Familienunternehmer: Trumpf-Chefin verteidigt Verbandschefin Ostermann
Düsseldorf. In der Debatte um den Umgang des Verbands „Die Familienunternehmer“ mit der AfD verteidigt die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller die Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann. Über einen möglichen Austritt aus dem Verband denke sie derzeit nicht nach, sagte die Unternehmerin der „Stuttgarter Zeitung“ in einem Interview.
„In solchen Situationen neige ich dazu, erst mal abzuwarten, ein Glas Rotwein zu trinken, von den emotionalen Höhen herunterzukommen und dann erneut zu überlegen, ob das ein sinnvoller Schritt ist“, sagte Leibinger-Kammüller.
Ostermann habe in der Vergangenheit einen „bewundernswerten Job“ gemacht und müsse die vielschichtigen Interessen Tausender Mitglieder abdecken. Zudem sei es in vielen Regionen üblich, dass sich auch Handwerk oder Kammern gelegentlich mit der AfD austauschen.
In der vergangenen Woche ist bei den Familienunternehmern eine Debatte darüber ausgebrochen, wie die Wirtschaft sich gegenüber der AfD verhalten solle. Der Familienunternehmer-Verband steht in der Kritik, weil er die klare politische Abgrenzung zu der Partei aufgehoben hat. Verbandschefin Ostermann verteidigte den Beschluss im Handelsblatt. Es gehe darum, „mit AfD-Fachpolitikern auf bundespolitischer Ebene ins Gespräch zu kommen, ohne ihnen eine Bühne zu geben“.
Daraufhin verließen einige Mitglieder den Verband. Rossmann und Vorwerk etwa kündigten ihren Austritt an. Dem Verband gehören 6500 Unternehmerinnen und Unternehmer an. Für rund 180.000 Unternehmer sieht sich der Verband als Interessenvertretung.
„Tief empfundene Abscheu“
Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller hat eigenen Angaben zufolge noch nie AfD-Vertreter eingeladen. „Ich halte das auch nicht für zielführend, von meiner tief empfundenen Abscheu angesichts der Äußerungen des Spitzenpersonals einmal abgesehen“, sagte Leibinger-Kammüller. Ihrer Erfahrung nach blieben Diskussionen mit den Politikern der in Teilen rechtsextremen Partei erfolglos: „Es bringt nichts, sie bleiben bei ihrer Haltung.“
Aber man dürfe nicht „die ganzen AfD-Wähler verdammen, zumal auf kommunaler Ebene, wo der Mittelstand tief verankert ist“, sagte Leibinger-Kammüller und verwies dabei auch auf ihr eigenes Unternehmen, das auch einen Standort in Sachsen hat.
Wie aufgeladen die Diskussion zum Verhältnis zwischen Wirtschaft und AfD inzwischen ist, zeigt auch das Beispiel des Chefs der Drogeriemarktkette dm, Christoph Werner. Anfang der Woche hatte Werner der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, dass er es grundsätzlich statthaft finde, Parlamentarier zu einem parlamentarischen Abend eines Vereins einzuladen. Daraufhin folgten Boykottaufrufe und Anfeindungen im Internet.
Zum Ende der Woche hat sich Werner erneut in der „Süddeutschen Zeitung“ geäußert und präzisiert: „dm lehnt eine polarisierende Brandmauer-Debatte ebenso entschieden ab wie Positionen der Partei AfD, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen.“
Jedoch sei eine lebendige Demokratie sowohl ihm als auch dem Unternehmen „ein Anliegen“. Deswegen halte er es für falsch, die Partei zu diabolisieren. Seinen Austritt aus dem Verband hat dm laut Werner übrigens schon lange erklärt – bekannt geben wollte das Unternehmen den Schritt aber erst zum Jahresende.