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Impact InvestingWorauf Vermögensnachfolger bei Investments setzen

Wer Geld einwerben will, braucht eine Investment-Story. Es gewinnt, wer die beste Geschichte erzählt, wie bei einer Castingshow – nur, dass die Jury aus Investoren besteht.Felix Oldenburg 30.10.2025 - 10:46 Uhr Artikel anhören
Bühne mit Mikrofon, Kolumnist: Auch wenn wir in Deutschland früh in Start-ups investieren, landet die Wertschöpfung immer woanders, schreibt Felix Oldenburg. Foto: Getty Images, Volker Strasse

Ich habe schon für viele Ideen Geld gesammelt, zuletzt für ein eigenes Start-up. Aber auch ganze Länder haben Investmentstorys: um sich selbst zu überzeugen, aber natürlich vor allem die Kapitalmärkte. Denn Wachstum braucht Geld. Und Transformation auch.

Doch was ist eigentlich die deutsche Investmentstory? Im Kanzleramt folgt ein Wirtschaftsgipfel dem anderen. Nur: Eine kohärente Erzählung ist in diesem angekündigten Herbst der Reformen nicht erkennbar.

Zuletzt war die Autoindustrie da. Mit einer Nummer voller Retrocharme rund um Verbrenner, die eben noch die Vergangenheit waren und jetzt wieder die Zukunft sein sollen. Wenige Tage zuvor standen Lobbyisten anderer Traditionsindustrien mit rosa Transparenten vor dem Kanzleramt. Organisiert vom Familienunternehmer-Verband forderten sie mit einer „Wirtschaftswende“ Steuersenkungen und den Abbau von Nachhaltigkeitsvorschriften.

Nur einige Wochen ist es her, dass eine Männertruppe mit einer einzigen Frau auf den Stufen des Kanzleramts auftrat, um schwarz-rot-goldene Milliardeninvestitionen anzukündigen – die sich kurz darauf in Teilen als ohnehin geplant herausstellten.

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Die Start-up- und Wagniskapitalbranche sollte es da eigentlich leichter haben, immerhin hat sie die ganz großen, globalen Wachstumserfolge zu erzählen. Aber das, was sie antreibt, sind fast immer Exits in Richtung von Tech-Monopolisten oder Fonds aus den USA. Auch wenn wir in Deutschland früh in Start-ups investieren, landet die Wertschöpfung – zusammen mit unseren Daten – immer woanders. Und was ist eigentlich die Geschichte vom Green New Deal geworden, der eigentlich die Show gewinnen sollte?

Wie ich Vermögensnachfolger erlebe

Die wichtigste Frage ist meiner Meinung nach eine andere: Wem erzählen wir diese Geschichte eigentlich? Es geht ja nicht um eine Show, sondern darum, in welchem Land mit welcher Wirtschaft wir eigentlich leben wollen.

In meinem Umfeld erlebe ich viele Vermögensnachfolger, die auf der Suche nach ganz anderen Sinnangeboten sind. Nach Angeboten, die Wachstum versprechen, das auch in unserer Gesellschaft bleibt. Nach solchen, die für eine bessere Zukunft sorgen, statt enorme Folgekosten zu produzieren. Nach solchen, die echte Probleme lösen, statt in einen Bankprospekt zu passen.

Abseits der großen Bühne hat sich mit „Impact Investing“ inzwischen eine solche Alternative aufgestellt. Das sind Investitionen in Unternehmen, deren primäres Ziel es ist, ein soziales oder ökologisches Problem zu lösen. Wo es dafür bereits funktionierende Märkte gibt, können diese Unternehmen profitabel arbeiten. Wo sie diese Märkte erst schaffen müssen, kann es dafür länger dauern.

Leider passt das Ganze bei aller positiven Wirkung für die Gesellschaft nicht so richtig zu den Anreizen und Präferenzen der etablierten Kapitalmärkte. Ein klassischer Fall für ein Engagement staatlicher Förderbanken also.

So sehen das jedenfalls Großbritannien, Frankreich, Spanien und weitere Länder um uns herum, die entsprechende Milliardenprogramme aufgelegt haben. Denn wer privates Risikokapital für neue Ideen gewinnen will, muss zum Anschub Anker- und Co-Investments und idealerweise auch Ausfallgarantien liefern. Mit Erfolg: Laut Global Impact Investing Network ist das weltweite Volumen solcher Anlagen seit 2015 auf über 1,2 Billionen US-Dollar gewachsen.

Warum Deutschland beim Impact Investing hinterherläuft

In Deutschland wäre dafür auf Bundesebene die KfW beziehungsweise ihre Tochter KfW Capital zuständig. Sie unterstützt konventionelle VC-Fonds mit 2,5 Milliarden Euro. Dort gilt: Je schneller der Exit, desto besser. Um Nachhaltigkeit geht es nur am Rand.

Für Impact Investing gibt es hingegen im zehn Milliarden Euro schweren Zukunftsfonds nur symbolhaftes Kleingeld bis 2030 und einen Award, der mit zwei Handvoll Bewerbungen und 5000 Euro Preisgeld noch nicht einmal als Symbol durchgehen kann. Um eine ernsthafte Rolle zu spielen, bräuchte die KfW ein erweitertes politisches Mandat. Das müsste von der Bundesregierung kommen, die aber eben keine gemeinsame standortpolitische Vision hat.

Dass man auch ohne staatlichen Rückenwind private Investoren für Impact Investments gewinnen kann, sehe ich um mich herum überall. Viele dieser Geschichten können sich nach und nach zu einer großen Erzählung addieren, die das Potenzial hätte, auch die Castingshow um das große Kapital zu gewinnen. Ich bin sicher, dass der Pitch für eine Gesellschaft mit sauberer Wirtschaft, gelingender Integration und freier Rede letztlich attraktiver ist als die Alternativen, die in Berlin um die Aufmerksamkeit buhlen.

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Felix Oldenburg ist Autor ( „Der gefesselte Wohlstand“, 2025) und CEO des Stiftungs-Start-ups Bcause. Zuvor leitete er den Bundesverband Deutscher Stiftungen und das Sozialunternehmernetzwerk Ashoka. Mit Unternehmen, Podcast und Newsletter ermutigt er alle, die mehr beitragen können, zu einem neuen Geben.

Erstpublikation: 16.10.2025, 18:18 Uhr.

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