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Gastkommentar Wie die Banken sich auf den Anstieg fauler Kredite einstellen sollten

Die Coronakrise hinterlässt ihre Spuren in der Wirtschaft – und bei den Banken. Wie negative Auswirkungen steigender Kreditausfälle abgemildert werden können, analysiert Andreas Dombret.
18.02.2021 - 08:49 Uhr Kommentieren
Andreas Dombret ist Global Senior Advisor bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Von 2010 bis 2018 war er im Vorstand der Bundesbank, von 2014 bis 2018 im Supervisory Board der EZB. Quelle: Bloomberg
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Andreas Dombret ist Global Senior Advisor bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Von 2010 bis 2018 war er im Vorstand der Bundesbank, von 2014 bis 2018 im Supervisory Board der EZB.

(Foto: Bloomberg)

Die Bücher für das Jahr 2020 sind geschlossen, und es ist die Zeit, in der die Jahresabschlüsse erstellt werden. Im Vergleich zu früheren Jahren wird deren Aussagekraft durch die von der Corona-Pandemie ausgelösten Einmaleffekte jedoch verzerrt sein. Unternehmen haben entweder massive Einbrüche zu beklagen – wie in der Luftfahrt, in der Gastronomie oder im Einzelhandel – , oder sie erleben eine Sonderkonjunktur wie viele Unternehmen im Technologie- und Digitalbereich.

Der Staat hat zahlreiche Instrumente bereitgestellt, um die Auswirkungen der Krise abzumildern. Trotzdem sind zum heutigen Zeitpunkt die Bilanzen etlicher Unternehmen bereits nachhaltig geschwächt. Die wahren Folgen von Corona werden sich aber erst zeigen, wenn die umfassenden Hilfsmaßnahmen einschließlich der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht auslaufen. Dann wird auch klar sein, inwieweit die Unternehmen „zombifiziert“ sind.

Auch bei den Kreditinstituten sind die Effekte der Pandemie sichtbar. Da sind zum einen die Auswirkungen auf das Kreditneugeschäft. Der bei verringerter wirtschaftlicher Gesamtaktivität stark steigenden Kreditnachfrage wird mit höheren Ablehnungsquoten und verschärften Kreditstandards begegnet. Gleichzeitig haben die Ankaufprogramme der Zentralbank und die damit einhergehende Zinssituation die Ertragskraft der Kreditinstitute weiter reduziert.

Die eigentliche Überraschung der letzten zwölf Monate war allerdings die an vielen Stellen nur gering gestiegene Kreditvorsorge. In der Summe konnten Banken und Sparkassen diese Krise bisher gut überstehen; sie waren ein wichtiger Teil der Lösung.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie lange diese Situation anhält.

Warnhinweise seitens der Aufsicht reißen nicht ab

Zum einen ist unsicher, wie sich das pandemische Geschehen weiterentwickelt und wie zügig die verschiedenen Sektoren der Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnen. Zum anderen ist unklar, wie lange die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und zur Unterstützung der Wirtschaft noch aufrechterhalten werden können. Ein Ende der Aussetzung der Pflicht zum Insolvenzantrag würde aller Wahrscheinlichkeit nach die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sprunghaft in die Höhe schnellen lassen. 

Schließlich ist noch nicht abzusehen, wie die Aufsichtsbehörden reagieren werden. Die Warnhinweise seitens der Aufsicht reißen nicht ab. Ebenso offen ist, wie lange die regulatorischen Erleichterungen gelten können, die ja unter der Annahme einer nur kurzzeitigen Krise gewährt wurden und die umso schwieriger zurückzunehmen sind, je länger sie anhalten.

Zweifelsohne wird allein die Tatsache, dass bis zum Ende des ersten Quartals die Jahresabschlüsse vorzulegen sind, bei den Kreditinstituten zu einer flächendeckenden Verschlechterung der Bonität und somit zum Druck auf die Kapitalsituation führen. Ein Ansteigen der Zahl der notleidenden Kredite darf als sicher angenommen werden, auch wenn die Schätzungen über das Ausmaß weit auseinandergehen.

Banken sollten vorbereitet sein

Verschiedene Schritte können ergriffen werden, um die Auswirkungen für den Bankensektor abzuschwächen.

Zum einen müssen die Kreditinstitute sowohl das notwendige Personal als auch die benötigten Werkzeuge zur Bearbeitung einer höheren Zahl von Unternehmensausfällen jetzt zur Verfügung stellen. Die internationale Erfahrung zeigt, dass eine gewisse Standardisierung von Restrukturierungsansätzen und -prozessen hilfreich ist. Von der kürzlich eingeführten präventiven Restrukturierung sollten Banken und Sparkassen umfassend Gebrauch machen.

Darüber hinaus sollten marktbasierte Mechanismen etabliert werden, um notleidende Kredite abwickeln zu können. Dazu gehören funktionierende Sekundärmärkte und ein einheitliches Rahmenwerk für Verbriefungsregelungen – im Geiste der europäischen Kapitalmarktunion. Eine Vergemeinschaftung von Kreditrisiken hingegen ist derzeit viel zu ambitioniert und mit viel zu hohen politischen und wirtschaftlichen Nebenwirkungen verbunden.

Es droht eine Restrukturierung der Kreditwirtschaft

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, bleibt letztlich nur die beschleunigte Restrukturierung der Kreditwirtschaft, wenn auch vor dem Hintergrund der aktuellen Formschwäche der EU-Bankenbranche.

Auch wenn das oft beschworene „this time is different“ für die Covid-Krise in vielen Aspekten gelten mag, eine Lektion aus der letzten Bankenkrise sollten wir verinnerlichen: Proaktives Handeln und gute Vorbereitung sind der Schlüssel zu jedem erfolgreichen Krisenmanagement.

Der Autor ist Global Senior Advisor bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Von 2010 bis 2018 war er im Vorstand der Bundesbank, von 2014 bis 2018 im Supervisory Board der EZB.

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