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Homo oeconomicus Die Krise ist noch lange nicht vorbei

Auch wenn sich die Wirtschaft vom Tiefpunkt der Corona-Rezession erholt, ist es für Entwarnung viel zu früh. Der Staat darf sich aus der Rettungspolitik daher noch nicht zurückziehen. 
31.08.2020 - 11:10 Uhr Kommentieren

Als das Statistische Bundesamt vergangene Woche die offiziellen Zahlen fürs zweite Quartal vorlegte, stand wie üblich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als bekanntester Wirtschaftsindikator im Fokus. Im Vergleich zum Vorquartal ist der Gesamtwert der produzierten Waren und Dienstleistungen um 9,7 Prozent eingebrochen – der stärkste jemals gemessene Rückgang.

Die Statistiker hatten aber noch viel überraschendere Zahlen parat. Da sind zunächst die privaten Haushaltseinkommen. Sie geben an, wie viel Geld insgesamt für Konsumausgaben zur Verfügung steht. Im Vergleich zum BIP war der Rückgang deutlich moderater – gerade mal 0,8 Prozent.

Und zum anderen ist da die private Sparquote. Sie stand schon vor der Krise bei etwa 12 Prozent, ein sehr hoher Wert im internationalen Vergleich, und machte nun einen gewaltigen Satz auf über 20 Prozent.

Was besagen diese Zahlen? Zunächst zeigen sie, dass der Staat in der Krise wie eine große Versicherung funktioniert hat. Die dramatischen Rückgänge bei Löhnen und Gewinnen wurden aufgefangen durch Liquiditätshilfen, Transferzahlungen und vor allem das Kurzarbeitergeld. Aber die Menschen geben dieses Geld nicht aus.

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    Teilweise mag das daran liegen, dass es bestimmte Konsummöglichkeiten (wie Konzerte oder Urlaube) weiterhin nur eingeschränkt gibt. Doch vor allem zeigt sich darin eine große Verunsicherung. Daran ändern auch vereinzelte optimistische Signale nichts. Einige Branchen laufen schon wieder prima.

    Meldungen von leer gekauften Fahrradläden machen die Runde. Der ifo Geschäftsklimaindex zeigt eine Aufhellung. Doch fürs Erste halten die Menschen ihr Geld zusammen – aus Sorge vor dem weiteren Pandemieverlauf und der Arbeitsmarktentwicklung.

    Das bedeutet: die Coronakrise ist noch lange nicht vorüber. Die lauter werdenden Unkenrufe, so allmählich müsse doch mal Schluss sein mit der staatlichen Rettungspolitik, sind deshalb verfrüht. „Wir können nicht jeden retten“, heißt es jetzt. Das sei viel zu teuer, behindere den notwendigen Strukturwandel und lasse Zombie-Firmen am Leben, die besser verschwinden sollten.

    Vorsicht statt Verallgemeinerung

    Im Einzelfall mag das stimmen. Die Welt geht nicht unter, bloß weil ein Szenelokal mangels Kundschaft schließen muss. Zumal es ja irgendwann die Wiedereröffnung feiern kann. Aber man muss aufpassen, solche Anekdoten nicht auf die Gesamtwirtschaft zu verallgemeinern.

    Wenn der Staat als Versicherung ausfällt, dann gesellen sich sinkende Haushaltseinkommen zum gestiegenen Vorsichtssparen und die Krise verschlimmert sich wieder. Dann ist es schnell passé mit den positiven Geschäftserwartungen, denn Nachfrage aus dem Ausland wird der deutschen Konjunktur diesmal wohl nicht (wie früher üblich) zur Hilfe eilen. Andere Länder haben ja dieselben oder noch größere Probleme wie wir.

    Die Krise ist erst vorbei, wenn das globale Pandemiegeschehen durch entsprechende medizinische Lösungen unter Kontrolle ist. Bis dahin sollte man vorsichtig sein, die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes zu verteufeln oder die Rückkehr zur schwarzen Null zu fordern.

    Mehr: Die deutsche Krisenpolitik geht auf – aber es gibt einige blinde Flecken

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