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Kolumne – Asia TechonomicsChinas E-Yuan ist innovativ und reaktionär zugleich

Die Notenbank in Peking hat gute Gründe für ihr Projekt einer eigenen Digitalwährung. Der E-Yuan birgt jedoch geopolitischen Sprengstoff.Nicole Bastian 09.06.2021 - 11:06 Uhr Artikel anhören

Erste Versuche mit dem digitalen Zentralbankgeld laufen in China bereits.

Foto: Reuters

Einer der größten Disruptoren im ohnehin disruptiven China ist derzeit die 1948 gegründete chinesische Notenbank. Als erste große Zentralbank der Welt wird sie aller Voraussicht nach eine eigene digitale Währung ausgeben, den digitalen Renminbi oder E-Yuan. Anwendungsversuche mit Zigtausend Nutzern und immer mehr namhaften Unternehmen laufen derzeit in mehreren Städten des Landes.

Und bei den Olympischen Winterspielen im kommenden Frühjahr dürfen die ausländischen Athleten und Besucher das digitale Zentralbankgeld wohl erstmals verwenden. Das wäre ein internationaler PR-Erfolg.

Dabei ist die Chinesische Volksbank (People’s Bank of China, PBoC) ins Pionierdasein getrieben worden. Zum einen macht ihr im Inland die beherrschende Stellung der digitalen Zahlungsdienstleister Alipay von Alibaba und WeChat Pay des Technologiekonzerns Tencent Sorgen, die Bargeldzahlungen im Land immer weiter dezimieren.

Zum anderen sind es private Kryptowährungen wie der Bitcoin oder der von Facebook geplante Diem, die die Notenbank zur Eile trieben. Denn sie alle untergraben ihren umfassenden Kontrollanspruch im zentral gelenkten Wirtschaftssystem Chinas.

Durch eine umfassende Regulierung der Onlinezahlungen holt sich die Finanzaufsicht die Kontrolle zwar schon jetzt zurück. Doch ein flächendeckender E-Yuan würde den Einblick in die Transaktionen weiter vereinfachen. So gesehen ist der E-Yuan in den dahintersteckenden Kontrollgelüsten genauso reaktionär wie disruptiv.

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Foto: Klawe Rzeczy

Datenschutzbedenken zumindest schränken in China die Umsetzung des digitalen Zentralbankgelds nicht ein. Jüngst hieß es in einem Medienbericht sogar, die ostchinesische Stadt Qingdao wolle zusammen mit der China Construction Bank einmal probieren, „Moralpunkte“ der Regierung in digitale Renminbi umzuwandeln – als Anreiz für besonders gutes Verhalten. Das nähert sich schon dem Bereich der Dystopie.

Am Ende aber darf es die Zentralbank mit der Kontrolle und Vernetzung ihres E-Yuans aber auch nicht zu weit treiben, denn sonst bleiben die Nutzer einfach bei Alipay und WeChat.

Die PBoC hat noch weitere gute Gründe für das digitale Zentralbankgeld: Der Weltbank zufolge haben mehr als 200 Millionen Chinesen kein Bankkonto. Hier kann die App mit digitalem Zentralbankgeld helfen. Mit ihr sollen Überweisungen auch ohne gute Internetverbindung funktionieren. Das könnte besonders für abgelegene Gegenden großen Nutzen bringen.

Mit dem E-Yuan zielgenauer und effizienter im In- und Ausland zahlen

Zu Beginn soll der E-Yuan aber nur einen Teil der umlaufenden Bargeldmenge ersetzen. So soll sichergestellt werden, dass das bestehende Finanzsystem nicht ins Wanken gerät. Und dann soll die Digitalwährung schrittweise ausgeweitet werden, auch auf Sichteinlagen.

Auf die dezentrale Blockchain-Technologie setzt die Zentralbank in China dabei nicht. Staatliche und private Banken sollen das Zentralbankgeld, das in einer digitalen Brieftasche liegt, an die Endkunden verteilen.

Ein weiterer Vorteil des Zentralbankgelds: Die Zentralbank könnte die Verwendung von über die Banken auszuteilenden Geldern – etwa für die Förderung kleiner Unternehmen oder bei staatlicher Hilfe für Katastrophenopfer in einer Region – viel zielgenauer steuern und kontrollieren.

Und dann ist da noch die stärkere Rolle des digitalen Renminbis im grenzüberschreitenden Handel. Für diesen Einsatz ist digitales Zentralbankgeld wie geschaffen. Auch hier laufen bereits Pilotversuche über Hongkong.

Asia Techonomics In der wöchentlichen Kolumne schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Martin Kölling und Mathias Peer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt. Hier finden Sie alle bisherigen Folgen. Foto: Klawe Rzeczy

Der chinesische Staatsfernsehsender China Global Television Network wirbt in einem englischen Spot dafür, mit dem E-Yuan könne „das grenzüberschreitende Zahlungssystem neu gestaltet“ werden. Auch das wird zunächst aber Grenzen haben, denn der Yuan hat sich mancher Prognose zum Trotz bisher als weltweit relevante Währung vor allem deshalb nicht durchgesetzt, weil er nicht frei konvertierbar ist. Solange sich das nicht ändert, wird auch der E-Yuan dem US-Dollar nicht viel anhaben können.

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Doch perspektivisch birgt der E-Yuan auf diesem Feld geopolitischen Sprengstoff. Denn mit ihm wären internationale Zahlungen ohne das Zahlungsabwicklungssystem Swift möglich. Über dieses internationale Geldsystem aber setzen die USA die globale Gefolgschaft ihrer Sanktionen weltweit um – gegen Nordkorea, den Iran oder Russland. Und da nun zunehmend chinesische Firmen in den US-Fokus geraten, auch gegen China.

China und Russland arbeiten bereits gemeinsam an Alternativen zum Swift-System. Eine Möglichkeit: Zahlungen über den E-Yuan.

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