Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Wir müssen die Krise als Katalysator für die Transformation der Stahlindustrie nutzen

Wollen wir die derzeitige Lage als Chance nutzen, müssen wir unsere Wirtschaft in die Klimaneutralität führen. Europa läuft Gefahr, zum Verlierer zu werden.
15.06.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren
Bernhard Osburg ist Sprecher des Vorstands der Thyssen-Krupp Steel Europe AG. Quelle: Thyssen Krupp
Der Autor

Bernhard Osburg ist Sprecher des Vorstands der Thyssen-Krupp Steel Europe AG.

(Foto: Thyssen Krupp)

In der Krise liegt die Chance. Wie oft haben wir das schon gehört: aus der Politik, aus der Wirtschaft, aus der Gesellschaft. Passiert ist dann zu häufig zu wenig. Wird es dieses Mal anders laufen?

Sicher ist: Wir stehen inmitten einer vielschichtigen Krise. Akut beschäftigt uns die Corona-Pandemie und die Verwerfungen in der Wirtschaft, dauerhaft müssen wir Lösungen für den Klimawandel finden. Die Herausforderungen sind komplex, bieten aber auch eine große Chance, wenn wir zukunftsweisende Antworten geben.

Eine dieser Antworten kann nur lauten: Wir müssen unsere Wirtschaft und vor allem unsere Industrie als ihre wichtigste Grundlage in die Klimaneutralität führen – und zwar jetzt! Es geht hier nicht allein um Lösungen für den Klimawandel.

Es geht ganz grundsätzlich um die Frage, ob wir in Deutschland und Europa auch in Zukunft eine global wettbewerbsfähige Industrie haben und damit Wohlstand und Beschäftigung sichern können.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Siemens-Chef Joe Kaeser mag Recht haben, wenn er voraussagt, dass die USA und China auf Kosten Europas von der Krise profitieren werden. Die einen durch ihre starke Digitalwirtschaft, die anderen durch eine noch expansivere Wirtschaftspolitik.

    Europa dagegen läuft Gefahr, zum Verlierer zu werden. Wenn wir das verhindern wollen, müssen wir gerade dort durchstarten, wo wir derzeit noch Chancen auf die Pole Position haben. Das Rennen um eine klimaneutrale Produktion und ressourcenschonende Technologien hat längst begonnen – und hier haben Europa und besonders Deutschland das Potenzial, eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

    Hierbei kommt Stahl als Schlüsselindustrie eine zentrale Aufgabe zu. Die Bedeutung von Stahl wird durch die tiefgreifenden Umbrüche in unserer Wirtschaft und unserer Mobilität steigen: Ohne Stahl keine Energiewende. Ohne Stahl keine Elektromobilität. Der Green Deal Europas ist ohne klimaneutralen Stahl nicht machbar.

    Zugleich ist die Stahlindustrie ein großer CO2-Emittent. Das versetzt uns in die Lage, durch eine Umstellung unserer Produktion Treibhausgasemissionen massiv und nachhaltig zu senken.

    Wasserstoff kann nirgends mit einem vergleichbaren Klimaschutzeffekt eingesetzt werden wie im Stahl: Durch den Einsatz von einer Tonne Wasserstoff können 25 Tonnen CO2 vermieden werden. Die Nationale Wasserstoffstrategie bietet jetzt einen Rahmen, solche Vorhaben rund um den Energieträger der Zukunft entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu forcieren.

    Signalwirkung für Branche in Europa

    Thyssen-Krupp hat sich zum Ziel gesetzt, 30 Prozent der CO2-Emissionen bis 2030 zu vermeiden und bis 2050 klimaneutral zu sein. In den vergangenen Jahren haben wir massive Anstrengungen unternommen, die technologischen Grundlagen dafür zu schaffen.

    Nun kommt es auf eine zügige Realisierung an, um möglichst bald grünen Stahl dem Markt zur Verfügung zu stellen. Wegweisend wird hier der Bau einer ersten wasserstoffbasierten, ohne Kohle arbeitenden Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg bis 2024 sein.

    Ein erfolgreicher Start in die grüne Stahlproduktion hätte eine starke Signalwirkung für die deutsche und europäische Stahlbranche und die darauf aufbauenden Wertschöpfungsketten. Diese grundlegende Transformation der Stahlherstellung kann und wird nur dann geschehen, wenn die dafür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

    Dazu zählen eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft, Investitionsprogramme in nachhaltige Technologien und Lenkungsmechanismen, die höhere Produktionskosten für klimaneutrale Produkte ausgleichen.

    Denn, das gilt für Stahl wie auch für viele andere nachhaltig hergestellte Produkte: Klimaneutraler Stahl wird teurer sein als herkömmlicher. Wenn Europa seine Klimaziele erreichen will, müssen daher Anreize geschaffen werden, einen höheren Preis zu zahlen, etwa indem klimaneutraler Stahl auf vorhandene Emissionsziele angerechnet werden kann. Andernfalls werden die Abnehmerindustrien den CO2-belasteten Stahl der außereuropäischen Konkurrenz einsetzen.

    Etwas ganz Entscheidendes kommt hinzu: Alle Anstrengungen, die Stahlindustrie klimaneutral aufzustellen, wären vergebens, wenn wir angesichts der Importschwemme billigen, nicht klimaneutralen Stahls aus aller Welt keine spürbaren, temporären und WTO-konformen Importschranken aufbauen.

    Europa stellt sich hier sonst selbst ein Bein: Ohne Schutz vor Klima-Dumping gibt es keinen grünen Stahl. Vom deutschen Konjunkturpaket bis zum europäischen Green Deal liegen nun genügend Instrumente auf dem Tisch.

    Nutzen wir sie jetzt, um eine nachhaltige Wachstumsstrategie auf den Weg zu bringen und die industrielle Basis unserer Wirtschaft zu stärken. Die Chance ist da. Sie kommt nicht noch einmal.

    Mehr: Mit diesem Konzept will die Große Koalition die Stahlbranche retten.

    Startseite
    Mehr zu: Gastkommentar - Wir müssen die Krise als Katalysator für die Transformation der Stahlindustrie nutzen
    0 Kommentare zu "Gastkommentar: Wir müssen die Krise als Katalysator für die Transformation der Stahlindustrie nutzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%