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Gastkommentar – Homo oeconomicusGeschlechterdiversität macht Finanzinstitute resilienter

Die Finanzbranche will keine Männerdomäne mehr sein. Das hilft nicht nur den Frauen, sondern auch den Finanzhäusern, ist Philine Erfurt Sandhu überzeugt. 06.11.2023 - 11:35 Uhr Artikel anhören

Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

Foto: Pressefoto

In jüngster Vergangenheit haben Kapitalmarktakteure gleich drei Initiativen zu Frauenförderung und Diversität in der Finanzindustrie ins Leben gerufen. Am Montag schlossen sich in Deutschland sechs institutionelle Investoren zur „30% Club Germany Investor Group“ zusammen.

Große in Deutschland ansässige Vermögensverwalter wollen auf diese Weise ihr Engagement für Diversität verstärken und dies auch bei ihren Portfoliounternehmen verstärkt einfordern.

Zusammen haben sie ein nach eigenen Angaben verwaltetes Vermögen von 4,5 Billionen Euro und damit bedeutenden Einfluss. Unter ihnen ist allerdings mit Allianz Global Investors nur ein einziger deutschstämmiger Investor.

Fast zeitgleich verschrieben sich zwei weitere internationale Finanzorganisationen dem Ziel der Erhöhung des Frauenanteils in der Finanzbranche: die World Alliance of International Finance sowie die Financial Centers for Sustainability.

Diese Absichtserklärungen sind gerade für die Finanzindustrie ein wichtiger Schritt. Mit Blick auf Gleichstellung und Diversität gibt es großen Nachholbedarf bei den Finanzinstituten. Beispielsweise betrug der Frauenanteil in der Geschäftsführung beziehungsweise in Vorständen von Banken in Deutschland 2022 laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung nur 14 Prozent, im Management von Fonds sind laut dem „Alpha Female Report“ von Citywire nur sieben Prozent Frauen.

Mehr Potenziale durch Geschlechtergerechtigkeit

Durch mehr Geschlechtergerechtigkeit ergeben sich für Finanzinstitute wirtschaftliche Potenziale. Immer mehr Studien zeigen eine Korrelation von Diversität und langfristigem Geschäftserfolg. Das liegt vor allem daran, dass das Risikomanagement sich verbessert und die Innovationskraft steigt. Das Risiko von Fehlinvestitionen sinkt, wenn die Entscheidungsgremien in den Portfoliounternehmen ausreichend divers zusammengesetzt sind.

Relevant ist das Agieren von Finanzinstituten im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit auch, wenn die Verteilung von Kapital in Betracht gezogen wird: Ermöglichen Banken Frauen oder anderen sozialen Gruppen gleichberechtigten Zugang zu Kapital für Gründungen oder bei der Kreditvergabe? Werden Frauen ausreichend für ihre private Altersvorsorge angesprochen?

Es gibt viele Beispiele aus anderen gesellschaftlichen Bereichen, die die Stärkung der Widerstandsfähigkeit einer Wirtschaft und Gesellschaft durch mehr Geschlechtergerechtigkeit zeigen: Werden im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Mikrokredite an Frauen gegeben, stabilisieren sich ganze Gemeinschaften. Werden in Kriegsgebieten Frauen in Friedensverhandlungen einbezogen, gewinnen die Abkommen an Dauerhaftigkeit.

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Mehr Diversität in Finanzinstituten ist elementar für die Resilienz der Branche selbst und sogleich für das Finanzsystem und die Gesellschaft insgesamt. Zu hoffen ist, dass diese Selbstverpflichtungen nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben und dass sich weitere deutsche Investoren zu diesen Zielen bekennen.

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