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Italien Die Kluft innerhalb der Euro-Zone darf nach Corona nicht weiter wachsen

Nach der Finanzkrise 2008 hat sich Italien nicht mehr richtig erholt. Das muss sich laut Lorenzo Codogno jetzt dringend ändern.
09.07.2020 - 19:12 Uhr Kommentieren
Italien schaffte es nach der Finanzkrise nicht, zurück zur alten Stärke zu finden. Quelle: Flavio Lo Scalzo
Demonstrant in Mailand

Italien schaffte es nach der Finanzkrise nicht, zurück zur alten Stärke zu finden.

(Foto: Flavio Lo Scalzo)

Zurück zur Normalität? Niemand weiß, was wirklich Normalität in dieser Wirtschaftslage ist. Hoffen wir auf ein baldiges Ende von Covid-19. Aber nach dem Schock wird für die Wirtschaft nichts mehr so sein oder „normal“ sein wie zuvor.

In der ersten Jahreshälfte wird es den tiefsten Einbruch in den Euro-Zonen-Volkswirtschaften seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geben, und die Entriegelung der Wirtschaft wird vorhersehbar eine V-förmige Erholung nach sich ziehen.

Hierbei stellt sich die entscheidende Frage, wo das zweite Bein des V aufhört – wie groß der Verlust an wirtschaftlicher Leistung im Vergleich zu der Zeit vor der Krise sein wird und wie groß das Wachstumspotenzial beschädigt ist.

Die Euro-Kommission veröffentlichte am vergangenen Dienstag neue Prognosen für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone, die ein Minus von 8,7 Prozent für 2020 und 6,1 Prozent für 2021 vorsehen. Ende 2021 würde die Wirtschaftsleistung ungefähr zwei Prozent niedriger sein als vor der Krise.

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    Das hat Implikationen für die Spielräume der nationalen Wohlfahrtssysteme und Haushalte. Sozialausgaben, Renten und Löhne für öffentliche Angestellte werden im gleichen Ausmaß wie zuvor steigen – oder wie im Fall des Gesundheitswesens sogar stärker.

    Dagegen sinken die fiskalischen Einnahmen, es tut sich eine Lücke auf. Die kann nur geschlossen werden, wenn das Wirtschaftswachstum sich vollständig erholt, und zwar auf das Niveau wie vor der Krise.

    Lorenzo Codogno lehrt unter anderem an der London School of Economics and Political Science. Quelle: YouTube
    Der Autor

    Lorenzo Codogno lehrt unter anderem an der London School of Economics and Political Science.

    (Foto: YouTube)

    Wenn die Erfahrungen von Deutschland und Italien in der vorherigen Krise eine Lehre sein können, dann ist die künftige Reise ungewiss und abhängig von politischen Maßnahmen. Deutschland schaffte es nach dem Einbruch 2008 und 2009, die Rezession auf eine kurze Zeit zu beschränken. Trotzdem brauchte es drei Jahre, um das reale Bruttoinlandsprodukt auf das gleiche Niveau wie im ersten Quartal 2008 zu bekommen. Im ersten Quartal 2020 lag es 11,3 Prozentpunkte darüber.

    Italien dagegen erreichte nie wieder das Bruttoinlandsprodukt wie vor der Krise. In dem ersten Quartal dieses Jahres lag es zehn Prozentpunkte niedriger. Es war 25,7 Prozentpunkte niedriger als die sowieso schon bescheidene Wirtschaftsleistung vor der Krise und 21,4 niedriger im Vergleich zu Deutschland. In ein wenig mehr als einem Jahrzehnt öffnete sich eine massive Kluft zwischen den beiden Ländern mit der gleichen Währung.

    Reden wir nicht um den heißen Brei. Solch ein großer und größer werdender Spalt ist innerhalb einer Währungsunion auf lange Sicht unhaltbar – wirtschaftlich, politisch und sozial. Das trifft auf Italien wie auf Deutschland zu.

    Die Euro-Skeptiker haben über die Jahre an Unterstützung gewonnen, geben dem Euro und der aus ihrer Sicht fehlgeleiteten Politik auf europäischer Ebene die Schuld an dem Debakel. In Deutschland lässt sich ein zunehmender Vertrauensverlust und ein Unbehagen am hinkenden Nachbarn feststellen.

