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Prüfers Kolumne Das Bargeld als Matratze

Immer mehr Geldautomaten werden abgeschaltet, weil immer weniger Bargeld gebraucht wird. Doch was tun mit den Scheinen? Im Haushalt taugen sie wenig.
03.04.2021 - 09:48 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gelesen, dass es gerade ein Problem ist, am Geldautomaten Geld zu bekommen. Weil viele Automaten außer Betrieb sind. Das ist ja das ultimative Krisenszenario: Es ist kein Bargeld mehr verfügbar, die Banken brechen zusammen, die Wirtschaft kollabiert. So ist es aber nicht.

Denn dieser Tage hat es andere Ursachen, wie ich aus der „Welt am Sonntag“ erfahren habe: Die Automaten werden abgeschaltet, weil kein Schwein mehr Bargeld abhebt. Die Leute kaufen lieber online und kontaktlos mit Karte ein. Die ersten Geldautomatenhersteller beantragen schon Staatshilfe. Es ist eine abhebungsfreie Zeit: Normalerweise sind die Straßen in den Städten voll von Leuten, die schnell frische Euros brauchen, etwa weil sie Hunger haben.

Nun sehen die Einkaufsmeilen aus wie Filmkulissen nach Drehschluss. Was will man schon kaufen? Es gibt ja nix. All die Verlockungen, die ansonsten am Wegesrand des Lebens lauern, denen man gern sein Geld hinterherwirft, sind derzeit abgesagt. Zurzeit werden die Deutschen ihr Geld einfach nicht los. Sie horten es zu Hause – und offenbar in Massen. Die Bundesbank hatte im vergangenen Jahr 821 Milliarden Euro Bargeld in Umlauf, 71 Milliarden mehr als noch im Vorjahr. Wo ist all das Geld geblieben? Es wird wohl bei den Deutschen zu Hause gelagert.

Die Bundesbank sagt, dass die Ersparnisse der Deutschen 2020 um 182 Milliarden gewachsen sind. Der Platzbedarf dürfte enorm sein. Wer so viel Bargeld stapeln möchte, der muss das mindestens in 200-Euro-Scheinen tun. Das wären dann für 2020 ungefähr 910 Millionen Noten.

Früher hat man davon gesprochen, dass die Leute ihr Geld in der Matratze verstecken. Nun ist das Geld praktisch die Matratze. Vielleicht hat es ja auch einen tieferen Sinn: Die Menschen haben häufig keine gedruckten Zeitungen mehr im Haus. Dabei hat man das Papier häufig zu schätzen gewusst, es ließ sich vielfältig verwenden. Man konnte damit frisch geputzte Scheiben trocken reiben, damit es keine Schlieren gab. Man konnte auch feuchte Schuhe damit ausstopfen oder Schrankböden auslegen.

Dieses Papier gab es mit dem Rückzug der Tageszeitung häufig nicht mehr im Haushalt – bis jetzt. Allerdings werden nun endlich die offensichtlichen Nachteile des Bargelds deutlich. Die Scheine sind zum Beispiel wenig saugfähig, und auch das eher kleine Format ist ein Nachteil. Nicht einmal 500-Euro-Scheine gibt es noch, die wären zumindest bedeutend größer gewesen.

Kommt es doch noch einmal zu einem harten Lockdown wie im Frühjahr 2020, könnte auch das Toilettenpapier knapp und zur heimlichen Weltwährung werden. Und dieses Einsatzgebiet würde die Problematik der Geldscheinbeschaffenheit endgültig entblößen. Geld allein macht eben wirklich nicht glücklich.

Mehr: Wenn der (gefühlte) Hochstapler der bessere Chef ist

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