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Ursula von der Leyen
(Foto: Florian Gaertner/photothek.net (Montage))

Gastkommentar Ursula von der Leyen: Europas „technologische Souveränität“

Die EU wird den digitalen Wandel mit Investitionen fördern. Ein eigener Rechtsrahmen und hohe Standards sollen Vertrauen bei den Europäern schaffen.
19.02.2020 - 00:01 Uhr 2 Kommentare

Ich bin Tech-Optimistin. Schon im Medizinstudium habe ich gelernt, dass Technik Schicksale verändert, Leben rettet und Wunder verwirklicht. Heute ist es für uns selbstverständlich, dass wir bei einer Infektion Antibiotika einnehmen und bei einer Verletzung zum Röntgen gehen können. Einst waren das revolutionäre Entdeckungen.

Neue Technologien helfen uns, Krebs besser zu diagnostizieren, hochpräzise Operationen durchzuführen und Patienten individuell zu behandeln. All das passiert hier und jetzt in Europa.

Und das soll erst der Anfang sein. Ich möchte, dass die Digitalisierung die Norm in unserer Gesellschaft wird: sei es in der Landwirtschaft oder der Finanzwelt, in der Kultur oder im Bauwesen, im Kampf gegen den Klimawandel oder gegen den Terrorismus. Das ist die Vision hinter der neuen Digitalstrategie, die die Europäische Kommission diese Woche vorstellt.

Der digitale Wandel kann unsere Wirtschaft voranbringen und uns helfen, globale Herausforderungen auf europäische Art zu lösen. Wir können bessere Entscheidungen treffen mit Erkenntnissen, die wir aus nicht personenbezogenen Daten gewinnen. Big Data sollte für alle zugänglich sein – für Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen, für große und kleine Unternehmen, für Start-ups und Konzerne.

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    So kann unsere Gesellschaft am meisten von Innovationen und Wettbewerb profitieren. So haben alle etwas von der digitalen Dividende. Dieses digitale Europa soll Europa von seiner besten Seite zeigen – offen, fair, vielfältig, demokratisch und selbstbewusst.

    Unsere Digitalstrategie ist breit angelegt, weil auch der digitale Wandel alle Lebensbereiche durchdringt. Sie reicht von der Cybersicherheit bis hin zu kritischen Infrastrukturen, von digitaler Bildung bis hin zu Kompetenzen, von Demokratie bis hin zu Medien. Und ganz im Sinne des europäischen Grünen Deals fördert sie auch die Nachhaltigkeit, etwa die Klimaneutralität von Rechenzentren bis 2030.

    Der digitale Wandel darf aber nicht dem Zufall überlassen werden. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Rechte und unsere Privatsphäre online genauso geschützt sind wie offline, dass wir die Kontrolle über unser Leben und unsere personenbezogenen Daten haben und dass wir der Technik vertrauen können. Neue Technologien kommen, aber unsere Werte bleiben.

    Digitaler Wandel, der von Natur aus europäisch ist

    Mir ist bewusst, dass viele Menschen neuen Technologien und auch den Firmen misstrauen, die dahinterstehen. Vertrauen wird zerstört, wenn große Onlineplattformen die Daten ihrer eigenen Kunden auf ungebührliche Weise nutzen oder wenn Desinformation mehr Reichweite hat als verantwortungsvoller Journalismus.

    Genau deshalb brauchen wir einen digitalen Wandel, der von Natur aus europäisch ist. Einen Wandel, der Vertrauen schafft. Dazu müssen die digitalen Player Verantwortung übernehmen und den Europäerinnen und Europäern Zugang zu den Daten verschaffen, die sie sammeln. Denn beim digitalen Wandel in Europa geht es nicht um den Gewinn weniger, sondern um die Möglichkeiten vieler. Unter Umständen sind dafür auch neue Gesetzte erforderlich.

    Der digitale Wandel in Europa muss die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt mitnehmen. Er muss den Menschen dienen, sodass die Technik spürbare Vorteile für ihr Leben bringt. Dazu braucht Europa eigene digitale Kapazitäten – Quantencomputer, 5G, Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz. Dies sind einige der Investitionsschwerpunkte, für die wir EU-Mittel einsetzen werden, um nationale und private Investitionen zu mobilisieren.

