Prüfers Kolumne: Wie leicht Führungsaufgaben wieder attraktiv werden
Offenbar möchten Menschen heute nicht mehr so gern Führungspositionen übernehmen. In den USA möchte nur noch ein Drittel der jungen Menschen eine Führungsposition haben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Das ist verständlich.
Früher bedeutete eine Führungsposition, dass man vor allem mit Privilegien ausgestattet wurde. Zum Beispiel ein Einzelbüro und einen eigenen Parkplatz, die Termine organisierte eine Sekretärin. Wer heute noch ein Einzelbüro hat, dem hilft das nicht sehr, denn die Mitarbeiter sind ja eh alle zu Hause, weil es dort allemal schöner ist, solange man kein Einzelbüro hat.
Während es früher eine Anwesenheitspflicht gab, muss man nun hoffen, dass sich alle rechtzeitig vor einem Bildschirm zu einer Videokonferenz versammeln. Früher bedeutete Chefsein, dass man eigentlich nichts mehr zu tun hatte, weil andere die Arbeit für einem erledigen mussten. Als Chef durfte man fies und gemein sein, solange nur die Zahlen stimmten. Wenn man es nur schaffte, genügend Druck auf andere Menschen auszuüben.
Ein netter Chef war schon jemand, der seine Mitarbeiter nicht aktiv bedrohte. Wenn etwas schiefging, musste man es nur auf die Angestellten schieben, die es offenbar versaut haben.
Heute haben sich die Vorzeichen des Chefseins verändert. Man soll als Chef nun dafür sorgen, dass Mitarbeiter sich wohlfühlen. Und zwar richtig wohl. Dazu reicht es nicht, ihnen einen Obstkorb ins Büro zu stellen und ihnen eine vergünstigte Fitnessstudio-Mitgliedschaft zu ermöglichen.
Arbeit soll das Leben nicht stören
Was aber macht glücklich? Ein guter Chef findet das heraus. Leider macht Arbeit offenbar nicht glücklich. Das ist mittlerweile wissenschaftlich ganz gut belegt. Deswegen sind die besten Chefs jene, die es schaffen, ihren Mitarbeitern die Arbeit vom Hals zu halten, zum Beispiel indem sie diese selbst erledigen.
Das ist oft schon die Voraussetzung, überhaupt eine Arbeit annehmen zu wollen. So sagen laut Umfragen 58 Prozent der 18- bis 24-Jährigen, dass sie einen Job kündigen würden, wenn sie wegen der Arbeit ihr Leben nicht mehr genießen könnten. Zum Genießen des Lebens gehört meistens leider Geld, das man in größeren Mengen nur für eine Führungsposition bekommt, und mit der hört normalerweise das große Genießen auf. Deswegen möchte das niemand machen. Das ist eine offenbare Fehlkonstruktion der Arbeitsorganisation.
Es scheint mir vor allem ein Problem zu sein, dass Unternehmen nur Geld an Menschen geben, wenn diese dafür arbeiten. Die Lebenszufriedenheit der jungen Menschen wäre um einiges höher, wenn die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen nicht mit Arbeit, sondern nur mit Lohn verbunden wäre. Dann wäre es auch einfacher, Menschen für Führungsaufgaben zu begeistern.
Manchmal ist die Lösung so einfach. Man könnte dann auch kurzerhand alle zum Chef machen. Jeder dürfte über jeden Bestimmen. Was auch kein Problem ist, wenn es um gar nichts geht.