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Kommentar Bayer muss das Projekt Monsanto zur Cashmaschine machen

Der milliardenschwere Vergleich in den USA bringt Bayer nicht an seine finanziellen Grenzen. Doch neben der Geldfrage gibt es noch eine weitere Herausforderung.
26.06.2020 - 14:09 Uhr Kommentieren
Der Unkrautvernichter Glyphosat ist nur Teil einer Grundsatzdebatte über die Zukunft der Landwirtschaft. Quelle: dpa
Greenpeace-Aktivisten vor dem Reichstag in Berlin

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist nur Teil einer Grundsatzdebatte über die Zukunft der Landwirtschaft.

(Foto: dpa)

Am Ende war es nicht mehr eine Frage, ob, sondern nur noch wann Bayer eine außergerichtliche Einigung mit den Glyphosat-Klägern in den USA eingehen wird. Anders als über diesen Weg hätte der Konzern das belastende Thema nicht abschütteln können. Mehr als zehn Milliarden Dollar legt der Leverkusener Konzern auf den Tisch, um dieses giftige Erbe Monsantos aus der Welt zu schaffen.

Bayer wird dies finanziell nicht an seine Grenzen bringen. Und es ist ein Befreiungsschlag, weil dem Konzern nun mögliche weitere Niederlagen vor Gericht und die damit verbundene negative Publicity erspart bleiben. Die Investoren können Bayer nun ohne dieses belastende Thema bewerten.

Doch der bittere und teure Vergleich hinterlässt Fragen, und die Antworten darauf sind für die Zukunft von Bayer entscheidend: Wird die Übernahme von Monsanto nun zu der erhofften Erfolgsstory? Wird die Kritik der Investoren verstummen? Und kann sich CEO Werner Baumann, der den Kauf eingefädelt hat, im Amt halten? Diese Fragen können nicht uneingeschränkt mit Ja beantwortet werden.

Der Gegenwind, der Bayer bei dem Projekt Monsanto von Beginn an entgegenschlägt, wird nun nicht plötzlich verschwinden. Die erbittert geführte Diskussion um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat und seine Risiken wird weitergehen, auch wenn dies nicht mehr vor Gericht passiert. Denn der Vergleich bringt ja keine Aufklärung über die Gesundheitsgefahren. Er ist nur ein Instrument, um ein leidiges juristisches Thema ohne Schuldeingeständnis loszuwerden.

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    In Sachen Glyphosat und möglicher Krebsgefahren bleibt die Öffentlichkeit so verunsichert wie zuvor. Es stehen weiterhin die Einstufungen der Zulassungsbehörden, die keine Risiken sehen, gegen die Aussagen der Kritiker, die anderslautende Studien zitieren und den Behörden Einflussnahme durch Monsanto anlasten. Ob das von Bayer und den Klägeranwälten eingesetzte Expertengremium hier zu einer Klärung kommt, ist offen.

    Das Image muss aufpoliert werden

    Glyphosat ist aber nur Teil einer Grundsatzdebatte über die Zukunft der Landwirtschaft. Bayer hat sich mit dem Monsanto-Kauf an die Weltspitze der industriell geprägten Agrarökonomie gestellt, die die globale Ernährung mit Pflanzenschutzmitteln, gentechnisch verändertem Saatgut und Digitaltechnik sichern will. Weil Monsanto dafür wie kein anderer Konzern steht, bleibt Bayer der wichtigste Angriffspunkt für die Gegner der industriellen Landwirtschaft.

    Darin liegt die eigentliche Herausforderung für Bayer durch den Monsanto-Kauf. Der Konzern muss das dem US-Konzern anlastende Bösewicht-Image eindämmen, seine eigene Reputation stärken und die Debatte mit Kritikern, Politikern und Umweltschützern so gestalten, dass sein Geschäftsmodell im Agrargeschäft in den nächsten Jahren nicht in Gefahr gerät.

    Bayer einigt sich mit Glyphosat-Klägern auf Milliardenvergleich

    Diese Gefahr ist real, wie der Fall Glyphosat zeigt. Deutschland hat den Verkauf des für Bayer weiterhin wichtigen Mittels ab 2023 untersagt. Es war eine politisch motivierte Entscheidung auf massiven Druck der Öffentlichkeit hin, obwohl die von den Regierungen eingesetzten Zulassungsbehörden das Mittel weiterhin als sicher einstufen und ein Krebsrisiko verneinen. Ob Glyphosat in Europa eine neue Zulassung ab 2023 bekommt, ist äußerst fraglich.

    Dieses Schicksal könnte auch anderen Produkten aus den Labors und Fabriken von Bayer drohen – man denke nur an die in Europa auf breite Ablehnung stoßende grüne Gentechnik. Gewinnt diese Diskussion auch in den wichtigen Märkten von Nord- und Südamerika an Fahrt und folgen auch dort Einschränkungen, stünde Bayer vor einem massiven Problem: nämlich dass der Konzern Produkte anbietet, die die Welt möglicherweise braucht, aber nicht will.

    Eine zunehmend politisch motivierte Regulierung ist eine der größten Gefahren für das Geschäftsmodell, das Bayer mit dem Monsanto-Kauf in sein Zentrum gerückt hat. Den Dialog mit der Gesellschaft und allen Stakeholdern im eigenen Sinne zu steuern, wird eine Herausforderung für den Konzern. Bayer hat mit einem stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit und mit einer gewissen Demut dabei sicher den richtigen Weg eingeschlagen.

    Die Zahlen müssen stimmen

    Am Ende aber müssen die Zahlen stimmen – das gilt nach dem Glyphosat-Vergleich mehr als zuvor. Schon die 63 Milliarden Dollar für Monsanto galten als stolzer Kaufpreis. Das Settlement macht die Übernahme nun grob gerechnet noch mal zehn Milliarden Dollar teurer. Entsprechend herausfordernder wird es für das Management, den Deal als wertschaffend deklarieren zu können.

    Bayer muss das Projekt Monsanto zur versprochenen Cashmaschine machen – anders werden die Leverkusener die Milliardenbelastung aus dem Glyphosat-Vergleich nicht ohne größere Blessuren wegstecken können. Der operative Erfolg oder Misserfolg wird darüber entscheiden, ob die Investoren dauerhaftes Vertrauen zum Konzern und seiner Mischstrukur aus Pharmazie und Agrarchemie finden.

    Am Ende hängt davon auch die Zukunft von Vorstandschef Baumann ab, über dessen Vertragsverlängerung der Aufsichtsrat im Herbst reden wird. Vieles spricht für ihn, er hat bewiesen, dass er den Konzern operativ im Griff hat. Eine vom Agrargeschäft ausgelöste Krise mit schwerwiegenden Folgen für Aktienkurs und Bayer-Beschäftigte würden ihm aber unter der Bürde des teuren Glyphosat-Vergleichs weder die Investoren noch die Aufseher verzeihen.

    Mehr: Bayer-Chef: „Wir sind vom Sinn des Monsanto-Kaufs weiter überzeugt“

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