    Auch für kleine und mittlere Betriebe ist es wichtig, die Digitalisierung und Big Data optimal zu nutzen. Obwohl die größten Ideen häufig von den kleinsten Start-ups stammen, kann es eine harte Aufgabe für kleinere europäische Unternehmen sein, in der digitalen Welt zu wachsen.

    Wir wollen, dass Start-ups in Deutschland und Europa die gleichen Chancen für Wachstum und Finanzierung haben wie ihre Gegenspieler im Silicon Valley. Dazu müssen wir die Zersplitterung unseres Binnenmarkts überwinden, die in der digitalen Welt oft noch größer ist als in der analogen. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um unsere Größe und Vielfalt zu nutzen – das sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Innovationen.

    Natürlich brauchen solche ehrgeizigen Pläne auch entsprechende Ressourcen. Deshalb werde ich beim Sondergipfel des Europäischen Rats diese Woche auf einen modernen und flexiblen EU-Haushalt drängen, der in Forschung, Innovation und Kompetenzen und damit in unsere Zukunft investiert. Das ist notwendig, wenn Europa in verheißungsvollen Bereichen wie Daten und Künstliche Intelligenz Vorreiter sein will.

    Ausgangspunkt wird immer der Schutz personenbezogener Daten sein. Europa verfügt bereits über die strengsten Datenschutzregeln der Welt, und wir werden den Europäerinnen und Europäern praktische Instrumente an die Hand geben, damit sie noch mehr Kontrolle haben.

    85 Prozent der produzierten Informationen werden nicht genutzt

    Es gibt aber auch eine andere Art von Daten, nämlich die noch nicht erschlossene Goldmine der nicht personenbezogenen Wirtschaftsdaten der Zukunft: anonymisierte Mobilitätsdaten, von Flugzeugen erfasste Wetterdaten, Satellitenbilder, aber auch Industrie- und Geschäftsdaten, etwa zur Leistung von Motoren oder zum Energieverbrauch.

    Solche nicht personenbezogenen Daten können zur Entwicklung neuer, effizienterer und nachhaltigerer Produkte und Dienstleistungen genutzt werden. Heute werden 85 Prozent der von uns produzierten Informationen nicht genutzt. Das muss sich ändern.

    Wir werden einen Rechtsrahmen und Betriebsstandards für europäische Datenräume schaffen, in denen Unternehmen, Regierungen und die Forschung ihre Daten speichern und auf vertrauenswürdige Daten zugreifen können, die von anderen geteilt werden, und zwar unter sicheren Bedingungen, die einen Mehrwert bringen und von denen alle profitieren.

    Diese Datenpools werden ganz wesentlich dazu beitragen, Spitzenleistungen und Vertrauen in Künstliche Intelligenz in Europa zu fördern. Künstliche Intelligenz hilft kleinen Unternehmen schon jetzt, Energiekosten zu senken. Sie sorgt für umweltfreundlicheren, automatisierten Verkehr und genauere medizinische Diagnosen.

    Um großen und kleinen Unternehmen dabei zu helfen, das Potenzial Künstlicher Intelligenz voll auszuschöpfen, werden wir in lokale Drehscheiben für digitale Innovationen und in Exzellenzzentren für Spitzenforschung und Bildung investieren.

    Gleichzeitig werden wir dafür sorgen, dass Künstliche Intelligenz fair ist und den hohen europäischen Standards entspricht. Unsere Prinzipien wie Sicherheit, Schutz der Privatsphäre und Gleichbehandlung am Arbeitsplatz müssen auch in einer Welt gewahrt bleiben, in der Algorithmen Entscheidungen beeinflussen. Wir werden uns gezielt auf Anwendungen mit hohem Risiko konzentrieren, die sich auf unser Leben oder unsere Gesundheit auswirken oder wichtige Entscheidungen über Arbeitsplätze oder Strafverfolgung beeinflussen.

    Dabei geht es nicht um mehr Regulierung, sondern um praktische Vorkehrungen, um Verantwortung und um die Möglichkeit, dass Menschen bei Gefahren oder Ungereimtheiten eingreifen. Wir haben schon andere Industriezweige erfolgreich gestaltet – von der Automobil- bis zur Lebensmittelindustrie –, und wir werden nun bei der neuen datenagilen Wirtschaft die gleiche Logik und die gleichen Standards anwenden.

