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Märkte-InsightDas große Duell an den Märkten

Droht eine schmerzhafte Korrektur an den Börsen? Oder erlebt die Wall Street eine Sommerrally? Selten waren Ökonomen und Analysten so gespalten wie derzeit.Michael Maisch 18.06.2023 - 15:47 Uhr
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Angesichts der unsicheren Konjunkturlage könnten die Gewinnprognosen schon bald unter Druck geraten, meint Kolumnist Michael Maisch.

Foto: Handelsblatt

Was soll man als einfacher Anleger von diesen Märkten halten, wenn sich selbst die Experten nicht einmal ansatzweise auf eine halbwegs verbindliche Lesart der aktuellen Lage einigen können? Im Prinzip geht es um zwei eng miteinander verbundene Streitpunkte. Der erste: Die massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed könnten die Wirtschaft so stark bremsen, dass eine Rezession droht. Oder es gelingt der Fed, ihre Geldpolitik so geschickt auszutarieren, dass sie die noch immer deutlich zu hohe Inflation in den Griff bekommt, ohne eine Wirtschaftskrise zu riskieren.

Beide Thesen haben prominente Anhänger. Der bekannte Hedgefonds Citadel setzt beispielsweise immer stärker auf eine Rezession in den USA. Dagegen hat der Chefökonom von Goldman Sachs, Jan Hatzius, ein „sehr gutes Gefühl“, was eine weiche Landung der Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt angeht.

Die zweite Streitfrage: Droht nach der robusten Kurserholung der vergangenen Wochen und Monate eine schmerzhafte Korrektur, oder kann der Aufschwung weitergehen? Auch hier finden sich für beide Seiten prominente Unterstützer. Die Analysten des Wall-Street-Riesen Citigroup fürchten, dass dem Aufschwung schon bald die Luft ausgehen wird. Als Grund nennen die Experten die wachsende Rezessionsgefahr und das Risiko, dass damit die Unternehmensgewinne empfindlich unter Druck geraten könnten.

Die Citi-Analysten befürchten, dass der US-Leitindex S&P 500 in Richtung 4000 Punkte abrutschen könnte. Bis Mitte 2024 könnte sich der Index dann zwar wieder auf 4400 Punkte erholen. Aber das wäre im Vergleich zum aktuellen Kursniveau nur eine Stagnation. Ganz ähnlich argumentiert Mike Wilson von Morgan Stanley, der den S&P 500 am Jahresende bei 3900 Zählern sieht.

Aber es gibt auch positivere Lesarten der aktuellen Marktlage. So erwartet etwa Tom Lee, Chefanalyst der Research-Firma Fundstrat, dass der Aufschwung, der zuletzt nur von einer Handvoll Tech-Aktien getrieben wurde, an Breite gewinnt. Lee, der mit seinen optimistischen Prognosen in diesem Jahr mehrfach richtiglag, rät nun dazu, auch Papiere kleinerer Unternehmen und Industrietitel zu kaufen. Die könnten in der nächsten Phase des Bullenmarkts Auftrieb bekommen. „Wir sind der Meinung, dass man in diesem Jahr risikofreudig sein sollte“, argumentiert Lee.

Ambivalente Vorzeichen für Anleger

„Der Inflationsdruck wird ziemlich schnell nachlassen.“ Lee erwartet, dass der S&P 500 bis Anfang 2024 auf 4750 Punkte steigen wird. Das wäre ein Plus von knapp acht Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag. Daher werde er in Schwächephasen zukaufen. „Buy the Dip“ heißt diese Strategie.

Diese Ambivalenz zeigt sich auch am Markt selbst. Der breit gefasste US-Leitindex S&P 500 legte vergangene Woche 2,6 Prozent zu – das war die beste Performance seit März. Es ist die fünfte Woche in Folge mit Kursgewinnen. Zuletzt gab es das im November 2021. Der technologielastige Nasdaq beendete die Woche mit 3,3 Prozent im Plus. Der Index schloss damit die achte Woche in Folge mit Kursgewinnen. Das gab es zuletzt 2019. Doch am Freitag ging den Kursen erst einmal die Luft aus. Der S&P 500 verlor 0,4 Prozent, der Nasdaq 0,7 Prozent.

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Für die Anleger lässt sich die Frage, ob sie sich auf die Seite der Optimisten schlagen sollen oder auf die der Pessimisten, im Moment nur schwer beantworten. In den vergangenen Tagen sah es so aus, als würden die Optimisten leicht die Oberhand gewinnen. Doch an den Börsen ist manches paradox. Zu viel Optimismus ist auch nicht gut. Denn wenn alle erst einmal gekauft haben, fehlt der Nachschub für weitere Kursgewinne.

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