1. Startseite
  2. Meinung
  3. Homo Oeconomicus
  4. Ostdeutsche Manager: Warum Menschen aus Ostdeutschland in Spitzenpositionen fehlen

Gastkommentar – Homo oeconomicusOstdeutsche sind keine Manager zweiter Klasse – Unternehmen müssen Zeichen setzen

Ostdeutsche sind in Toppositionen stark unterrepräsentiert – und das ist ein strukturelles Problem. Es lässt sich jedoch nicht durch Zeitablauf lösen, stellt Philine Erfurt Sandhu fest. 21.06.2022 - 14:21 Uhr Artikel anhören

In der Gigafactory in Grünheide laufen jetzt täglich Tesla-Modelle vom Band.

Foto: dpa

Vor Kurzem fand der Ostdeutsche Wirtschaftsgipfel in Bad Saarow statt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte bei seiner Rede, die Unternehmen in den östlichen Bundesländern hätten einen „wahnsinnigen Aufholprozess“ hingelegt. Auch die Ansiedlungen großer Unternehmen wie Tesla oder Intel zeigen, dass es in Ostdeutschland vorangeht.

Was auf die Produktivität in den neuen Bundesländern zutreffen mag, zeigt sich nicht bei der Besetzung der Führungsspitzen in diesen Unternehmen. Eine aktuelle Studie der Universität Leipzig und des Mitteldeutschen Rundfunks zeigt: Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung werden immer noch 80 Prozent der Unternehmen in Ostdeutschland von Westdeutschen geführt – in den vergangenen Jahren sogar wieder mit steigender Tendenz. Ein Nachrücken ostdeutscher Führungskräfte auf die Positionen der westdeutschen Chefs, die nach der Wende viele Unternehmen übernommen hatten, hat nicht stattgefunden.

Auch für die gesamtdeutsche Wirtschaft zeigt die Studie eine extreme Schieflage: Unter allen 247 Vorstandsmitgliedern von Dax-Unternehmen finden sich aktuell nur zwei Ostdeutsche. Die mangelnde Repräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen ist ein strukturelles Problem. Es löst sich offensichtlich nicht über den Faktor Zeit.

Ein Grund für die Schieflage liegt in den Auswahlprozessen. Viele der großen ostdeutschen Unternehmen sind Töchter nicht ostdeutscher Konzerne. Die Nachwuchs- und Führungskräfte werden aus den Netzwerken der Konzernstruktur nach Ostdeutschland entsandt. Die neuen „West-Chefs“ bringen dann vielleicht auch noch ihre eigenen Leute mit.

Aus dem regional verankerten Talentpool ostdeutscher Führungskräfte wird kaum geschöpft. Die Gefahr dabei: Ostdeutsche erleben in ihrer Berufsbiografie, dass es bei der Besetzung von Spitzenpositionen eher um Seilschaften und Netzwerke geht als um Kompetenz und Ehrgeiz.

Unternehmen in Ostdeutschland können Zeichen setzen

Sie können sich noch so sehr abstrampeln, aber nach ganz oben schaffen sie es nicht. Diese Besetzungsentscheidungen gehen mit hohen gesellschaftlichen Kosten einher, weil die mangelnde Repräsentation Ostdeutscher in Spitzenpositionen das Prinzip der Gleichheit in einer Demokratie untergräbt.

Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

Foto: Pressefoto
Verwandte Themen
Deutschland
Sachsen

Bei der Auswahl von Spitzenführungskräften müssen wir weg von den engen Suchradien und den immer gleichen Auswahlmustern. Ostdeutsche mit ihrer Transformationserfahrung bringen Kompetenzen mit, die gerade jetzt in einer Zeit von ständigen Krisen gefragt sind. Zudem werden Unternehmen durch die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven krisenfester und resilienter.

Mit den neuen Werken von Tesla in Brandenburg und Intel in Magdeburg, aber auch mit Porsche in Leipzig könnte ein wichtiges Signal bei der Besetzung der Führungsspitzen gesetzt werden: Regional verankerte Führungskräfte aus Ostdeutschland sind keine Manager zweiter Klasse.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt