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EU-KolumneWo die EU die Wettbewerbsfähigkeit steigern muss

Europa fällt hinter die USA und China zurück. Brüssel braucht nach der Europawahl ein neues Mantra. Carsten Volkery 16.01.2024 - 09:41 Uhr Artikel anhören
Mario Draghi ist EU-Sonderbeauftragter für Wettbewerbsfähigkeit und will bis zum Sommer Reformvorschläge vorlegen. Foto: Arne Dedert/dpa Foto: dpa

Brüssel. Die EU hat gleich zwei ehemalige italienische Premierminister damit beauftragt, neue Wachstumsimpulse für die europäische Wirtschaft ausfindig zu machen. Im März wird der Bericht Enrico Lettas zur Binnenmarktreform erwartet. Im Sommer dann soll der Sonderbeauftragte Mario Draghi Vorschläge vorlegen, wie Europa wettbewerbsfähiger werden kann.

So wie der „Green Deal“ zum grünen Umbau der Wirtschaft die laufende Legislaturperiode dominiert hat, soll die Wettbewerbsfähigkeit zum neuen Mantra werden, wenn nach der Europawahl im Juni die neue Kommission antritt. Reformen sind auch dringend nötig, wenn man sich eine neue Studie der Unternehmensberatung McKinsey ansieht.

Demnach liegt Europas Pro-Kopf-Einkommen immer noch 27 Prozent unter dem der USA. Um diese Wohlstandslücke zu schließen, müsse Europa global wettbewerbsfähiger werden, schreiben die Autoren. Nur wie? Unter anderem fordern die Experten, dass Unternehmen ihre Forschungsausgaben verdoppeln sollten – von 3,7 auf 7,4 Prozent des Umsatzes. Zum Vergleich: US-Unternehmen geben im Schnitt aktuell bereits 6,8 Prozent für Research and Development (R&D) aus.

USA haben 35 große KI-Firmen, Europa drei

Ein besonders krasses Missverhältnis gibt es im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI): Europa investierte im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Dollar in die Zukunftsbranche, die USA 23 Milliarden Dollar. Das spiegelt sich auch in der Zahl der KI-Unternehmen wider: Während die USA 35 größere KI-Firmen zählen, finden die McKinsey-Forscher in Europa nur drei.

Eine weitere Dauerempfehlung an Europa ist der Bürokratieabbau. Hier sind immerhin erste Zeichen des Umdenkens zu erkennen: Nachdem der „Green Deal“ viele neue Vorschriften für Unternehmen gebracht hat, versprechen die Parteien im Europawahlkampf nun wieder eine Entlastung. Bei dem Thema könnte es bald zum nächsten Showdown im Rat der Mitgliedstaaten kommen: Bundesfinanzminister Christian Lindner stellt nämlich die EU-Lieferkettenrichtlinie in ihrer aktuellen Form infrage. Das Gesetz sei ein „teures Misstrauensvotum gegen die Wirtschaft“, sagte der FDP-Chef dem Medienhaus Table.Media.

Das FDP-Präsidium forderte am Montag, das Vorhaben zu stoppen. Es wird nicht die einzige Baustelle bleiben. Der Sonderbeauftragte Draghi tourt derzeit durch Europa, um Ideen für seinen Bericht zu sammeln. Vergangene Woche diskutierte er mit Managern und EU-Kommissaren. Seine Diagnose fiel realistisch aus: Europa fällt hinter die USA und China zurück. Nun darf man auf sein Gegenmittel gespannt sein.

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