologie sind zentral für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, für die Sicherheit und Souveränität unseres Landes. Die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land müssen endlich wieder spüren, dass neue Technologien ihr Leben erleichtern, dass Technologien Wohlstand schaffen und Abhängigkeiten reduzieren.
Mit der Hightech-Agenda Deutschland geht die Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt hier in diesem Sommer in die Offensive. Die Hightech-Agenda steht für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Souveränität „made in Germany“.
Sie fokussiert sich in einem ersten Schritt auf die sechs Schlüsseltechnologien, die zentral für den Fortschritt unseres Landes sind:
- Künstliche Intelligenz
- Quantentechnologien
- Mikroelektronik
- Biotechnologie
- Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung
- sowie Technologien für klimaneutrale Mobilität.
Deutschland verfügt in jedem dieser Bereiche über ein im internationalen Vergleich hochattraktives Wissenschafts- und Forschungssystem, eine hohe technologische Leistungsfähigkeit und innovative Unternehmen.
Gleichzeitig müssen in jedem dieser Bereiche rasch Maßnahmen zur Stärkung der Innovationsökosysteme ergriffen werden, damit Deutschland nicht nur ein Top-Forschungsstandort ist, sondern auch wieder ein wettbewerbsfähiger und souveräner Technologie- und Innovationsstandort wird.
KI braucht mehr als gute Ideen
- Beispiel KI: Die deutsche Forschung ist exzellent – doch die Geschäftsmodelle und auch die Schlagzeilen dominieren die USA und China. Wer mit KI Wohlstand schaffen will, braucht mehr als gute Ideen. Es braucht Daten, Infrastruktur und Rechenpower.
Deshalb investieren wir in Rechenkapazitäten für vertrauenswürdige, wettbewerbsfähige KI. Das Thema AI Gigafactories ist dabei kein deutscher Alleingang – es ist Teil einer europäischen Strategie und Grundlage für die Entwicklung zukünftiger KI-Modelle. Es geht nicht nur um die Wissenschaft, sondern insbesondere auch darum, für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen Zugänge zu KI-Rechenpower zu schaffen.
- Beispiel Quanten: Quantentechnologien sind weit mehr als Technik – sie sind ein wesentlicher geopolitischer Faktor von morgen. Daher wollen wir bei Quantentechnologien nicht aufholen, sondern vorangehen. Innovationen fördern. Arbeitsplätze schaffen. Standards setzen.
Auch hier bringen wir Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um die wesentlichen Schritte zu mindestens zwei Quantenhöchstleistungsrechnern zu gehen.
Auch in anderen Bereichen – etwa dem Design neuer Computerchips, dem Bau eines Fusionskraftwerks oder der Entwicklung einer personalisierten, präzisen und heilenden Medizin – zeigt sich: Innovation braucht Gestaltungswillen. Deshalb werden wir mit der Hightech-Agenda klare Prioritäten mit messbaren Zielen setzen.
Die Hightech-Agenda setzt an zentralen Stellschrauben an, um Deutschland wieder an die Spitze des internationalen Technologiewettbewerbs zu bringen. Dabei geht es vor allem um die Umsetzung.
Wir müssen die deutsche Transferschwäche überwinden
Für jede Schlüsseltechnologie legen wir Flaggschiff-Initiativen mit konkreten Zeitplänen vor und stoßen erste Schritte noch in 2025 an. Dabei etablieren wir neue Ansätze in der Förderung und Innovationsfinanzierung, um die anhaltende Transferschwäche Deutschlands zu überwinden.
Der Weg zum Top-Technologieland ist ein gemeinsamer. Deshalb geben wir den Startschuss für eine gemeinschaftliche Ausgestaltung der Hightech-Agenda Deutschland. Sie richtet sich an Umsetzungspartner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung.
Ab Herbst 2025 laden wir die Länder und Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ein, den Fahrplan für alle sechs Schlüsseltechnologien der Hightech-Agenda mit uns auszugestalten und umzusetzen.
In Deutschland und Europa besteht viel Potenzial, Forschung und Innovation durch gemeinsame Strategien mit klarer Rollenverteilung effizienter und wirksamer zu machen.
Wer heute nicht in Innovationen investiert, wird morgen abhängig sein – von Technologien, von Lieferketten, von Entscheidungen anderer. Ausgaben in Forschung und Entwicklung zahlen vielleicht keine Steuern – aber sie schaffen die Arbeitsplätze von morgen, die es tun.
Und das mit einer enormen Hebelwirkung. Laut EU-Kommission bringt jeder in Forschung investierte Euro der EU-Wirtschaft bis zu elf Euro.
Innovationen sind kein Luxus, kein Nice-to-have. Innovationen sind unser Geschäftsmodell und Grundlage für alles Weitere. Die Hightech-Agenda Deutschland ist nicht nur eine Einladung, sondern ein gemeinsamer Gestaltungsauftrag an unser Land.
Die Autorin: Dorothee Bär ist Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.