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Japan Eine „Japanisierung“ der Weltwirtschaft muss mit allen Mitteln verhindert werden

Mit Corona steht die Welt vor der Gefahr einer Deflationsspirale. Die Regierungen in der Euro-Zone sollten daher nicht auf Sparsamkeit setzen, findet Richard Koo.
09.07.2020 - 19:40 Uhr Kommentieren
Die Konsumenten halten sich zurück. Quelle: AFP
Passanten in Tokio

Die Konsumenten halten sich zurück.

(Foto: AFP)

Als in vielen asiatischen Ländern 2003 das tödliche Sars-Virus ausbrach, konnten es die betroffenen Regierungen mit viel Willenskraft eliminieren. Es dauerte einige schmerzhafte Monate, aber als das Virus ausgelöscht war, lebten ihre Bürger wieder so weiter wie vor der Epidemie. Die Volkswirtschaften erholten sich V-förmig.

Diesmal aber ist es anders. Die betroffenen Länder beenden den Lockdown, bevor das Virus aus der Welt ist. Das lässt die Menschen in einem Gefühl zurück, dass nicht alles in Ordnung ist. Diese Angst wird sie daran hindern, ihr Leben so wie zuvor zu führen. Das wird die wirtschaftliche Erholung verlangsamen.

Zudem ist es diesmal eine Pandemie, die alle Länder trifft, und keine Epidemie, die nur eine beschränkte Anzahl von Ländern beeinträchtigt. Selbst Länder wie Taiwan oder Neuseeland, die das Virus erfolgreich eingedämmt haben, können ihre Grenzen nicht vollständig öffnen, weil die restliche Welt immer noch mit dem Virus ringt.

Kein einzelnes Land kann sich aus eigener Kraft erholen, bis entweder ein wirksamer Impfstoff gefunden ist oder es der restlichen Welt ebenfalls gelingt, das Virus in den Griff zu bekommen.

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    Der langfristig größte Effekt der Pandemie auf die Wirtschaft ist der, dass die Unternehmen und Haushalte, die am meisten gelitten haben, auch diejenigen sind, die die wenigsten Ersparnisse hatten. Viele gingen entsprechend pleite.

    Richard Koo ist Chefökonom des Tokioter Nomura Research Institute. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
    Der Autor

    Richard Koo ist Chefökonom des Tokioter Nomura Research Institute.

    (Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

    Der Staat muss einspringen

    Die Überlebenden lernen, wie wichtig ausreichende Ersparnisse für schlechte Zeiten sind. Sie werden daher eine hohe Priorität darauf setzen, die Sparbüchsen, die sie während des Lockdowns leerten, wieder aufzufüllen. Viele werden noch deutlich mehr Ersparnisse anhäufen als zuvor, vor allem weil eine zweite oder dritte Infektionswelle als wahrscheinlich gilt.

    Während der eine Geld spart, muss aber ein anderer Geld ausleihen und ausgeben, um die Volkswirtschaft am Laufen zu halten. Normalerweise sorgt der Finanzsektor dafür, dass alle Ersparnisse zu verschiedenen Zinssätzen ausgeliehen und ausgegeben werden, oft mit der Hilfe der Notenbanken.

    Aber Haushalte und Unternehmen bemühen sich zugleich, ihre Ersparnisse wieder aufzufüllen, trotz eines Zinssatzes von null Prozent – der Privatsektor wird zum Nettosparer, was die Wirtschaft in eine deflationäre Spirale drängen könnte.

    Genau das geschah in Japan nach dem Platzen der Blase 1990 oder in den westlichen Ländern nach dem Platzen der Immobilienblase 2008. In beiden Fällen verschuldete sich der Privatsektor in der Blase, um sich nach dem Preiskollaps der Vermögenswerte vor einem Schuldenberg wiederzufinden. Um die beschädigten Bilanzen zu reparieren, mussten sie Schulden zurückzahlen oder mehr sparen, selbst wenn die Zinsen bei null lagen.

    Nach dem Zusammenbruch von Lehman veranlasste das so gut wie alle im westlichen Privatsektor, sich in gigantische Nettosparer zu wandeln und die Wirtschaften in eine ausgedehnte Stagnation zu stoßen, die heute als Bilanzrezession oder „Japanisierung“ bekannt ist.

    Vorsicht fiskalische Klippe

    Wenn Unternehmen und Haushalte kollektiv sparen oder Schulden zurückzahlen, kann nur die Regierung die Ersparnisse ausleihen und sie dem Einkommensstrom zuführen, um die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke verstand diesen Punkt sehr gut und warnte den US-Kongress davor, nicht die „fiskalische Klippe herunterzufallen“ und seine Ausgaben zu früh zu stoppen.

    Das bewahrte die US-Wirtschaft vor dem Auseinanderfallen, obwohl sie sich mitten in der Finanzkrise befand. Die politischen Führer in der Euro-Zone dagegen begriffen nicht, dass Regierungen „Kreditnehmer im äußersten Notfall“ sein müssen, wenn der Privatsektor ein Nettosparer ist. Sie drängten auf Sparsamkeit und ließen es zu, dass die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten die fiskalische Klippe herunterfielen – mit furchtbaren Konsequenzen.

    Corona wirbelt die Welt durcheinander. Von einem Tag auf den anderen kam die Weltwirtschaft zum Stillstand. Jetzt versuchen die Volkswirtschaften wieder zur Normalität zurückzukehren, doch so einfach ist das nicht mit der ökonomischen Analyse: Was richtete das Virus mit der Weltwirtschaft an? Sechs bekannte Ökonominnen und Ökonomen aus allen Regionen der Welt haben sich aus ihrer Perspektive für das Handelsblatt dieser Frage angenommen und analysieren mit ihrem Sachverstand die Situation. Quelle: Smetek
    Handelsblatt-Thema: Weltwirtschaft nach Corona

    Corona wirbelt die Welt durcheinander. Von einem Tag auf den anderen kam die Weltwirtschaft zum Stillstand. Jetzt versuchen die Volkswirtschaften wieder zur Normalität zurückzukehren, doch so einfach ist das nicht mit der ökonomischen Analyse: Was richtete das Virus mit der Weltwirtschaft an? Sechs bekannte Ökonominnen und Ökonomen aus allen Regionen der Welt haben sich aus ihrer Perspektive für das Handelsblatt dieser Frage angenommen und analysieren mit ihrem Sachverstand die Situation.

    (Foto: Smetek)

    Lesen Sie hier, wie die anderen Top-Ökonomen die Zukunft einschätzen:

    Nach der Covid-19-Pandemie steht die Weltwirtschaft vor einer ähnlichen Herausforderung: Der Privatsektor wird kollektiv zum Nettosparer, füllt seine ausgegebenen Ersparnisse wieder auf. Hoffen wir, dass die politischen Führer in den Ländern, und besonders in der Euro-Zone, den Mut haben, nicht Sparsamkeit zu predigen, sondern einen notwendigen fiskalischen Stimulus – bis die Ersparnisse ein Niveau erreicht haben, auf dem der Privatsektor sich wieder wohlfühlt. Wird das nicht gemacht, droht eine deflationäre Spirale, die bei Weitem wirtschaftlich schädigender ist als das Virus selbst.

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