Elon Musk: China ist Teslas bester Kunde – und eine wachsende Belastung
Es war eine bizarre Szene, als sich Donald Trump in dieser Woche im Beisein von Tesla-Chef Elon Musk in einen roten Tesla X setzte und erzählte, so einen wolle er kaufen. Und es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass „gepanzerte Tesla“ zunächst auf einer 400 Millionen Dollar schweren Beschaffungsliste des US-Verteidigungsministeriums standen und nach Medienberichten erst einmal schnell durch „gepanzerte Fahrzeuge“ ersetzt wurden.
Der Trump-Vertraute Elon Musk und sein Unternehmen Tesla bekommen von der noch jungen US-Regierung so ziemlich jede Unterstützung, die sie sich wünschen können. Kritiker könnten das als Kungelei bezeichnen – gelegen kommt es Tesla in jedem Fall: Denn der Hersteller von E-Autos hat seit seiner Rekordbewertung Mitte Dezember mehr als 800 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung verloren.
Ob Anleger nun der politische Rechtskurs des Tesla-Chefs stört oder die Tatsache, dass das Unternehmen mit massiven Absatzproblemen kämpft – Elon Musk hat ein Problem. Der US-Markt ist dabei ein zentraler Grund. 675.000 Fahrzeuge hat der US-E-Auto-Hersteller 2024 dort verkaufen können. Doch der US-Markt ist eingebrochen – um mehr als elf Prozent im vergangenen Jahr. Und im Januar dieses Jahres setzte sich der Trend fort.
Ganz anders sah das im vergangenen Jahr in China aus. Mit 657.000 Fahrzeugen verkaufte Tesla hier so viele Autos wie noch nie – ein Anstieg um fast neun Prozent. Würde sich die Absatzentwicklung in China und den USA so fortsetzen, würde China die USA in diesem Jahr als wichtigster Absatzmarkt Teslas ablösen.
Dazu kommt: Als bisher einziger ausländischer Autohersteller darf Tesla in China ohne einen lokalen Joint-Venture-Partner Geschäfte machen. Musk hat sich häufig betont China-freundlich gezeigt, trifft seit Jahren immer wieder hochrangige chinesische Politiker – und hat unter anderem Taiwan als „integralen Teil Chinas“ bezeichnet. Das ist eine Kernforderung der Kommunistischen Partei in Peking. Taiwan jedoch möchte kein Teil der Volksrepublik werden.
Teslas Gigafactory in Shanghai ist eine der größten Fabriken des Unternehmens. In China sitzt ein wichtiger Teil der Batterielieferanten. Nicht Trump ist derzeit Teslas bester Kunde, sondern China.
Das aber wird für Musk in den USA jetzt zunehmend zur politischen Belastung: Der republikanische und der demokratische Führer des China-Ausschusses des Repräsentantenhauses, John Moolenaar und Raja Krishnamoorthi, warnten vor wenigen Tagen auf einer Veranstaltung, dass die Führung in Peking Musk als Vehikel nutzen könnte, die US-Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Auch der Unternehmer Vivek Ramaswamy, der Gouverneur in Ohio werden möchte, hatte bereits früh Elon Musks ausgesprochen gute China-Beziehungen kritisiert.
Ökonom George R. Tyler, der unter Bill Clinton im Finanzministerium gearbeitet hat, geht noch weiter: „Dass Musks Abhängigkeit von China ihn zu einem signifikanten nationalen Sicherheitsrisiko macht, ist eine Tatsache, die sogar US-Republikaner anerkennen“, schrieb er Ende Januar in einem Beitrag für „The Globalist“.
In den US-Medien wurde zudem jüngst wiederholt der Verdacht geäußert, dass Musk damit zu tun haben könnte, dass Restriktionen für das China-Geschäft im Dezember aus einem Gesetzesentwurf gestrichen wurden. Offiziell bestätigt wurde dies nicht. Für Aufsehen sorgte auch ein Bericht, dass chinesische Investoren in andere Firmen Musks wie SpaceX in den vergangenen Jahren in größerem Stil investiert hätten.
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Diese China-Nähe könnte für Musk noch zum politischen Problem werden. Denn wenn sich Republikaner und Demokraten in überhaupt noch etwas einig sind derzeit, dann in ihrer Kritik an China. Und auch Trumps Kabinettsriege ist vor allem mit China-Falken besetzt.
Und plötzlich wird auch China zur Belastung
Das ist aber nur das eine Problem für Elon Musk. Das zweite: Ebenjenes China-Geschäft, das ihm die politischen Probleme einbringt, läuft seit Jahresanfang nicht mehr so wie noch im Vorjahr. Im Januar sank Teslas Absatz in China um mehr als elf Prozent – ein drastischer Einbruch im Vergleich zur guten Entwicklung 2024. Die Februarzahlen sind wegen der chinesischen Neujahrs-Feiertage weniger aussagekräftig.
Teslas neue Absatzprobleme liegen vor allem an der gestiegenen Konkurrenz durch chinesische Autobauer wie BYD und einer wachsenden Präferenz chinesischer Autokäufer für inländische Marken. Dass Tesla den Trend auf seinem Kernmarkt mit neuen Modellen drehen kann, wird von vielen Analysten bezweifelt.