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GesundheitSo bringen Sie Ihr Herz wieder in Takt

Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag können harmlos und völlig normal sein, aber auch gefährlich. Nur eine kardiologische Untersuchung bringt hier Klarheit, rät unser Kolumnist. 05.10.2024 - 12:40 Uhr Artikel anhören
Kolumnist Grönemeyer und die Frage nach dem richtigen Takt. Foto: HB/Privat

Unser Herz schlägt in Ruhe zwischen 60 und 90 Mal pro Minute. Werden diese Werte in Ruhe deutlich überschritten oder schlägt das Herz unregelmäßig, spricht man von Rhythmusstörungen. Darunter leiden hierzulande viele Menschen.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung werden pro Jahr „etwa 400.000 Menschen wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik eingeliefert“. In vielen Fällen äußert sich ein unregelmäßiger Herzschlag dann durch Herzrasen und -stolpern. Weitere Symptome: Unruhe, Angst, Schwindel, Leistungsschwäche, Müdigkeit oder Übelkeit.

Viele Herzrhythmusstörungen sind allerdings harmlos, manche müssen nicht einmal behandelt werden. Ob sie aber harmlos oder gesundheitsgefährdend sind, kann nur ein Herzspezialist (Kardiologe) entscheiden. Keinesfalls darf man mit wie auch immer gearteten „Hausmitteln“ oder alternativmedizinischen Methoden versuchen, solche Beschwerden selbst zu behandeln.

Das sind die wichtigsten Ursachen für Herzrhythmusstörungen:

  • Genussgifte wie Alkohol oder Kaffee sorgen dafür, dass das Herz schneller als üblich schlägt. Das kann bisweilen sogar zu Extraschlägen (Extrasystolen) führen.
  • Auch emotionale Anspannung spielt eine wichtige Rolle. Stress, Nervosität und Angst, allesamt Zustände, die häufig bei Menschen mit Führungsverantwortung beobachtet werden.
  • Fehlende Mineralstoffe wie Magnesium oder Kalium.
  • Eine Überfunktion der Schilddrüse sowie bestimmte genetische Konstellationen.
  • Und natürlich Bluthochdruck.

Durch die erhöhte Druckbelastung insbesondere im linken Herzvorhof kommt es zu einer Dehnung des Vorhofgewebes, und das wiederum kann im Verlauf zu Vorhofflimmern führen. Ein medikamentös gut eingestellter Blutdruck kann das verhindern oder bereits bestehende Vorhofflimmerphasen reduzieren.

Rhythmusstörungen der Herzkammern sind dagegen gefährlich. Herzinfarkt, koronare Herzerkrankung oder ein unerkannter angeborener Herzfehler gelten als hauptursächlich für Kammerflimmern, das unbehandelt binnen weniger Minuten zum Herztod führen kann.

Eine kardiologische Abklärung bei Herzrhythmusstörungen ist deshalb unabdingbar.

Neben einem ausführlichen Arztgespräch rund um die Lebenssituation des Betroffenen gelten Blutuntersuchungen, Elektrokardiogramm (EKG), notfalls auch ein Langzeit-EKG über 24 Stunden bis zu sieben Tagen sowie eine Herz-Ultraschall bei der Diagnosestellung als die Mittel der Wahl. Ein Belastungs-EKG (Ergometrie), ein Herzultraschall durch die Speiseröhre, oft als „Schluck-Echo“ bezeichnet, Kardio-CT (Computertomografie) und Kardio-MRT (Magnetresonanztomografie) sorgen für ein genaueres Bild vom Herzen, seiner Durchblutung, Vitalität und Gewebestrukturen. Eine elektrophysiologische Herzkatheteruntersuchung zeigt den genauen Entstehungsort der Herzrhythmusstörungen.

Die Computertomografie (CT) der Herzkranzgefäße hat übrigens den Vorteil, dass Verkalkungen sichtbar gemacht werden können, lange bevor sie sich mit Herzsymptomen bemerkbar machen. Wenn ich von „CT des Herzens“ spreche, meine ich die nichtinvasive Plaquebestimmung (also ohne Katheter) in den Herzkranzgefäßen. Mithilfe der Schnittbildtechnologie kann frühzeitig festgestellt werden, ob ein Herzereignis droht wie die Koronare Herzkrankheit (KHK) bzw. der Herzinfarkt, was dem Kardiologen dann ein konsequentes Gegensteuern ermöglicht.

Kann der Arzt eine eindeutige Ursache für eine Herzrhythmusstörung diagnostizieren, etwa eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße, einen Mineralstoffmangel oder eine Schilddrüsenüberfunktion, müssen diese medikamentös und/oder notfalls operativ behoben werden. Weiß man, dass Rhythmusstörungen vorkommen, kann bei akuten Fehlschlägen zwischendurch eine Erste-Hilfe-Maßnahme versucht werden, um die Arrhythmie zu durchbrechen: Eiskaltes Wasser trinken oder für 15 Sekunden einen Eisbeutel auf das Herz auflegen.

Menschen, die schon einmal Herzrhythmusstörungen hatten oder bei denen sich regelmäßig Rhythmusstörungen bemerkbar machen, sollten bei fieberhaften Infekten unbedingt mit ihrem Arzt sprechen, da die Infektion auf das Herz übergreifen und dabei eine erneute Rhythmusstörung auslösen könnte.

Und was ich immer wieder grundsätzlich empfehlen kann: gesunde Ernährung, tägliche Bewegung, Atemübungen und andere Entspannungstechniken sowie ein mäßiger Umgang mit Genussmitteln helfen, allen Herzerkrankungen vorzubeugen     – insbesondere auch Herzrhythmusstörungen.

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Dietrich Grönemeyer ist Gründer des Grönemeyer-Instituts Bochum und Bestsellerautor. Bis 2012 war er Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke. Er schreibt alle 14 Tage im Handelsblatt Wochenende.

Erstpublikation: 04.10.2024, 10:01 Uhr

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