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Gastkommentar Was man von Tesla über die Digitalisierung lernen kann

Der Erfolg des US-Autobauers wird weit über die Branche hinaus Folgen haben. Denn das Unternehmen verfolgt eine sehr konsequente Datenstrategie.
  • Stephan Noller
20.02.2020 - 16:37 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist Digitalunternehmer aus Köln, CEO der Ubirch GmbH und Mitglied im Beirat junge digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium. Er ist weder Tesla-Fahrer noch Tesla-Aktionär Quelle: UBIRCH
Stephan Noller

Der Autor ist Digitalunternehmer aus Köln, CEO der Ubirch GmbH und Mitglied im Beirat junge digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium. Er ist weder Tesla-Fahrer noch Tesla-Aktionär

(Foto: UBIRCH)

Vor Kurzem haben japanische Ingenieure ein aktuelles Tesla Model 3 auseinandergenommen und die Bauteile analysiert. Dabei ist herausgekommen, dass in dem E-Fahrzeug aus Kalifornien eine zentrale Schalt- und Rechenkomponente eingesetzt wird, die über eine erhebliche Leistungsfähigkeit verfügen muss und vermutlich schon heute ausreichend Computing-Reserven aufweist, um autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz zu ermöglichen.

Die Techniker kommen zu dem Schluss, dass Tesla der restlichen Autoindustrie vermutlich bis zu sechs Jahre voraus ist, was diese Komponenten anbelangt. Es ist übrigens nicht zum ersten Mal, dass ein Tesla auseinandergenommen und analysiert wurde – schon vor einigen Jahren stellten Ingenieure bei der Filetierung eines Model S fest, dass das Fahrzeug über eine überraschend hohe und hochwertige Anzahl von Sensoren verfügt.

Der Hersteller wurde damals etwas verlacht für diese sehr ineffiziente Bauweise, und es wurde vermutet, dass sich die Autos mit diesem verschwenderischen Technikeinsatz sicher nie profitabel würden produzieren lassen.

Inzwischen hat Tesla bewiesen, dass es doch geht. Aber mir ist ein anderer Punkt an den Ergebnissen der beiden Auto-Auseinanderschraubungen wichtig – ein Punkt, der weit über die Automobilindustrie hinausweist. Es ist sinnvoll, sich zu überlegen, was die Ingenieure da eigentlich jeweils vorgefunden haben beim Auseinanderbauen.

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    Und was wir daraus lernen können. Ich bin davon überzeugt, dass in der Interpretation des Tesla-Innenlebens ein zentrales Missverständnis zu erkennen ist, das uns in Deutschland vielleicht noch viel Wohlstand kosten wird, wenn wir es nicht bald ausräumen.

    Grundsätzliches Missverständnis

    Das Missverständnis betrifft die Art, wie die Digitalisierung funktioniert und wie Produkte aussehen, die für die neue digitale Ära entwickelt wurden. Denn was die Ingenieure da im Innern der beiden Modelle vorgefunden haben, sind vor allem elaborierte und extrem leistungsfähige Dateninfrastrukturen.

    Die Sensorik des Wagens erzeugt erhebliche Mengen an Daten, die permanent in die Tesla-Cloud hochgeladen werden. Die leistungsfähige KI-Schaltzentrale wiederum ist in der Lage, riesige Datenmengen in hoher Geschwindigkeit zu verarbeiten und intelligente, datengetriebene Entscheidungen zu fällen.

    Tesla verfolgt eine Datenstrategie, und das physische Auto ist teilweise fast nur noch ein Objekt, um diese Datensphäre zu ermöglichen, z. B., indem auf einem riesigen Display im Auto Dinge angezeigt werden. Das kann durchaus auch mal ein elektronisches Furzkissen sein. Viel wahrscheinlicher aber ist es, dass es faszinierende neue Services sein werden, die eine „Freude während des Fahrens“ produzieren.

    Autos traditioneller Hersteller setzen die Möglichkeiten der Digitalisierung in einem ganz anderen Sinne ein – hier ist die Sensorik nur als Unterstützung des physischen Objekts und Erlebnisses gedacht, also etwa ein Regensensor, der den Scheibenwischer einschaltet, oder ein Gefrier-Sensor, der der Zentrale mitteilt, dass die Düsen nicht mehr gehen.

    Die Digitalisierung verändert fundamental unsere Welt. Das merken wir immer häufiger darin, wie unser Privatleben funktioniert. Aber natürlich trifft das auch auf Bereiche zu, die das Geschäftsleben dominieren. Es ist inzwischen gut erkennbar, dass die Digitalisierung nach einem typischen, immer wiederkehrenden Muster verläuft.

    Das Muster besteht im Wesentlichen darin, dass physische Objekte und Prozesse erst einmal mit dem Internet verbunden werden, z. B. durch Sensorik, Mobilfunk und Datenschnittstellen. Durch diesen ersten Schritt entsteht – erst recht mit immer mehr Sensoren und schnelleren Datenströmen, wie z. B. 5G-Tele- und -Datenkommunikation sie bringen wird – ein immer besseres digitales Abbild der physischen Welt.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Was man von Tesla über die Digitalisierung lernen kann"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Artikel beschreibt die Situation in Deutschland bezüglich Digitalisierung ganz hervorragend. Jedoch wird ein wichtiges Thema außen vor gelassen: Digitalisierung betrifft nicht nur Daten. Um Wissen mit einzubeziehen sind andere Softwarearchitekturen erforderlich, als bei der Datenverarbeitung. Diese werden in Deutschland als Linguistisch Digitale Intelligenz entwickelt.

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