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GastkommentarWegen KI wird uns nicht die Arbeit ausgehen

Viele Menschen sorgen sich, ihren Job an Künstliche Intelligenz zu verlieren. Michael Stops nennt drei Gründe, warum die Befürchtungen unbegründet sind. 26.06.2023 - 14:45 Uhr
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Michael Stops ist Diplom-Volkswirt und Diplom-Verwaltungswirt, er forscht am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Foto: Handelsblatt

Derzeit sind viele Menschen schwer beeindruckt von Chatbots wie ChatGPT, da diese einen Kosmos voll ungeahnter Möglichkeiten zu eröffnen scheinen. Und jede Woche kommen noch weitere potenzielle Funktionen hinzu.

Die Anwendungen zeigen, dass sie auf nahezu jede Frage in vielen Themenfeldern, Sprachen und Sprachstilen gut formulierte Antworten generieren können. Darüber hinaus lösen sie mathematische Aufgaben, erzeugen Programmcode oder übersetzen von einer Programmiersprache in die andere.

Damit können sie also in jedem Fall dabei unterstützen, relevante Informationen zusammenzustellen. Und dies in neuen Varianten, denn die zugrunde liegenden Algorithmen finden auch Relationen zwischen den verschiedensten Informationen.

Das damit bereitgestellte Wissen kann eine enorme Bereicherung darstellen, und das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Zum jetzigen Zeitpunkt ist bereits klar, dass die sprachlich geschliffene Bereitstellung dieses Wissens Schulen, Hochschulen und Universitäten vor völlig neue Herausforderungen stellt: Insbesondere die Frage, wie geprüft werden kann, ob die Erstellung einer Abschlussarbeit auf eigenständig erbrachten kognitiven Leistungen basiert, muss neu beantwortet werden.

Die derzeit diskutierten potenziellen Funktionalitäten lösen Spekulationen und Ängste aus. Können bestimmte Jobs mit vergleichbaren Aufgabenmustern künftig vollständig automatisch übernommen werden? Mit dieser Frage sehen sich erstmals Personen in Jobs konfrontiert, die auf der Arbeit und dem Umgang mit dokumentiertem Wissen beruhen.

Drei Gründe, warum den Menschen die Arbeit durch KI nicht ausgeht

Und auch erste Studien befassen sich konkreter mit dem Spektrum der Tätigkeiten, das von einer Technologie, wie sie ChatGPT unterliegt, übernommen werden könnte.

Dennoch, aus mindestens drei Gründen wird den Menschen die Arbeit nicht ausgehen: 

Erstens sind nicht alle betroffenen Jobs in Gänze gefährdet, denn in einem Job muss man eine Vielzahl von Tätigkeiten ausführen.

So müssen beispielsweise  Journalisten, Sachverständige oder auch Anwälte eben nicht nur Informationen zusammenstellen. Vielmehr sind – auf dieser Basis – bei der Erstellung von Beiträgen, von Gutachten oder der Vorbereitung von Anklageschriften Entscheidungen zu treffen. Diese erfolgen unter Unsicherheit im Kontext aktueller Ereignisse, konkreter Situationen und sehr häufig auch nach ethisch-moralischen Abwägungen.

Zweitens stößt die Übernahme von Tätigkeiten auch da an Grenzen, wo Informationen zusammengestellt werden sollen, weil sie rechtssicher oder fachlich korrekt sein müssen.

Die generierten Informationen müssen überprüft und überprüfbar werden. Und nicht nur bei journalistischen Tätigkeiten braucht es einen hohen Gegenwartsbezug und ein Mindestmaß an Kontextualisierung.

ChatGPT wird da, wo er letztlich zum Einsatz kommt, unsere Arbeitsabläufe und Arbeitsprozesse verändern, meint Michael Stops.

Foto: dpa

Auch das kann die KI-Technologie nicht allein gewährleisten, denn sie muss immer wieder mit den neuesten, eben explizit von Menschen formulierten Informationen mit einer hohen Variation trainiert werden. Würde dies ausbleiben, könnte die KI beispielsweise neueste politische, gesellschaftliche oder auch technologische Entwicklungen nicht berücksichtigen.

Drittens muss man bei KI-Anwendungen wie ChatGPT auch wissen, wie man zu „guten“ Ergebnissen kommt. Es stellen sich also verschiedene Fragen: Wie muss die inhaltliche Frage an die KI formuliert werden? Wie lassen sich die erzeugten Ergebnisse validieren? Warum kann das System bestimmte Fragen (noch) nicht beantworten? Welche Informationen gingen ein? Hierzu bedarf es neuer, derzeit noch nicht abgrenzbarer Kompetenzen.

>> Lesen Sie auch: Was kann Googles KI?

Dennoch: ChatGPT wird da, wo er letztlich zum Einsatz kommt, unsere Arbeitsabläufe und Arbeitsprozesse verändern. Zudem könnte das viel schneller passieren als bei technologischen Innovationen in früheren Zeiten, auch weil der Zugang zu solchen Systemen gegenwärtig recht einfach ermöglicht wird.

Direkt betroffene Beschäftigte werden in den meisten Fällen ihre Kenntnisse an die neuen KI-gestützten Arbeitsplätze anpassen müssen. Ob das so weit geht, dass Spezialisierungen im bisherigen Feld oder gar berufliche Neuorientierungen anzuraten sind, wird sich individuell zeigen.

KI-Einsatz noch unklar

In der gewonnenen Zeit müsse man sich unter anderem damit befassen, wie man eine missbräuchliche Verwendung der KI-Algorithmen vermeiden kann oder wie man sich auf die Folgen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt vorbereiten muss.

Auch wenn noch nicht klar ist, ob dieser Forderung nachgekommen wird – ein deutliches Signal ist es allemal, dass Experten selbst ein Eingreifen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und damit letztlich des Menschen wünschen bei der Frage, ob und wie ChatGPT & Co. zum Einsatz kommen sollen.

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Der Autor:

Michael Stops ist Diplom-Volkswirt und Diplom-Verwaltungswirt, er forscht am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Mehr: Diese KI-Lösungen erleichtern die Arbeit
Erstveröffentlichung: 25.06.2023, 18:31 Uhr

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