    Bürokratie und Vorschriften

    Die gute Nachricht ist: Die Politik hat diesmal substanziell besser als in der Vergangenheit reagiert. Die Europäische Zentralbank intervenierte prompt, um eine Finanzkrise zusätzlich zur Wirtschaftskrise zu verhindern. Sie unterstützte durch Geldpolitik und Regeländerungen den Bankensektor und seine Fähigkeit, weiter Kredite an die Wirtschaft zu geben.

    Auf nationaler Ebene verhinderte die Fiskalpolitik eine Liquiditätskrise, mit Kreditgarantien und einigen Hilfen für Unternehmen und Haushalte. Die Erholung zu verstärken wird die nächste Phase sein und sich als ein viel schwierigeres Unterfangen für alle Länder herausstellen.

    Innerhalb der Euro-Zone ist der Wunsch da, gleiche Voraussetzungen zu schaffen, um größere Divergenzen zu vermeiden. Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten. Das am meisten ungenutzte Potenzial wäre beispielsweise ein genuin funktionierender Binnenmarkt für Güter und auch für Dienstleistungen. Den zu fördern würde weit mehr voranbringen als das gegenwärtige Bestreben, Schaden abzuwenden.

    Der Europäische Wiederaufbauplan wird denjenigen Ländern helfen, die aufholen müssen und weniger widerstandsfähig sind, aber auch denjenigen, die dem Anschein nach ohne ihn auskommen. Es kann die Wirtschaftsbeziehungen innerhalb des Binnenmarktes stärken.

    Dafür sind strukturelle Reformen von großer Wichtigkeit. Italien hat großen Nachholbedarf. Reformen sind nötig und reichen von Bürokratie und zu vielen Vorschriften, die Investments und Wirtschaftstätigkeit behindern, bis zu einer Reform der öffentlichen Verwaltung.

    Die Bildungs- und Forschungsqualität und die Zivilgerichtsbarkeit müssen verbessert werden. Die grüne Transformation und Digitalisierung sind weitere Stichworte. Europäisches Geld hilft, ist aber nicht eine ausreichende Vorbedingung für einen Erfolg.

    Corona wirbelt die Welt durcheinander. Von einem Tag auf den anderen kam die Weltwirtschaft zum Stillstand. Jetzt versuchen die Volkswirtschaften wieder zur Normalität zurückzukehren, doch so einfach ist das nicht mit der ökonomischen Analyse: Was richtete das Virus mit der Weltwirtschaft an? Sechs bekannte Ökonominnen und Ökonomen aus allen Regionen der Welt haben sich aus ihrer Perspektive für das Handelsblatt dieser Frage angenommen und analysieren mit ihrem Sachverstand die Situation. Quelle: Smetek
    Handelsblatt-Thema: Weltwirtschaft nach Corona

    Corona wirbelt die Welt durcheinander. Von einem Tag auf den anderen kam die Weltwirtschaft zum Stillstand. Jetzt versuchen die Volkswirtschaften wieder zur Normalität zurückzukehren, doch so einfach ist das nicht mit der ökonomischen Analyse: Was richtete das Virus mit der Weltwirtschaft an? Sechs bekannte Ökonominnen und Ökonomen aus allen Regionen der Welt haben sich aus ihrer Perspektive für das Handelsblatt dieser Frage angenommen und analysieren mit ihrem Sachverstand die Situation.

    (Foto: Smetek)

    Lesen Sie hier, wie die anderen Top-Ökonomen die Zukunft einschätzen:

    Auch Deutschland muss seine Wirtschaft neu aufstellen und vermehrt auf einen Wandel zu mehr Klimafreundlichkeit und technologischer Verbesserung vorbereiten. Eine günstige Entwicklung der Pandemie könnte Deutschland ein falsches Sicherheitsgefühl vorgaukeln. Das wäre ein kolossaler Fehler.

    In beiden Ländern hat die Kurzarbeit die Angestellten und Arbeiter in den Unternehmen gehalten und einen Verlust an Fähigkeiten und Humankapital vermieden. Trotzdem muss Arbeit reorganisiert werden, die Weiterbildung und Reallokation von Ressourcen in der Wirtschaft wird die nächste Aufgabe sein, zusammen mit einem strategischen Investment in weiterführende Technologien.

    Die Wirtschaft wandelt sich weiter. Jeder Schock beschleunigt die zuvor bestehenden Trends oder ruft einen Richtungswechsel hervor. Sowohl Italien als auch Deutschland müssen sich der Herausforderung stellen.

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