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Analyse Warum etwas mehr Inflation gut ist

In den USA zeigt sich bei den Preisen ein gewisses Aufflackern. Zur Überwindung der Krise wäre in Europa eine ähnliche Entwicklung hilfreich.
25.08.2020 - 19:22 Uhr Kommentieren
Die Fed wird ihr Inflationsziel neu definieren. Quelle: Bloomberg
Der Adler an der Fassade der Fed in Washington

Die Fed wird ihr Inflationsziel neu definieren.

(Foto: Bloomberg)

In den USA ist Inflation wieder ein Thema. Nicht die ganz große Preissteigerung, aber ein leichtes Anziehen. Nach Kalkulation der Fed St. Louis, eines regionalen Ablegers der US-Notenbank (Fed), erwarten die Amerikaner für die kommenden fünf Jahre jetzt eine Inflation von knapp 1,8 Prozent.

Das ist ein steiler Anstieg seit März, wo dieser Wert auf rund 1,2 Prozent abgerutscht war. Die tatsächlich gemessene Inflation ist seit Mai ebenfalls gestiegen und liegt bei einem Prozent.

Weil zugleich die Rendite der zehnjährigen US-Staatspapiere abgesunken ist auf unter 0,6 Prozent, zeichnet sich ein Sinken der realen Rendite ab, die sich als ausgewiesene Rendite minus Inflation errechnet.

Blickt man nach vorn, so sind weiterhin recht niedrige Renditen und eher noch wachsende Inflation zu erwarten. Denn voraussichtlich wird die Fed ihre Strategie so anpassen, dass sie nach langer Zeit niedriger Preissteigerung dann auch für mehrere Jahre eine höhere Prozentzahl als die angestrebten zwei Prozent tolerieren kann. Sie wird auch weiterhin dafür sorgen, dass die Renditen der Staatsanleihen nicht aus dem Ruder laufen.

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    In Europa sind die Renditen noch niedriger, die zehnjährige Bundesanleihe liegt niedriger als minus 0,4 Prozent. Die Inflation liegt aber erst bei 0,4 Prozent. Hier wird die Europäische Zentralbank EZB verhindern, dass die Renditen zu stark steigen. Es gibt anders als in den USA noch kaum Anzeichen für eine stärkere Inflation. Aber sie wäre willkommen.

    Denn etwas mehr Inflation ist gut. Sie schafft mehr Spielraum für die Geldpolitik, den Arbeitsmarkt und die Zinsmärkte – das hilft in der Krise.

    Banken leben in der nominalen Welt

    Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Hier gilt es zu unterscheiden, für wen die nominalen und für wen die realen Renditen wichtig sind.

    Das Finanzsystem funktioniert weitgehend in der nominalen Welt. Banken stellen Zinsen in Rechnung und zahlen selbst Zinsen. Lebensversicherer versprechen eine nominale Verzinsung, wenn sie überhaupt noch etwas versprechen. Allerdings kann sich Inflation in steigenden Schadenhöhen bei der Sachversicherung bemerkbar machen, sodass hier doch die reale Welt eine Rolle spielt.

    Für Privatleute, den Staat und die meisten Unternehmen sind dagegen die realen Zinsen ausschlaggebend.

    Wie werden sich nun die nominalen Zinsen bei steigender Inflation verhalten? Klar ist: Ein leichter Anstieg würde die Schuldner noch nicht unter Druck setzen.

    Quelle: Kostas Koufogiorgos
    Karikatur
    (Foto: Kostas Koufogiorgos)

    Umgekehrt verlangen die Investoren gerne etwas mehr Zins, wenn die Inflation steigt. Unterm Strich kann es also sein, dass sich für Privatleute, Unternehmen und den Staat kaum etwas ändert, weil höhere Inflation durch höheren Nominalzins ausgeglichen wird. Die Banken werden es aber leichter haben, das Problem der Minuszinsen zu umschiffen.

    Dieses Szenario ist relativ wahrscheinlich. Möglich ist aber auch, dass die Nominalzinsen trotz steigender Inflation niedrig bleiben und der Realzins noch weiter absinkt. 

    Auslöser dafür könnte eine aggressive Geldpolitik sein, die versucht, die Wirtschaft nach der Krise wieder anzuschieben. Dann sind die Sparer die Verlierer.

    Nur: Wenn die Notenbank bei extrem niedriger Inflation genauso aggressiv vorgehen wollte, dann würde das die nominalen Zinsen weiter ins Minus drücken, das wäre noch problematischer.

    Offene Fragen

    Ein drittes Szenario wäre, dass die Inflation aus dem Ruder läuft. Zurzeit sieht es danach überhaupt nicht aus, aber ausschließen lässt es sich nicht.

    Die Chancen, dass ein leichter Anstieg der Inflation hilft, die Krise zu überwinden, sind also gar nicht so schlecht. Es bleiben aber Fragen. Eine lautet: Werden wir je zu den Zuständen zurückkehren, die früher als „normal“ galten? Oder hat Corona nur einen Schub in einer ohnehin unvermeidlichen Entwicklung gegeben, die oft als „Japanisierung“ bezeichnet wird? Bleiben Wachstum, Zinsen und Inflation auf Dauer doch niedrig, und wachsen Staatschulden noch weiter und ebenso die Bilanzsummen der Notenbanken, die diese Schulden aufkaufen?

    Eine Schlüsselrolle spielt dabei der sogenannte reale Gleichgewichtszinssatz, also der Realzins, bei dem Vollbeschäftigung ohne zu hohe Inflation möglich ist. Er ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Als ein Faktor gilt, dass die Menschen immer älter werden und deswegen mehr sparen, sodass zu viel Geld auf der Suche nach zu wenig Investitionschancen ist. Der Fall Japan ließe sich damit erklären: Dort ist die Lebenserwartung tatsächlich besonders hoch.

    Eine andere Frage lautet: Stimmen die Modelle, nach denen sich die Geldpolitiker richten? Oder ist etwas dran an abweichenden Thesen in der Ökonomenzunft, die zum Beispiel nahelegen, dass die Notenbanken weniger die Inflation als vielmehr den Realzins beeinflussen? Weil die Realität sich nicht immer nach den Gleichungen der Ökonomen richtet, müssen wir offen für Überraschungen bleiben.

    Mehr: Die Fed will ihre Strategie nachschärfen.


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