1. Startseite
  2. Meinung
  3. Gastbeiträge
  4. Gastkommentar: Warum kluge Regulierung effiziente und nachhaltige Lieferketten erwirken kann

GastkommentarWarum kluge Regulierung effiziente und nachhaltige Lieferketten erwirken kann

Bürokratie als heimlicher Booster: Gesetze zwingen Firmen, ihre Lieferketten zu durchleuchten. Das kann enorme Innovationen hervorrufen, meinen Anahita Thoms und Thomas Saueressig. 15.01.2024 - 09:26 Uhr

Geopolitische Rivalität, Kriege und Protektionismus belasten den Welthandel. Angesichts wachsender globaler Herausforderungen müssen Unternehmen auch ihre globalen Lieferketten neu gestalten. In diesem unbeständigen Umfeld wirken Überregulierung und unnötige Bürokratie zweifellos als zusätzliches Hindernis für Innovationen und führen zu einem Wettbewerbsnachteil.

Doch gilt es hier genau hinzusehen: Eine ausgewogene und umsetzbar gestaltete Regulierung kann sogar als Katalysator für die immer dringlicher werdende wirtschaftliche Transformation dienen.

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz kann für mehr Transparenz und Diversifizierung sorgen

Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz schreiben Unternehmen vor, Menschenrechte, Klima- und Umweltauswirkungen in ihren Lieferketten mit größter Sorgfalt zu beachten.

Damit wird ein neuer Standard gesetzt. Solche Vorschriften veranlassen Unternehmen, sich intensiver mit ihren Lieferketten auseinanderzusetzen und – unter Umständen katastrophale – Reputationsschäden zu vermeiden.

Erstens tragen sie zu mehr Transparenz bei. Die Einhaltung der Vorschriften erfordert eine umfassende Datenerfassung, die Unternehmen einen Überblick über ihre Lieferketten gibt. In der Pharmabranche ist diese Transparenz schon seit Langem gegeben. Die Gefahr, dass durch Produktfälschungen oder Qualitätsprobleme wirtschaftlicher oder sogar gesundheitlicher Schaden entsteht, ist einfach zu hoch.

Zweitens müssen die Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien überdenken und Diversifizierung und Regionalisierung in Erwägung ziehen. Dies wiederum verringert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten oder Regionen und macht Lieferketten widerstandsfähiger gegen unerwartete Störungen. Ansonsten setzen sich Unternehmen einem unangemessenen Risiko aus.

Verantwortlichkeiten in der Lieferkette müssen klarer geregelt werden

Die Einhaltung solcher Vorschriften wird zudem oft zu engeren Beziehungen zu Lieferanten führen: Es muss Vertrauen einer neuen Qualität aufgebaut und Verantwortlichkeiten in der Lieferkette klarer geregelt werden.

Forschende der Universität Cambridge betonen die Notwendigkeit, Allianzen zu bilden, um die wirtschaftliche Sicherheit durch resiliente Lieferketten zu erhöhen. Sie plädieren auch für mehr Zusammenarbeit, um die Nachhaltigkeit zu verbessern.

Das zeigt: Die Industrie muss ihren Umgang mit Lieferanten und ihren Daten ändern. Anstatt in der Datennutzung den Fokus vorwiegend auf Verhandlungen für bessere Beschaffungskonditionen zu legen, sollten kooperative Prozesse mehr in den Mittelpunkt rücken. Mittlerweile erkennen Branchen den Mehrwert von Transparenz in ihrer Lieferkette. Der sichere Datenaustausch bildet das Rückgrat einer vernetzten Wirtschaft.

So kann beispielsweise ein Automobilhersteller, der das offene Netzwerk Catena-X nutzt, fehlerhafte Motorenteile ausfindig machen und zurückverfolgen. Das minimiert Rückrufaktionen wesentlich. Etwa 170 internationale Mitglieder, darunter deutsche Automobilhersteller, nutzen die Interoperabilität durch gemeinsame Standards, während die Netzwerkteilnehmer die Hoheit über ihre Daten behalten.

Wachsende regulatorische Anforderungen erfordern einen Paradigmenwechsel und moderne Lösungen. Hier kommt Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. KI-Unternehmenslösungen bieten die Möglichkeit, proaktiv Einblicke in die vielschichtigen Auswirkungen von Risiken zu erhalten. Sie ermöglichen es Unternehmen, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern zu antizipieren und zu entschärfen, bevor sie eskalieren.

Gesetzgeberische Vorgaben stimulieren die Firmen, in Fortschrittstechnologien zu investieren

Wer die Auswirkungen neuer Handelssanktionen kennt oder über die Blockade eines Containerhafens in Echtzeit informiert ist, hat einen Wettbewerbsvorteil. Störungen zu erkennen, ihre Auswirkungen zu verstehen und Maßnahmen zu empfehlen, sind greifbare Anwendungsbeispiele zur Optimierung durch KI.

Mit solch leistungsstarken Technologien geht eine große Verantwortung einher. Der Entwurf des KI-Gesetzes der Europäischen Union (EU) sieht vor, KI-Systeme auf der Grundlage von Risikostufen zu regulieren, und betont die Wichtigkeit der Einhaltung ethischer Grundsätze für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI. Das erfordert Transparenz, Rechenschaftspflicht und Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Staat und Öffentlichkeit.

Fazit: Gesetzgeberische Vorgaben können Innovationen stimulieren und Unternehmen veranlassen, in fortschrittliche Technologien zu investieren. Beispiele hierfür reichen von Netzwerklösungen in der Cloud bis KI. Leistungsstarke Unternehmenslösungen erleichtern nicht nur die Einhaltung von Vorschriften, sondern verbessern auch die Transparenz und das Management der gesamten Lieferkette. Kluge Regulierung kann als Katalysator für eine effiziente und nachhaltige Lieferkette wirken.

Verwandte Themen
SAP
AI-Act
Künstliche Intelligenz
Software
Lieferkettengesetz

Die Autoren: 
Anahita Thoms ist Rechtsanwältin und Partnerin bei Baker McKenzie. Thomas Saueressig ist im Vorstand von SAP für die Produktentwicklung zuständig.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt