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  4. Lockdown in Shanghai: Versorgung mit Essen per Messenger-App Wechat

Asia TechonomicsWie Schanghais „Helden der Nachbarschaft“ die Stadt mit Lebensmitteln versorgen

Der anhaltende Lockdown in der 25-Millionen-Metropole sorgt für ein Comeback der Gruppenkäufe. Doch große Tech-Plattformen profitieren nicht davon.Sabine Gusbeth 27.04.2022 - 11:30 Uhr Artikel anhören

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Foto: Klawe Rzeczy

Peking. Die Lockdown-geplagten Schanghaier stellen gerade eindrucksvoll unter Beweis, was „Not macht erfinderisch“ im digitalen Zeitalter heißt. Viele der 25 Millionen Einwohner sitzen seit mehr als vier Wochen in ihren Wohnungen fest, weil Chinas Staatsführung Ausgangssperren für das wirkungsvollste Mittel gegen Corona hält. 

Da von der staatlich verordneten Zwangsquarantäne auch die sonst omnipräsenten Fahrer von Lieferplattformen wie Meituan, JD.com und Eleme betroffen sind, gehen vielen Menschen nach und nach die Lebensmittel aus. Gerade Businessleute in Schanghai waren es gewohnt, sich mit wenigen Klicks in kürzester Zeit Abendessen, Lebensmittel aus dem Supermarkt oder andere Onlineeinkäufe an die Haustür oder ins Büro liefern zu lassen.

Doch die Lieferketten rissen mit dem Lockdown über Nacht.

Die Schanghaier zeigen in dieser existenziellen Versorgungskrise eindrücklich, warum sie als besonders geschäftstüchtig und einfallsreich gelten. Über die Super-App Wechat schließen sich die Bewohner ganzer Wohnblocks zusammen und organisieren Gruppeneinkäufe.

Liefer-Apps fehlen die Fahrer – Schanghaier helfen sich gegenseitig

Anders als während der Lockdowns nach dem ersten Ausbruch des Coronavirus 2020 in Wuhan spielen Gruppeneinkaufsplattformen von Pinduoduo, Alibaba, JD.com und Meituan dabei kaum eine Rolle. Ihnen fehlen schlicht die Mitarbeiter und Fahrer.

Die großen Wachstumshoffnungen der Branche haben sich nicht erfüllt. Am Mittwoch kündigte Meituan gar an, in Peking keine Gruppenkäufe mehr anzubieten – es lohnt sich nicht.

Stattdessen florieren in Schanghai informelle Gruppenkäufe. Die Organisation übernehmen Freiwillige aus der jeweiligen Wohneinheit, die sogenannten Tuanzhang, zu Deutsch: Kommandeure. Die staatliche Zeitung Global Times würdigte die freiwilligen Helfer als „Helden der Nachbarschaft“. Per Wechat sammeln und koordinieren sie die Bestellungen in verschiedenen Gruppen: Eier-Gruppe, Gemüse-Gruppe, Ikea-Fleischbällchen-Gruppe. Sie bestellen direkt beim Bauern oder Großhändler, organisieren den Transport per Lkw und suchen weitere Freiwillige aus dem Wohnblock für die Lieferung zur Haustür.

Wer etwas bestellen will, muss schnell sein. Denn die Wohnanlagen sind riesig, die Waren oft binnen Minuten vergriffen. Einige Gruppenverantwortliche halten deshalb Extrakontingente für Senioren in der Nachbarschaft zurück, deren Bedarfe telefonisch abgefragt werden. 

Dass fast jeder Schanghaier unter den Lieferengpässen leidet, zeigte ein Hilferuf von Kathy Xu, Chinas wohl bekanntester Risikokapital-Investorin. Zu Beginn des Lockdowns bat die prominente Investorin, die unter anderem an JD.com beteiligt war, um die Aufnahme in eine Wechat-Gruppe für einen Großeinkauf – ihr fehlten Brot und Milch.

In den sozialen Medien teilen die Schanghaier ihre Gruppenkauf-Erfahrungen: Eine Nachbarschaftsgruppe hat sich eine Tonne Melonen in 220 Kisten bestellt. Eine andere ließ sich eine lebendige Ziege liefern.

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Allerdings, so berichtet ein Nutzer, wisse niemand, wie man das Tier schlachte. Deshalb lebe es jetzt im Grünstreifen der Wohnanlage.

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