Prüfers Kolumne: Die Arbeitswelt der Alpha-Kinder
Ich habe neulich einen Fachartikel gelesen, dass sich die Recruiter in den Human-Resources-Abteilungen in Unternehmen nun langsam auf die Generation Alpha vorbereiten. Das ist die Generation, die am Arbeitsmarkt jene Generation Z beerben wird. Was die Generation Z vielleicht überraschen wird, weil sie sich ja schon als die „letzte Generation“ gefühlt hat.
Zur Generation Alpha gehören jene, die ab 2010 geboren sind. Und dieses Jahr, 2025, werden die letzten Exemplare davon gewissermaßen produziert werden. Ab 2026 kommt schon die Generation Beta. Die Alphas sind also schon fast alle unter uns. Sie sind aufgewachsen in einer Welt, in der digitale Technologien selbstverständlich sind. Die ersten, die vollständig in einer durch Algorithmen und Vernetzung geprägten Gesellschaft groß werden.
Was man über die Alpha-Kinder heute schon weiß: Digitale Endgeräte sind für sie keine Werkzeuge mehr, sondern selbstverständliche Begleiter. Ein Smartphone ist ein Grundbestandteil ihres Lebens. Bildung, soziale Interaktion und Unterhaltung – alles digital. Es wird die erste Generation, die das Analoge nicht einmal mehr als ferne Erinnerung kennt.
Zwischen KI-Jobs und Kreativität
Die Alphas werden die Ersten sein, die von Eltern erzogen, die selbst in einer digitalisierten Welt aufgewachsen sind. Die möchten, dass ihre Kinder souverän im Umgang mit digitalen Tools werden und gleichzeitig Kompetenzen wie Kreativität und kritisches Denken entwickeln.
Schulen und Bildungseinrichtungen stehen vor der Herausforderung, zu erklären, was man überhaupt noch lernen soll, wenn man doch alles vom Smartphone ablesen kann. Man fragt sich, ob die Digitalisierung auch schwierig für diese Menschen sein kann, immerhin kann die ständige Verfügbarkeit von Informationen und der Druck, digital präsent zu sein, die mentale Gesundheit belasten.
Besonders soziale Medien vermitteln ein Bild von Perfektion, das nur schwer zu erreichen ist. Für die Generation Alpha, so schätzen Experten, könnte es entscheidend sein, zwischen digitaler Selbstdarstellung und echter Selbstwahrnehmung zu unterscheiden.
Was diese Recruiter besonders beschäftigt, ist die Frage, auf welche Arbeitswelt die Alpha-Kinder einst stoßen werden. Diese Generation wird nämlich in Berufen tätig sein, die heute noch gar nicht existieren, und in Umgebungen arbeiten, die durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz dominiert werden. Vielleicht werden es die Ersten sein, die für ihren Job gar nichts mehr wissen müssen, sondern nur noch Fähigkeiten brauchen, sich ständig weiterzubilden und neue Kompetenzen zu erwerben. Die Arbeitswelt wird einfach ein nicht endendes Fortbildungsseminar sein, eine ewige Schulung.
Es ist noch unklar, ob die Generation Alpha langfristig zu einer Generation wird, die perfekt in der digitalen Welt navigiert, die die Balance zwischen Technologie und Menschlichkeit findet – oder ob sie vielleicht gar keine Lust mehr hat zu arbeiten, weil doch ohnehin alles von einer KI gemacht wird. Was die Recruiter in dieser Hinsicht etwas beruhigen mag, ist, dass sie sich darum vielleicht gar keine Sorgen machen müssen. Denn die ersten Alphas werden so um 2030 in den qualifizierten Arbeitsmarkt kommen. Wer weiß, ob es dann überhaupt noch Recruiter gibt.