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Globale TrendsWas die reichen Länder von den ärmsten beim Klimaschutz lernen können

Der Klimawandel spielt bei drei Gipfeltreffen diese Woche eine Rolle – jedoch eine sehr unterschiedliche. Während die G20-Staaten ihre Ziele verfehlen, sieht Afrika in der Krise auch eine Chance.Torsten Riecke 06.09.2023 - 11:03 Uhr
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Im Juli überfluteten Regenfälle die Städte in Indien.

Foto: REUTERS

Diese Woche finden gleich drei Gipfeltreffen der internationalen Politik statt, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten:

  • In Nairobi treffen sich afrikanische Staatschefs auf dem „Africa Climate Summit“.
  • In Jakarta kommen die Führer der Association of Southeast Asian Nations (Asean) zusammen.
  • Und in Neu-Delhi beraten am Wochenende die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20).

Es gibt jedoch ein globales Problem, das alle drei Zusammenkünfte trotz ihrer ansonsten sehr verschiedenen Agenden vereint, und das ist der Klimawandel.

Dass ausgerechnet die afrikanischen Staaten die Klimakrise zum alleinigen Thema ihres Gipfel gemacht haben, sagt viel über die internationalen Bemühungen, die Treibhausgase zu reduzieren. In Afrika leben knapp 18 Prozent der Weltbevölkerung, zum weltweiten Ausstoß von CO2-Gasen trägt der Kontinent jedoch nur knapp vier Prozent bei. Pro Kopf sind die Emissionen dort am geringsten. Und zugleich ist Afrika nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) am stärksten von den Folgen des Klimawandels bedroht.

Szenenwechsel: Beim Asean-Gipfel in Jakarta wird der Klimaschutz vom geopolitischen Powerplay zwischen den gar nicht vertretenden Großmächten USA und China völlig an den Rand gedrängt. Dabei ist Asean-Mitglied Indonesien nicht nur der größte Kohleexporteur der Welt, wie die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet.

Das Land galt bis vor Kurzem auch als Vorzeigeland für die sogenannte „Just Energy Transition Partnership“, mit der reiche Industrienationen und internationale Finanzorganisationen den ärmeren Staaten helfen wollen, ihre Schadstoffemissionen zu reduzieren. 

Allein in Indonesien soll der Klimaschutz mit 20 Milliarden Dollar aus dem reichen Norden unterstützt werden, wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet. Die grüne Energiewende ist dort jedoch aufgrund von politischen und bürokratischen Hürden stecken geblieben. So wird sich wohl auf absehbare Zeit nichts daran ändern, dass Indonesien ein Kohlegigant und der mit Abstand größte Emittent von CO2-Gasen in Südostasien bleibt.

Das bringt uns zum G20-Gipfel nach Neu-Delhi, wo im Juli sintflutartige Regenfälle große Teile der indischen Hauptstadt überfluteten. Die Warnung der Natur reichte allerdings nicht aus, um die für den Klimaschutz verantwortlichen Minister der G20 zu einer Einigung zu bringen: Von Emissionszielen über Grenzausgleichsteuern für klimaschädliche Exporte und den Fristen für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis hin zu den Klimahilfen bleibt vieles im Klub der Mächtigen umstritten.

„Wir waren aufgefordert, mutige Entscheidungen zu treffen, Courage, Engagement und Führungsstärke zu zeigen. Aber wir haben es gemeinsam nicht geschafft, das zu erreichen“, konzedierte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius hinterher.

Klimaversagen der reichen Länder

Dabei vereinigt die G20 mit China und den USA nicht nur die größten Luftverschmutzer, sondern mit Indonesien und Australien auch die weltweit größten Kohleproduzenten in ihren Reihen. Insgesamt sind die G20-Nationen für rund 80 Prozent aller CO2-Emissionen auf dem Globus verantwortlich, wobei der Einsatz von Kohle bei der Energieerzeugung nach wie vor zu den größten Klimakillern zählt. 

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter riecke@handelsblatt.com

Foto: Klawe Rzeczy

Nach neuen Berechnungen der Denkfabrik Ember in London ist der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 durch den Einsatz von Kohle in den G20-Ländern seit 2015 um neun Prozent gestiegen. China und Indien haben sogar die Zahl von Kohlekraftwerken erhöht. Aber auch Industrieländer wie die USA, Japan und Südkorea haben noch keinen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohle verkündet.

>> Lesen Sie hier: BRICS-Plus – Was China, Russland, Indien und die neuen Mitglieder vorhaben

„Als reife Volkswirtschaften sollten sie die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ehrgeizig und selbstbewusst genug ausbauen, um den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 zu ermöglichen“, heißt es in dem Bericht. Das gilt dann auch für Deutschland, wo weiterhin über den kompletten Kohleausstieg bis 2030 gestritten wird. 

Angesichts des Klimaversagens der reichen Länder ist es kaum verwunderlich, wenn die Afrikaner bei ihrem Treffen in Nairobi verbittert darauf hinweisen, dass sie jetzt das Weltklima retten sollen, das von den G20-Ländern erst beeinträchtigt wurde und nun viel zu zögerlich repariert wird.

Bemühungen verstärken

Hinzu kommt, dass sich die reichen Länder immer noch schwertun, wie 2009 versprochen den Klimaschutz im globalen Süden mit 100 Milliarden Dollar pro Jahr zu unterstützen. 2020 lagen die Hilfsgelder nach Schätzungen der OECD etwa bei 83 Milliarden Dollar. In diesem Jahr könnte die 100er-Marke endlich erreicht werden, was nach Meinung der UN jedoch nicht ausreicht, um die Klimawende in den ärmeren Staaten hinzubekommen. Allein Kenia braucht rund 62 Milliarden Dollar, um seine Schadstoffemissionen wie geplant zu reduzieren.

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Umso bemerkenswerter ist es, dass der kenianische Präsident William Ruto zum Auftakt des Klimagipfels erklärte: „Wir sind nicht hier, um Missstände zu beklagen.“ Zugleich wies er auf die „immensen“ wirtschaftlichen Chancen hin, die eine grüne Transformation auch für den afrikanischen Kontinent bietet. 

Für die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten sollte diese Haltung Vorbild und Ansporn sein, nicht nur ihre Hilfsversprechen einzulösen, sondern vor allem auch ihre eigenen Bemühungen zum Klimaschutz zu verstärken.

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