Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfers Kolumne Warum Hässliches für Sammler besonders wertvoll ist

Wer schöne alte Dinge sammelt, wird allein dadurch noch lange nicht wohlhabend. Mit Hässlichem lässt sich dagegen deutlich mehr Geld machen.
22.05.2021 - 11:23 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich würde gern einmal mit irgendetwas Altem reich werden. Zum Beispiel mit altem Wein. Ich habe gehört, dass jemand, der vor zehn Jahren eine Kiste Château Lafite-Rothschild gekauft hat, diese nun für etwa das Zehnfache verkaufen kann. Leider könnte bei mir keine Kiste Wein zehn Jahre überleben.

Ganz anders ist es mit Büchern. Ich habe eine sehr alte Ausgabe von „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden von 1911. Einen Buchhändler habe ich mal gefragt, was die wert sein könnte. Er meinte, höchstens ein paar Hundert Euro.

Damals habe es eben sehr viele dieser Lexika in deutschen Haushalten gegeben, denn jeder Bildungsbürger brauchte eins. Und daher gibt es von diesen alten Schinken noch heute sehr viele. Die Bücher sind deswegen nichts wert, weil sie von den Leuten gut gepflegt und bewahrt wurden.

Es wäre eine bessere Investition gewesen, hätten viele Bürger das Meyers-Lexikon gering geschätzt. Dann hätten sie die Bände weggeworfen oder die Bilder ausgeschnitten. Und ich wäre heute einer der wenigen, die noch ein wertvolles, unversehrtes Exemplar besäßen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ich habe auch eine Uhr, aber die ist ebenfalls nichts wert. Wenn ich eine Uhr als Wertanlage haben wollte, bräuchte ich ein Schweizer Fabrikat einer begehrten Marke, die gesammelt wird. Aber auch so eine Uhr zu besitzen hilft allein nicht. Denn Uhren, die gern gesammelt werden, werden auch gern gekauft. Und wo viel Ware ist, gibt es keine Wertsteigerungen.

    Man braucht also eine Schweizer Uhr einer viel gesammelten Marke, die so hässlich war, dass niemand sie kaufen wollte. Nur eine solche Uhr hat später einmal das Potenzial, Seltenheitswert zu erlangen.

    Pokémon-Karten bringen bis zu 100.000 Euro

    Man merkt also: Wer schöne Dinge besitzt, die gut gepflegt werden, der wird allein dadurch noch lange nicht wohlhabend. Es ist viel sinnvoller, hässliche Dinge zu sammeln, etwa Pokémon-Karten. Ich habe in der „Süddeutschen Zeitung“ gelesen, dass es dafür mittlerweile einen großen Sammlermarkt gibt. Von den Karten gibt es zwar auch sehr viele, aber wer seltene Exemplare besitzt, kann dafür bis zu 100.000 Euro verlangen.

    Ich aber wäre niemals auf die Idee gekommen, die hässlichen Pokémon-Karten aufzuheben, die meine Kinder mit ihren Freunden getauscht haben und die irgendwann lieblos im Kinderzimmer herumflogen. Ich habe sie alle weggeworfen. Was sind das für Leute, die so etwas aufheben? Nun weiß ich: reiche Leute.

    Ich habe allerdings die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch zu etwas Geld zu kommen mit meiner Aufheberei. Es ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass in hippen Kaffeeläden häufig alte gerahmte botanische Farbtafeln hängen. Wenn man genauer hinguckt, erkennt man, dass es alles herausgetrennte Seiten aus dem Meyers-Lexikon von 1911 sind.

    Wenn weitere Hipsterläden eröffnet werden, werden irgendwann einmal alle Lexika zerschnippelt sein. Das letzte unzerstörte Lexikon gibt es dann bei mir. In hundert Jahren.

    Mehr: Zurück ins Büro? Nicht ohne meine Hängematte

    Startseite
    Mehr zu: Prüfers Kolumne - Warum Hässliches für Sammler besonders wertvoll ist
    0 Kommentare zu "Prüfers Kolumne: Warum Hässliches für Sammler besonders wertvoll ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%