Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Unternehmen müssen sich an die Post-Corona-Normalität gewöhnen

So unterschiedlich der Kontext auch sein mag: Die wichtigsten Lehren für Unternehmen aus der Finanzkrise gelten auch für die Coronakrise.
15.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Deutschlandchef der Strategieberatung Boston Consulting Group.
Matthias Tauber

Der Autor ist Deutschlandchef der Strategieberatung Boston Consulting Group.

Das schlechte Wetter machte den Aufstieg zur Legende möglich. „Bei Sonnenschein kann man nicht 15 Wagen überholen, wohl aber, wenn es regnet ...“, postete Alexander Sixt, Vorstand des gleichnamigen Mobilitätsunternehmens, zur Coronakrise. Er zitiert die Motorsport-Ikone Ayrton Senna, der sein erstes Formel-1-Rennen bei strömendem Regen gewann – mit großem Vorsprung vor allen anderen.

Führungskräfte sollten sich jetzt Sennas Sicht zu eigen machen. Sie sollten schwierige Situationen als Chance sehen, um notwendige Veränderungen anzupacken. Die Covid-19-Pandemie ist eine solche Chance. Sie eröffnet die Möglichkeit, Unternehmen umfassend zu restrukturieren und zukunftsfähig aufzustellen.

Um in der neuen Realität nach Corona gut aufgestellt zu sein, müssen sich Unternehmen frühzeitig in die Poleposition bringen. Noch im Abschwung sind zwei Dinge entscheidend: schnelles, konsequentes Handeln, was Kosten und Cash angeht – und eine klare Strategie, ein Nordstern, was die mittelfristige Richtung anbetrifft.

Das zeigen auch die Erfahrungen der Finanzkrise. Jene Firmen, die als Top-Performer aus der damaligen Rezession hervorgingen, haben den Grundstein für ihren Erfolg in den ersten zwölf Monaten der Krise gelegt. Das strategische Leitbild war dabei essenziell für die Orientierung von Management und Mitarbeitern – der Nordstern der Neuausrichtung.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wir haben für unsere Studie „Comeback Kids 2019: Durchstarten nach der Finanzkrise“ die Umsatz- und Ertragsentwicklung sowie die Wertsteigerung von 138 großen deutschen Aktiengesellschaften von der Finanzkrise 2008 bis zum Jahr 2018 analysiert. Obwohl die Rahmenbedingungen im Jahr 2008 für alle ähnlich waren, haben zehn Unternehmen deutlich besser performt und ihre Aktienrendite im Vergleich zum Rest versiebenfacht.

    Das Erfolgsrezept der „Comeback-Kids“

    Auch wenn es Unterschiede zwischen der Finanzkrise und der aktuellen Situation gibt, lohnt es sich, die Strategien der „Comeback Kids“, zu denen Sixt, Axel Springer und Jenoptik gehörten, genauer zu betrachten. Viele dieser Firmen waren vom Konjunktureinbruch hart getroffen, doch es ist ihnen gelungen, sich neu zu erfinden und ihren Unternehmenswert zu steigern. Natürlich lässt sich ihr Vorgehen nicht einfach übertragen. Dennoch lassen sich Richtlinien ableiten, an denen sich Unternehmen heute orientieren können.

    Ein wichtiger Erfolgsindikator der Comeback Kids war ihre Liquiditätsquote: Bei den ersten Anzeichen der Rezession starteten sie Kosten- und Effizienzprogramme, um die Bedrohung in den Griff zu bekommen. Mit der sich erholenden Konjunktur begannen sie dann, in margenstarke Märkte zu investieren. Dadurch sind ihre Umsätze teilweise zweistellig gewachsen.

    Auch im März 2020 haben die meisten Unternehmen schnell in den Krisenmodus geschaltet. Hier hat auch das Kurzarbeitergeld geholfen. Zum Höhepunkt der Krise im März und April wurde für rund elf Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet. Im Juli lag die Zahl der neuen Anträge bei rund 190.000. Auch der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit geht zurück – allein im Juli um fünf Prozentpunkte auf 37 Prozent.

    Die Wirtschaft läuft nach dem Lockdown wieder an. Das Ifo-Institut hat für das dritte Quartal 2020 eine Wachstumsrate von 6,9 Prozent im Vergleich zum vorigen Quartal prognostiziert. Das Bundeswirtschaftsministerium hat seine Konjunkturprognose mit einem deutlich geringeren BIP-Minus von 5,8 Prozent nach oben korrigiert. Für 2021 liegen die Wachstumsprognosen bei positiven 4,4 Prozent. Die Talsohle könnte Anfang 2021 hinter uns liegen.

    Doch es ist entscheidend, nicht in alte Muster zurückzufallen und auf die Erholung der Konjunktur zu warten. Schwachstellen müssen jetzt beseitigt werden – das kann die Lieferkette, Produktionsstandorte, die Personalausstattung oder das Geschäftsmodell betreffen.

    Jetzt könnte der richtige Moment sein, das Unternehmen vollständig zu digitalisieren oder eine radikale Änderung der Strategie zu wagen. Auch die Gewinner der vergangenen Krise haben ihre Strategie neu definiert und konsequent verfolgt. Im Abschwung haben sie gezielt investiert und ihr Zukunftsgeschäft ausgebaut.

    Die wichtigste Lektion, die wir aus 2008 gelernt haben, lautet: Auf dem Höhepunkt einer Krise entscheidet sich, wer am Ende als Gewinner dasteht. Was Unternehmen im ersten Jahr nach der Krise tun, wird sich auf ihre Performance im gesamten kommenden Jahrzehnt auswirken.

    Auch für die Covid-19-Krise gilt: Führungskräfte sollten sie nicht ungenutzt lassen. Sie sollten, ja sie müssen diese Krise als Gelegenheit begreifen, ihr Unternehmen für die neue Realität fit zu machen.

    Mehr: Lesen Sie hier, was die Coronakrise für den Immobilienmarkt in Deutschland bedeutet

    Startseite
    Mehr zu: Gastkommentar - Unternehmen müssen sich an die Post-Corona-Normalität gewöhnen
    0 Kommentare zu "Gastkommentar: Unternehmen müssen sich an die Post-Corona-Normalität gewöhnen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%