Elektroauto: Die E-Auto-Prämie ist zurück – mit drei Geburtsfehlern

Hurra, Deutschland hat wieder eine Elektroauto-Prämie. Endlich, könnte man sagen: 3000 Euro für Batterieautos, 1500 Euro für bestimmte Plug-ins, je nach Einkommen und Familie bis zu 6000 Euro – rückwirkend ab 1. Januar 2026, gültig für Privatleute und Neuwagen. Die kriselnde Autobranche dürfte das nach der Prämienrücknahme Ende 2023 und diversen Zollankündigungen als Erleichterung sehen.
Doch so gut die Schlagzeile klingt: Die neue Förderung hat drei Geburtsfehler – und produziert am Ende womöglich mehr Nebenwirkung als Wirkung.
Fehler 1: Die Prämie zielt am Alltag vieler Haushalte vorbei.
Gedacht ist sie für niedrige und mittlere Einkommen. Nur kaufen genau diese Gruppen ihr Auto oft gebraucht – selbst 6000 Euro ändern nichts daran, dass vielen der Sprung zum Neuwagen zu groß bleibt. Wer heute einen bezahlbaren Stromer sucht, landet eher bei drei Jahre alten Leasing-Rückläufern als im Neuwagen-Konfigurator. Die Prämie hilft damit vor allem jenen, die ohnehin neu kaufen oder leasen können.
Fehler 2: Die Prämie droht Herstellerrabatte zu ersetzen.
Nach dem Aus der letzten E-Förderung werden heute viele Stromer mit Herstellerprämien verkauft. So kostet der ID.3 von Volkswagen im Listenpreis mehr als 33.000 Euro, der Kunde zahlt jedoch durch Rabatte aktuell unter 30.000 Euro.
Wenn der Staat nun erneut mehrere Tausend Euro zuschießt, besteht die Gefahr, dass die Hersteller ihre eigenen Rabatte zurückfahren. Am Ende kommt beim Kunden weniger an – während der zusätzliche Spielraum in den Kalkulationen der Hersteller verschwindet. Aus einer Förderung für Privatleute würde so faktisch eine Förderung der Autobauer. Gut für die Margen, schlecht für wirklich bezahlbare E-Autos.
Fehler 3: Die Prämie nagt schon heute an den Restwerten von morgen.
Eine Förderung nur für Neuwagen drückt zwangsläufig die Preise im Gebrauchtwagenmarkt. Die Logik dahinter ist einfach: Um den Abstand zum subventionierten Neuwagen zu halten, werden gebrauchte Modelle billiger. Was Käufer freuen dürfte, trifft Händler, Hersteller und Autobanken umso empfindlicher.
Denn Restwerte sind die wichtigste Rechengröße für Leasingraten, Rückkaufgarantien und Händlerkalkulationen. Wenn sie fallen, explodieren die Verluste. Schon heute rutschen große Händlergruppen in die roten Zahlen – auch wegen zu optimistischer Restwertannahmen und teurer Rückkäufe. Auch in den Bilanzen der Autobanken türmen sich die Risiken.
Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung diesmal nicht wieder über Nacht die Stromer-Prämie ausknipst. Denn dann erodieren die Preise vollends – und das Vertrauen in die Elektromobilität einmal mehr.