    Alles zuvor Genannte fasse ich unter dem Begriff „technologische Souveränität“ zusammen. Der Begriff beschreibt die Fähigkeit Europas, seine eigenen Entscheidungen im Einklang mit seinen eigenen Werten und Regeln zu treffen. Dies wird dazu beitragen, uns alle zu Tech-Optimisten zu machen.

    Mehr: Forderungskatalog: So soll die EU zur Digitalmacht werden.

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar: Ursula von der Leyen: Europas „technologische Souveränität“ "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es blieb dem Menschen vorbehalten, technischen Systemen die Fähigkeit zur Realisierung von Informationsprozessen zu vermitteln. Diese Fähigkeit wurde bereits mit mechanischen Mitteln erreicht, hat jedoch mit der Entwicklung der Rechentechnik an Deutlichkeit gewonnen, weil sie in den letzten vierzig Jahren in bisher ungekanntem Maße wirksam geworden ist.
      Diese neue Qualität wird dadurch deutlich, dass Sprachen zur Kommunikation mit dieser Technik, zur Vermittlung und zur Aktivierung von Wissen genutzt werden.
      In der Rede zum Tag der Einheit 2017 sagt der Bundespräsident
      "Wir müssen uns ehrlich machen"
      http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2017/10/171003-TdDE-Rede-Mainz.html

      und er bezieht sich selbst mit ein und er ist wie viele andere Verantwortliche mit einbezogen!
      http://www.icsroscher.de/Innovation/Partner.htm

      Welchen Vorteil hat es für unser Land, die EU und unsere ganze Gesellschaft, wenn wir dieses Ziel gemeinsam kreativ und schöpferisch umsetzen und über das Internet ehrlich, sicher und vertrauensvoll in der natürlichen Sprache miteinander „reden“ können?

      CATI (Computer Aided Trust Internet) - das sichere Internet
      http://www.icsroscher.de/Innovation/Innovation.htm
      http://www.icsroscher.de/Innovation/Expose_ICS.html
      http://www.icsroscher.de/Innovation/Gesellschaft%205.0.html

      Das Ziel von CATI ist die Entwicklung des sicheren Internets, das dem Nutzer entgegentritt wie ein vertrauter Mensch, mit dem er sich vertrauensvoll mit Hilfe der natürlichen Sprache verständigen kann.

      Dr. Günther Roscher
      Klein Ammensleben, 21. Februar 2020

      ICS Dr. G. Roscher GmbH
      Dr.-Ing., Dipl.-Math. Günther Roscher
      CEO
      Am Kirchberg 6
      D - 39326 Klein Ammensleben
      Tel.: +49 39 202 52 12 6
      Fax: +49 39 202 52 12 8
      www.ICSRoscher.de
      [email protected]

    • Soweit ich das Silicon Valley verstanden haben, sind die Firmen dort nicht durch staatliche Planung entstanden. Menschen mit Ideen finden dort Menschen mit Geld, die die Umsetzung finanzieren. Risikokapital nennt sich das, welches jungen Unternehmen gegeben wird. Risiko bedeutet, dass die Idee auch ein wirtschaftlicher Verlust sein kann und das Geld weg ist. In Europa gibt es einen solchen Risikokapitalmarkt nicht. Wie viele Jahre und Jahrzehnte hat Amazon Verluste geschrieben? Wer hat die Verluste finanziert? Die Aktionäre. Immer im Glauben, dass trotz der Verluste ein großes Unternehmen aufgebaut wird. Und es hat funktioniert. Weil jemand Ideen hatte und andere sie finanziert haben. In Deutschland nennt man solche Gewinne für die Kapitalgeber "leistungsloses Einkommen", welches man am liebsten verbieten würde. Denn es fördert die Ungleichheit zwischen armen und reichen Menschen. Stimmt. Das tut es auch. Reiche Menschen mit Kapital werden noch reicher, wenn das Kapital sich vermehrt. Leistungslos ist es nicht, denn jemand gibt sein Geld und verliert es evtl. auch. Deutsche Politiker denken jedenfalls intensiv darüber nach, wie sie durch Finanztransaktionssteuer und Kapitalertragsteuer diese "leistungslosen Gewinne" abschöpfen können. Das der Kapitalmarkt in Europa ein Standortnachteil ist, darüber redet niemand. Wer hätte denn in Deutschland den Aufbau eines Elektroautoherstellers wie Tesla finanziert? Niemand.

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