Homo oeconomicus: An der Klimaanpassung führt kein Weg mehr vorbei
Wir scheitern am Klimawandel. In den vergangenen vierzig Jahren haben sich die globalen Treibhausgasemissionen verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus dem Jahr 2020. Selbst wenn der Höhepunkt der Verbrennung fossiler Energieträger am Ende des Jahrzehnts erreicht werden sollte, wird der Verbrauch von Öl, Gas und Kohle danach nur ein Stück weit zurückgehen, so die Prognose der Internationalen Energieagentur und anderer Organisationen.
Eine derzeit um jährlich rund drei Prozent wachsende Weltwirtschaft verbraucht immer mehr Energie, der Ausbau erneuerbarer Energien kommt nicht hinterher. Statt die Pariser Klimaziele einzuhalten, müssen wir am Ende des Jahrhunderts mit einer um 2,5 bis drei Grad erhöhten Durchschnittstemperatur rechnen, heißt es im „UN Emissions Gap Report 2023“.
Die Unternehmen verteidigen gut funktionierende Geschäftsmodelle. Die Politiker selbst torpedieren Klimaschutzmaßnahmen, wenn sie damit Wähler gewinnen können. Die internationale politische Kooperation ist längst nicht hinreichend.
Konsumenten scheuen Veränderungen und Kosten der Transformation, viele Menschen sind damit auch wirtschaftlich schlicht überfordert. Wirtschaft, Staat und Gesellschaft finden immer neue Kompromisse – zulasten des Klimas und der Natur.
Beruhigt wird die Bevölkerung mit der Verabschiedung von ehrgeizigen Plänen für zukünftigen Klimaschutz. Die EU-Kommission hat Anfang Februar die Reduzierung der Treibhausgase bis 2040 um 90 Prozent zu ihrem neuen Ziel erklärt. In Deutschland sollen es bis 2030 laut Klimaschutzgesetz zwei Drittel sein.
Auf Erderwärmung einstellen
Doch die dazu notwendigen Maßnahmen werden immer wieder unter dem Druck von Lobbyisten und Wählern verwässert und vertagt. Es bleibt eine Versprechensmaschinerie, an die niemand mehr glaubt.
Ölkonzerne, die ihre Förderung reduzieren wollten, streichen diese Pläne unter dem Druck ihrer Aktionäre zusammen. Die EU behauptet, bis zum Jahr 2030 drei Milliarden Bäume pflanzen zu wollen. Schreitet die Baumpflanzaktion in bisherigem Tempo voran, wird das Ziel gemäß den Zahlen vom Forest Information System for Europe aber erst in ungefähr 1000 Jahren erreicht. Wer behauptet, bestehende Klimaziele könnten noch erreicht werden, ergeht sich in magischem Denken.
Gesellschaften sind daher gut beraten, sich auf eine Welt mit deutlich erhöhten Temperaturen einzustellen und Anpassungsmaßnahmen zu forcieren: Hochwasserschutz, Begrünung von Städten, Einbau von Klimaanlagen in Altersheimen und Schulen, Katastrophenschutz und ein Gesundheitssystem, das mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommt.
Dazu die Unterstützung des globalen Südens, wo sich die Folgen des Klimawandels am deutlichsten zeigen – mit Konsequenzen, von denen auch die reichen Länder betroffen sein werden.
Es bedarf erheblicher Investitionen in Infrastrukturen, will man vermeiden, dass der Klimawandel die soziale Ordnung in Unruhe versetzt. Die Schuldenbremse ist angesichts dieser Herausforderungen eine unnötige Belastung.