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Gastkommentar – Homo oeconomicus Die Sparsamkeit der Staaten drückt die Zinsen

Die anhaltende Niedrigzinsphase ist eine unmittelbare Folge der schwarzen Null als Leitbild der Haushaltspolitik, argumentiert Peter Bofinger.
15.06.2021 - 12:40 Uhr 1 Kommentar
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Warum sind die Zinsen so stark gesunken? Die Standardantwort lautet: Wegen der Alterung der Gesellschaft mussten die privaten Haushalte mehr sparen. Es kam so zu einem Überschuss des Sparens über die Investitionen. Das erzeugte Druck auf den sogenannten natürlichen Zins. Dem hätten sich auch die Notenbanken nicht entziehen können.

Das Narrativ klingt überzeugend, aber es hat Schwachpunkte. Die Sparquote der privaten Haushalte war in der Europäischen Union in den 2010er-Jahren deutlich geringer als in den 2000er-Jahren. Selbst in Deutschland ist sie leicht zurückgegangen. Problematisch ist zudem die Annahme, dass mehr Sparen der Haushalte zu niedrigeren Zinsen führe.

Einen solchen Wirkungsmechanismus gibt es nur im realitätsfernen Modell der klassischen Makroökonomie. Es beschreibt eine Welt ohne Geld, in der es nur ein Einheitsgut gibt, welches man sowohl konsumieren als auch investieren kann. Entscheidet sich ein Haushalt, das Gut nicht zu konsumieren, es also zu sparen, kann er es den Investoren auf dem Kapitalmarkt anbieten, wodurch die Zinsen sinken.

Mit der Realität hat das nichts zu tun. Wenn Herr Müller beschließt, auf den Kauf eines Fernsehgeräts zu verzichten, hat er mehr Geld auf seinem Konto, der Händler dafür aber weniger. Die Summe der Geldbestände in der Wirtschaft bleibt unverändert. Sparen schafft keinen Überschuss an Finanzmitteln, durch den die Zinsen sinken könnten.

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    Im keynesianischen Modell führt Sparen dazu, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt, ohne dass davon ein direkter Zinseffekt ausgeht. Wenn die Zinsen sinken sollen, muss die Notenbank aktiv werden.

    Aber was war dann der Auslöser für die niedrigen Zinsen? Ein Akteur, der in dieser Diskussion bisher kaum beachtet wurde, ist der Staat.

    Niedrigzinsen waren kein Schicksal

    Betrachtet man die realen öffentlichen Ausgaben nach der Finanzkrise, kann man sowohl für die Vereinigten Staaten als auch den Euro-Raum bis zum Jahr 2016 eine nahezu stagnierende Entwicklung feststellen. Bei einer Relation der Staatsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt von rund 39 Prozent in den USA und 49 Prozent im Euro-Raum war mit dieser Austerität eine Nachfrageschwäche programmiert.

    Wären die Notenbanken damals passiv geblieben, hätte dies nicht zu sinkenden Zinsen, sondern zu einer globalen Rezession geführt. Indem die Europäische Zentralbank und die Fed die Zinsen aktiv senkten, gelang es ihnen, das zu vermeiden.

    Die Niedrigzinsen waren also kein Schicksal. Mit höheren Staatsausgaben hätte man die Nachfrageschwäche vermeiden können. Es entbehrt nicht der Ironie, dass man sich gerade in Deutschland über die Niedrigzinspolitik beklagt. Mit der Fokussierung auf die schwarze Null wurde die Wirtschaft nicht nur bei uns, sondern im ganzen Euro-Raum ausgebremst und so die EZB zum Handeln gezwungen.

    Mehr: Deutsche-Bank-Chefvolkswirt warnt vor der „Zeitbombe Inflation“

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Die Sparsamkeit der Staaten drückt die Zinsen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Höhere Staatsausgaben hätten zu einer beschleunigten noch höheren Staatsverschuldung in den Problemstaaten (Griechenland, Italien, …) geführt. Dies wiederum hätte den Druck auf die Eurozone als Ganzes zusätzlich erhöht und damit das Ende des Euros eingeläutet. Nur die Absenkung der Zinsen ermöglichte es den genannten Staaten, ihre Schuldenniveaus zu stabilisieren.

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