Prüfers Kolumne: Im Wendekreis des Fischstäbchens
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.
Foto: HandelsblattDie Deutschen, habe ich gelesen, essen immer mehr Tiefkühlpizza. Überhaupt steigt die Lust auf Schockgefrostetes: 1,974 Millionen Tonnen davon haben sie im vergangenen im Einzelhandel gekauft. Jede und jeder Deutsche hat fast einen Zentner Tiefkühlkost konsumiert, 1,6 Kilo mehr als zuvor.
Wir verspeisen dabei nicht nur Pizzen, sondern auch Fischstäbchen in großen Mengen. 2003 wurden pro Kopf noch19 Stück verzehrt, 2017 waren es bereits 27. Dieses Kulturgut wurde meiner Meinung nach bislang viel zu selten besprochen.
Die „Fish Fingers“ wurden 1955 in Großbritannien erfunden, in Deutschland gibt es sie seit 1959. Die DDR-Bürger kamen erst 1969 in den Genuss der sogenannten Fischstäbchen, allerdings waren das Blöcke aus zerkleinerten Fischstückchen – das West-Fischstäbchen bestand aus panierten, wenn auch gesägten Fischfilets.
Auf Fischstäbchen-Packungen ist davon die Rede, dass sie aus Alaska-Seelachs bestehen. Allerdings heißt der Fisch in Wirklichkeit Pazifik-Pollack, ein Vertreter der Familie der Dorsche. Die Bezeichnung „Seelachs“, habe ich gelernt, stammt aus dem Ersten Weltkrieg.