Homo oeconomicus: Beim Deutschlandfonds gibt es keine Zeit zu verlieren
Deutschlands Konjunktur hellt sich auf. Im laufenden Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum zwar noch nahe null liegen. Doch mittlerweile gehen immer mehr Ökonomen, wie zuletzt die der OECD, ab 2026 von einer kräftigen Erholung aus. Die Märkte blicken heute viel optimistischer auf uns als noch vor wenigen Monaten.
Ursächlich dafür sind zwei Faktoren.
Erstens werden die Wachstumsimpulse eingepreist, die sich aus dem großen Investitionspaket der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung ergeben.
Zweitens findet auf internationaler Ebene gerade eine massive Kapitalbewegung statt. So haben große Anleger wie etwa Apollo oder Blackstone angekündigt, ihre Positionen in den USA tendenziell zurückfahren zu wollen – wohl auch in Reaktion auf die chaotische Politik von Donald Trump. Dafür haben sie private Investitionen in Europa im hohen dreistelligen Milliardenbereich angekündigt, wovon ein guter Teil in Deutschland landen dürfte.
Rückenwind verstärken
Diesen Rückenwind muss die Bundesregierung aufnehmen und verstärken. Der erste wichtige Schritt wird für die kommende Woche erwartet, wenn parallel zum Bundeshaushalt 2025 der Wirtschaftsplan des 500-Milliarden-Sondervermögens öffentlich wird.
Dann bekommt jede Baufirma, jede Personalagentur eine bessere Vorstellung davon, wie viel Geld der Bund in den kommenden Jahren in den unterschiedlichen Bereichen investieren will. Daraufhin können die Betriebe ihre eigenen Kapazitäten planen und ausbauen.
In einem zweiten Schritt muss der Staat Strukturreformen auf der Angebotsseite einleiten, die für mehr Tempo beim Verbauen der Infrastruktur- und Verteidigungsmilliarden sorgen. Die Märkte scheinen ausweislich der zuletzt rückläufigen Zinsen davon auszugehen, dass dies gelingen und aus dem vielen Geld tatsächlich Wachstum entstehen kann. Hier müssen Bund und Länder liefern.
Bleibt der dritte Schritt: Europa muss attraktive Anlagemöglichkeiten schaffen für das riesige Volumen an privatem Kapital, das sich bei uns oder auf dem Weg zu uns befindet. Das ist zuallererst die Aufgabe der europäischen Unternehmen und Banken. Doch der Staat kann wichtige Impulse setzen.
Der Deutschlandfonds
Derzeit tun sich erfolgreiche junge Unternehmen oft schwer, für die Skalierung ihrer Geschäftsmodelle ausreichend Kapital am europäischen Markt einzusammeln. Viele gehen an der Stelle in die USA, wo es Risikokapital in Hülle und Fülle gibt. Hier muss Europa nachziehen, mit einer Kapitalmarktunion ohne Zersplitterung entlang nationaler Grenzen.
Die Bundesregierung kann direkt handeln und Fonds für Risikokapital auflegen oder verstärken, die sich an Start-ups in der Wachstumsphase (sogenannte Scale-ups) richten und an denen sich privates Kapital beteiligen kann. Dieses Pilotprojekt ist unter dem Dach eines Deutschlandfonds im Koalitionsvertrag angekündigt. Hier gibt es keine Zeit zu verlieren, denn selten war global so viel Kapital unterwegs auf der Suche nach einem sicheren Hafen.