Gastkommentar: So überfordern Unternehmen ihre Führungskräfte

Andrea Wasmuth ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group.
Foto: Max Brunnert, Willi NothersDie Vorständin eines großen mittelständischen Unternehmens stellte mir neulich die provokante Frage: „Warum sollte eigentlich noch jemand Führungskraft werden wollen? Es erscheint doch hauptsächlich belastend.“
Solche und ähnliche Dinge höre ich gerade häufig, von Führungskräften aus allen Winkeln der Wirtschaft, von Frauen wie Männern, auf fast allen Hierarchieebenen. Und dahinter steckt die Erkenntnis, dass Führungskräfte vor einer nie da gewesenen Komplexität stehen.
Der „Economist“ brachte das vor wenigen Wochen mit seinem Titel „The Overstretched CEO“ gut auf den Punkt – den zunehmenden Druck auf Vorstandsvorsitzende durch immer höhere Erwartungen von Regierungen, Aktionären und Beschäftigten.
Doch es sind nicht nur die CEOs. Das Thema ist größer. Es betrifft alle Führungskräfte. Unsicherheiten und Transformationsaufgaben haben die Anforderungen für alle enorm erhöht.
Auch Remote Work und hybrides Arbeiten haben laut einer Studie des Kienbaum Instituts zu einer höheren Arbeitsbelastung geführt. Der legendäre Organisationsexperte Peter Drucker sagte einmal: „Management ist, wenn man das Tagesgeschäft erledigt. Führung ist, wenn man Veränderungen bewältigt.“ Und es gibt derzeit viele Veränderungen zu bewältigen – während gleichzeitig die Erwartungen an die Führungskräfte zunehmen.