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Kommentar Bei einer zweiten Welle würde sich auch die Wirtschaft wieder anstecken

Wirtschaftsforscher rechnen mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft. Bei einer zweiten Infektionswelle ist das aber undenkbar.
28.07.2020 - 16:55 Uhr 1 Kommentar
Wirtschaft ist Bewegung. Ein neuer Lockdown würde viele Unternehmen hart treffen. Quelle: dpa
Pendler in Düsseldorf

Wirtschaft ist Bewegung. Ein neuer Lockdown würde viele Unternehmen hart treffen.

(Foto: dpa)

Es sind großartige Zeichen der Hoffnung: Die Frühindikatoren für die Wirtschaft stehen in Deutschland und weiten Teilen Europas auf Erholung. Die regelmäßigen Umfragen des Ifo-Instituts, von IHS Markit und der GfK-Konsumforscher zeigen übereinstimmend: Die Corona-Rezession hat ihren Tiefpunkt im Mai durchschritten, seither kehrt wirtschaftliche Aktivität zurück – und das sogar schneller, als die meisten Ökonomen zu Beginn der Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen erwartet hatten.

Die Erholung findet in allen Wirtschaftszweigen statt, sogar die Exporte ziehen laut Ifo jetzt wieder an. Im dritten Monat besserer Geschäftserwartungen in Folge verdient die Erholung Ende Juli sogar das Prädikat Aufschwung.

Umso erschreckender sind deshalb andere Zahlen: die der neu mit dem Coronavirus Infizierten. Sie liegen in den letzten beiden Wochen täglich doppelt so hoch wie in den Monaten zuvor.

Und die Infektionen sind nicht mehr auf einzelne Fleischbetriebe oder Massenunterkünfte begrenzt, und auch nicht auf Urlaubsheimkehrer. Immer mehr Menschen stecken sich auf Familienfeiern, auf Massenpartys und in Kneipen an. Sehr bald könnte daraus werden: Sie stecken sich überall an.

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    Und mit den Menschen droht auch der Wirtschaft die Neuansteckung. Steigen die Fallzahlen weiter so rasant, ist jetzt schon klar, wie die aktuell so hoffnungsfroh V-förmigen Frühindikator-Kurven Ende August aussehen werden: Sie werden wieder rasant auf Talfahrt gehen.

    Die Erholung wird enden, die Rezession könnte sich dann verfestigen. Wenn das gerade zurückgekehrte Vertrauen zerstört wird, werden auch die vielen Notprogramme und Hilfsmilliarden der Bundesregierung verpuffen.

    Nie zuvor wurde es so deutlich wie während der Zeit der Kontaktbeschränkungen: Wirtschaft braucht Bewegung. Physischer Stillstand ist auch ökonomischer Stillstand.

    Aktuell zeigt der Lkw-Maut-Index zuverlässig, wie die meisten Lieferketten zur Normalität zurückfinden. Mobilfunk-Bewegungsdaten belegen die Erholung im Einzelhandel. Und die Grenzöffnungen innerhalb der EU haben es erst ermöglicht, dass die Produktion sowie die Im- und Exportgeschäfte wieder ans Laufen gekommen sind.

    Nur mit sehr niedrigen Infektionszahlen kann der Aufschwung tragfähig werden

    Bisher ließen sich die Infektionszahlen mit Maßnahmen unter Kontrolle halten, die schon zum Alltag geworden sind: Masketragen, Abstandhalten, Homeoffice und Kleingruppen an Schulen. Wenn das nicht mehr ausreicht, werden die Menschen wieder mehr Angst vor einer Ansteckung haben, und die Behörden werden wieder neue Lockdowns verfügen.

    Aktivität und Bewegung werden dann wieder abnehmen. Und der Aufschwung, den die Indikatoren derzeit andeuten, wird ausbleiben.

    Zu den großen Irrtümern aus der Anfangszeit der Pandemie zählt jener, dass ohne Lockdown die Wirtschaft einfach weiter floriert hätte. Das Beispiel Schweden, dessen Regierung keine Einschränkungen verfügte, hat gezeigt: Die Wirtschaft leidet dort nicht weniger unter der Corona-Rezession als in anderen EU-Staaten.

    Nur mit sehr niedrigen Infektionszahlen kann der Aufschwung tragfähig werden – und für die Exportindustrie-Nation Deutschland auch nur dann, wenn die Eindämmung mindestens europaweit gelingt.

    Auch ohne die gefürchtete zweite Welle wird die Rückkehr zum Vor-Corona-Level des Bruttoinlandsprodukts in weiten Teilen der Industrie wohl bis weit ins Jahr 2022 dauern. Eine Insolvenzwelle im Herbst ist wahrscheinlich, allein schon weil das normale Insolvenzgeschehen bis 30. September gestoppt wurde.

    Die Arbeitslosenzahlen werden im Herbst voraussichtlich steigen – auch weil die zahlreichen Firmen, die wegen der Digitalisierung ohnehin hätten umstrukturieren müssen, mit der Coronakrise in eine zusätzliche Notlage geraten sind.

    Diese Gegentrends zu den guten Geschäftsaussichten der aktuellen Frühindikatoren gefährden den Aufschwung ohnehin. Mit einer zweiten Infektionswelle würden sie die Überhand gewinnen.

    Auch darum ist es die Aufgabe von Bund und Ländern, die zweite Welle zu verhindern. Die sommerliche Laxheit gegenüber Massenpartys und unterm Kinn baumelnden Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln ist kein Zeichen von Liberalität, sondern von gefährlichem Leichtsinn. Ebenso ist es die Idee, Großveranstaltungen und Fußballspiele vor Stadionpublikum wieder zuzulassen.

    Deutschland ist bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen: weil maßvolle und wirksame Regeln eingehalten wurden. Diesen Erfolg gilt es fortzusetzen.

    Mehr: Nachlässigkeit steigert Infektionszahl: RKI-Chef warnt vor Virusausbreitung

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Bei einer zweiten Welle würde sich auch die Wirtschaft wieder anstecken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Glauben Sie wirklich, dass es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht? Ich hoffe Ihnen und uns, dass Sie recht haben. Doch wie heisst es so schön: Die Botschaft habe ich wohl vernommen, alein, mir fehlt der Glaube!

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