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Asia TechonomicsZwischen Peking und Washington: Chinas Tech-Konzerne stecken in Russland im Sanktionsdilemma

China als Profiteur des Ukrainekriegs? Zumindest für viele in Russland tätige Unternehmen gilt das nicht. Das zeigt ein Blick auf die Technologiekonzerne.Nicole Bastian 02.03.2022 - 13:36 Uhr Artikel anhören

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Foto: Klawe Rzeczy

Eigentlich hatte der chinesische Onlinehändler Alibaba in diesem Jahr einen Börsengang seines russischen Joint Ventures Aliexpress Russia angedacht – immerhin des zweitgrößten Internethändlers Russlands. Daraus dürfte angesichts der Wirtschaftswirren in Russland infolge von Wladimir Putins Ukrainekrieg und der westlichen Sanktionen nichts werden. Chinas Konzerne als Profiteure der Kriegs- und Sanktionskluft zwischen Russland und dem Westen? So einfach ist das nicht.

Das zeigt zum Beispiel ein genauerer Blick auf die chinesischen Technologiekonzerne. Ihr Geschäft in Russland, das in den vergangenen Jahren durch die stärkeren bilateralen Wirtschaftsverflechtungen gewachsen ist, leidet nun auch infolge der immensen Verwerfungen des Landes: Probleme bei der Bargeldversorgung, Rubel-Verfall, Preisexplosionen. Zudem stecken die chinesischen Tech-Firmen gerade ganz tief in einem wirtschaftspolitischen Dilemma: Das Technologieexportverbot der USA als Teil der westlichen Sanktionen gegen Russland erfasst auch viele chinesische Tech-Firmen – und zwar dann, wenn in ihren Produkten verbaute Vorprodukte aus den USA stecken.

Sind Chips der chinesischen Halbleiterfirma SMIC zum Beispiel mit US-Ausrüstung von Applied Materials hergestellt, fallen sie unter die US-Sanktionen. Und die US-Seite hat schon klargemacht, dass sie diesen China-Strang der West-Sanktionen genau beobachten wird. Denn der Hebel über die chinesischen Anbieter ist groß: China ist der größte Elektroniklieferant für Russland: Ein Drittel der Halbleiter in Russland kommt aus China, bei Computern und Smartphones ist es sogar mehr als die Hälfte.

Nicht nur SMIC ist von dem Sanktionsdilemma betroffen, auch in Xiaomi-Handys etwa stecken einer Aufstellung der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge unter anderem Chips von Qualcomm und Qorvo aus den USA. In Lenovo-Computern laufen Prozessoren der US-Unternehmen Advanced Micro Devices und Intel.

Didis Rückzug aus Russland lässt den politischen Druck erahnen

Das Problem für die chinesischen Tech-Unternehmen: Chinas Regierung hat explizit und wiederholt Sanktionen gegen Russland als das falsche Mittel kritisiert. „Wir stellen uns gegen illegale, unilaterale Sanktionen ohne ein internationales Mandat“, lässt das Außenministerium in Peking gar wissen. Die prorussische Haltung schlägt auf die Stimmung in China durch und macht es chinesischen Firmen derzeit schwer, sich gegen Russland zu positionieren.

Das hat der chinesische Online-Fahrdienstvermittler Didi in der vergangenen Woche zu spüren bekommen. Am Montag – drei Tage vor dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine – kündigte Didi an, sich aus den Märkten Russland und Kasachstan wegen „der veränderten Marktlage“ zurückzuziehen. Am Samstag dann – zwei Tage nach der Invasion – kündigte Didi ohne Begründung die Kehrtwende an: Das Unternehmen werde in Russland aktiv bleiben. Ob es nur die Kritik in sozialen Netzwerken an dem Schritt war, der von nationalistischen Nutzern als US-hörig kritisiert wurde, oder ob es gar direkten politischen Druck gab, ist nicht klar.

>>> Lesen Sie hier alle aktuellen Entwicklungen zum Ukraine-Krieg: Nawalny ruft zu Protesten auf – Tass: Russland und Ukraine setzen Verhandlungen heute fort

Doch was chinesischen Firmen andererseits passieren kann, wenn sie US-Sanktionen nicht befolgen, haben alle Unternehmen am Beispiel des Telekomausrüsters Huawei eindrücklich gesehen: Wegen des Vorwurfs, US-Sanktionen gegen den Iran unterlaufen zu haben, war die Finanzchefin Meng Wanzhou infolge eines US-Auslieferungsantrags 1000 Tage lang in Kanada unter Hausarrest gestellt worden.

Asia Techonomics
Immer noch wird in Deutschland weitaus breiter und tiefer über Wirtschafts- und Innovationstrends aus den USA berichtet als aus Asien. Zu Unrecht, finden wir. In unserer wöchentlichen Kolumne Asia Techonomics wollen wir Ihnen deshalb die spannendsten Innovations- und Wirtschaftstrends aus der dynamischsten Region der Welt nahebringen.Im vergangenen Jahr hat die gesamte Region Asien dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge 1,6 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verloren – weitaus weniger als die USA oder Europa. Im laufenden Jahr wird dieser Rückgang mit einem erwarteten Wachstum von 7,3 Prozent weit mehr als kompensiert. Damit festigt Asien seine wirtschaftliche Bedeutung für die Welt. Während Europa in die dritte Covid-Welle rutscht, sind die Infektions- und Todeszahlen seit Ausbruch der Pandemie in Asien weitaus besser. Nicht zuletzt die Coronakrise hat gezeigt, dass sich der genauere Blick nach Asien lohnt, um für das eigene Land zu lernen.Wir sehen, dass unsere Leser sich für genau diese Themen interessieren. Deshalb wollen wir mit Asia Techonomics von nun an jede Woche einen Blick werfen auf neue Technologieideen aus Japan oder China, Milliardenkonzerne, die in Südkorea oder Indonesien den Börsenmarkt aufmischen, Tech-Investitionen in den indischen Markt, Tests vom Kuschelroboter bis zum Laborfleisch-Restaurant. Viel Spaß wünscht Nicole Bastian!

Experten warnen bereits, dass chinesischen Firmen und ihren Vertretern hohe Geld- und Haftstrafen drohen, wenn sie die US-Sanktionen brechen. Huawei übrigens ist neben Alibaba eines der größten chinesischen Unternehmen in China. Mit den Sanktionen im Westen hat der Konzern sich noch stärker in Russland engagiert, ist unter anderem strategischer Partner bei der Cloud-Plattform der größten russischen Bank Sberbank.

Nicht nur Europa und die USA sind so über ihre Zulieferketten geopolitischen Risiken ausgesetzt. Die chinesischen Technologiekonzerne merken am Beispiel Russland einmal mehr, dass das auch für sie gilt.

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In unserer Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Sabine Gusbeth, Martin Kölling und Mathias Peer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt.

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