USA: Zohran Mamdani ist ein Risiko für New York und das ist gut so
Zohran Mamdani macht gute Laune. Der wahrscheinliche nächste Bürgermeister von New York City grinst sich durch die TV-Shows, wagt Scherze auf Kosten seiner Wähler und verspricht ein besseres Leben für alle.
Seine Kampagne für die Wahl am 4. November kommt so frisch daher wie lange keine mehr. Seine Plakate haben den Retro-Charme von Bollywood-Plakaten, die Videos auf seinem Tiktok-Kanal sind ironisch an den Stil von Influencern angelehnt. Mal hastet er über die Bürgersteige und klatscht mit Wählern ab, mal sitzt er bei afrikanischem Essen im Park und erklärt sein Konzept gegen steigende Mieten.
Der erst 34-jährige Mamdani ist Muslim indischer Abstammung. Als Kind lebte er in Uganda und Südafrika. Seine Gegner versuchen, Mamdanis Religion und Jugend gegen ihn zu verwenden. Er wolle nur noch Halal-Gerichte zulassen, wurde verbreitet. Mamdani hält das nicht davon ab, sich in traditionellen indischen Kleidungsstücken zu zeigen.
Staatliche Supermärkte? Mamdanis Pläne
Die Agenda des Kandidaten ist klassischer Linkspopulismus. Er will die Steuern für Milliardäre erhöhen und das Geld nutzen, um Busse und Kindergärten kostenlos zu machen. Bei Millionen von Wohnungen soll die Miete nicht steigen dürfen. Aus ökonomischer Sicht besonders zweifelhaft ist sein Plan, staatliche Supermärkte zu öffnen.
Gerät Mamdani in Interviews in die Defensive, zieht er sich auf sein junges Alter zurück und darauf, dass vieles eben einfach noch einmal neu durchdacht werden müsse. Auf dieser Basis eine Stadt mit 8,5 Millionen Einwohnern zu regieren, ist ein Risiko.
Insofern ist es verständlich, dass das demokratische Establishment mit dem Kandidaten fremdelt. Von den zwei wichtigsten demokratischen Bundespolitikern hat sich einer erst vor einer Woche dazu durchgerungen, Mamdani zu unterstützen. Der andere spricht sich, Stand Donnerstag vor der Wahl, noch immer nicht für ihn aus.
Und doch sollte sich die Partei von dieser Kampagne etwas abschauen. Ihre bisherige Strategie ist, sich möglichst breit aufzustellen, Wähler vom rechten Spektrum abzuwerben und möglichst niemandem weh zu tun – schon gar nicht potenziellen Großspendern.
Diese Strategie verhindert aber, eine neue Vision zu entwickeln, die Wähler begeistern kann. Die Aufgabe der Demokraten ist es, den Schaden an der Demokratie durch Donald Trump zu begrenzen. Aber was will die Partei darüber hinaus, fragen die Wähler. Und die einzige klare Antwort ist, dass sie wieder an die Macht will.
Die entscheidende Frage für die Demokraten ist jetzt nicht, wo genau sie sich auf dem Links-rechts-Spektrum verortet. Dieses Spektrum wird immer weniger relevant. Die entscheidende Frage ist, wie sie die große Unzufriedenheit im Land in einen großen Wurf für das Land umsetzt.
Es braucht einen neuen Aufbruch, der Schluss macht mit Mehrheitsarithmetik, taktischen Spielchen und der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Wenn die Demokraten diesen Aufbruch schaffen wollen, brauchen sie mehr Jugend, mehr Unabhängigkeit von Großspendern, mehr Mut. Mehr Mamdani eben.