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Kommentar Anstehende Mega-Börsengänge werden zum Nerventest für Anleger

Trotz Rezession streben neue Schwergewichte auf den weltweiten Aktienmarkt. Doch Anleger sollten genau hinschauen, in was sie investieren.
23.08.2020 - 13:11 Uhr Kommentieren
Der Börsengang des chinesischen Fintech-Konzerns wird ein IPO der Superlative. Quelle: Reuters
Zentrale von Ant Financial

Der Börsengang des chinesischen Fintech-Konzerns wird ein IPO der Superlative.

(Foto: Reuters)

Es wirkt wie aus einer anderen Welt. Die Realwirtschaft ächzt weltweit unter der schwersten Rezession seit Jahrzehnten, und die Angst vor einer zweiten Welle und einem zweiten Lockdown gerade in den USA wächst. Doch die Ambitionen großer US-Börsenaspiranten lassen sich davon nicht irritieren. Krise? Welche Krise? Gleich mehrere große Unternehmen nehmen für das zweite Halbjahr einen Mega-Börsengang ins Visier.
Sind die Firmen völlig verrückt geworden? Nein, keineswegs. So ist der mit Abstand größte Börsengang von Ant Financial an den Börsen in Schanghai und Hongkong geplant. Gründer Jack Ma glaubt an eine Firmenbewertung von 225 Milliarden Dollar. So könnte der angestrebte IPO (Initial Public Offering) mehr als 30 Milliarden Dollar frisches Kapital bringen.
In den USA hat das Buchungsportal Airbnb trotz Coronakrise seine Dokumente für einen geplanten Börsengang in den USA eingereicht. Auch Airbnb könnte ein Mega-IPO werden: Als das Unternehmen 2017 Geld am privaten Kapitalmarkt aufgenommen hatte, wurde es mit 30 Milliarden Dollar bewertet.

Als dritter im Bunde strebt auch die Softwarefirma Palantir, eines der geheimnisvollsten Unternehmen im Silicon Valley, auf das Parkett. Auch Palantir ist ein Dickschiff für die Börse. 2015 wurde das Unternehmen mit 20 Milliarden Dollar bewertet.
Der Sprung auf das Parkett mitten in Corona-Zeiten ist eine gewagte Börsenwette – aber sie kann aufgehen. Die Stimmung der Investoren für neue junge Firmen hat sich trotz Corona wieder aufgehellt wie die gelungenen IPOs des Online-Versicherers Lemonade und der Biotechfirma Curevac beweisen – und die Investmentbanken sowie die jungen Firmen setzen darauf, dass der Markt auch für Großemissionen wieder aufnahmebereit ist. Allerdings ist es beileibe nicht so, dass jedes große Unternehmen mit offenen Armen auf dem Aktienmarkt empfangen wird.

Old Economy hat es weiter schwer. So sagte Continental mit der Antriebssparte Vitesco einen möglichen Börsengang dieses Jahr lieber komplett ab, und auch der Wissenschaftsverlag Springer Nature hat sich zu einem erwogenen IPO lieber noch nicht bekannt.

Einzig Siemens wagt sich Ende September mit der Abspaltung der Energiesparte vor. Doch die Vorliebe der Investoren ist deutlich: je digitaler, desto besser. Es sind darum vor allem junge Tech-Unternehmen und Firmen mit digitaler Kernkompetenz, die die Gunst der Anleger finden.

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    Spaltet sich die digitale Welt?

    Der Grund dafür ist einfach: Wer sich die Notierungen anschaut, stellt fest, dass die Rekorde der US-Börsen nur an einer Handvoll Aktien hängen und die Technologiefirmen daran einen großen Anteil tragen. Ein Konzern wie Apple notiert bereits auf neuen Allzeithöhen.

    Erst vor wenigen Tagen knackte der iPhone-Bauer die magische Marke einer Bewertung von zwei Billionen Dollar – kein US-Unternehmen wurde je so hoch gehandelt. Auch Microsoft und Amazon steuern beim Börsenwert auf die zwei mit den zwölf Nullen zu. Das weckt natürlich Fantasie. So kommt es zur (fast) perfekten IPO-Welle. Hinter dem Boom verbirgt sich die Erkenntnis, dass gerade die Technologiefirmen zu den großen Gewinnern der Coronakrise zählen werden.
    Doch Anleger sollten genau hinschauen, in was sie investieren. Denn immun sind auch die Tech-Konzerne gegen eine tiefe Rezession nicht. Noch gefährlicher könnten für sie vor allem die Folgen eines verschärften Technologiekrieges zwischen China und den USA werden, der das Potenzial hat, das Spielfeld für die Digital-Champions nachhaltig zu ändern.

    Die drastischen Maßnahmen gegen das chinesische Video-Netzwerk Tiktok sowie der geplante Bann von Software und Technologie für den chinesischen Handyhersteller Huawei könnten einen neuen Technologie-Wettstreit zwischen den Großmächten entfachen – mit einer Zweiteilung der digitalen Welt als Folge. Das würde aber auch die Lieferketten der großen Technologiekonzerne grundlegend bedrohen.

    Nerventests für die Anleger

    So ist beispielsweise der chinesische Zulieferer Foxconn bis heute der wichtigste Lieferant für den iPhone-Konzern. Den Preis für einen eskalierenden Wirtschafts- und Technologiekrieg könnten auf Dauer darum auch die Investoren der hochbewerteten Digital-Champions zahlen. Noch ist in den hohen Bewertungen jedoch nicht eingepreist, dass durch die schöne neue Digitalwelt bald ein hässlicher Riss gehen könnte.
    In dem sich immer mehr verschärfenden Kampf um die Führungsrolle als technologische Supermacht steckt große Sprengkraft – und derzeit ist nicht zu erkennen, dass US-Präsident Donald Trump oder die chinesische Regierung vor einer weiteren Eskalation zurückschrecken.

    Schneller als gedacht könnte auch für ein chinesisches Bezahlsystem wie Alipay, hinter dem Ant Financial steckt, der US-Markt verschlossen sein. Das sollten Investoren im Hinterkopf behalten.

    So werden die anstehenden Mega-Börsengänge auch zum Nerventest für die Anleger. Die kommenden Monate bis zur US-Wahl im November dürften noch turbulent werden – auch auf dem Börsenparkett.

    Mehr: Warum Apple der Liebling der Investoren ist

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