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KommentarBig Data gegen Corona: Viele Daten, wenig Nutzen

Google will im Kampf gegen die Pandemie mit Daten helfen. Doch die vorgelegten Berichte lassen am Nutzen von Big Data zweifeln.Larissa Holzki 05.04.2020 - 17:16 Uhr

Daten, die für andere Zwecke gesammelt wurden, nützen in Notsituationen wenig.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Geht das nicht konkreter, Google? Seit Wochen fragen sich Menschen weltweit, ob der Tech-Konzern im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen könnte, etwa durch Prognosen, wie sich das Virus ausbreiten wird, oder beim Auffinden von Menschen, die Kontakt mit Infizierten hatten. Viele sind derzeit bereit, persönliche Daten preiszugeben. Die US-Regierung hat das Gespräch mit Google gesucht.

Jetzt hat der Konzern reagiert und Berichte für 131 Länder vorgelegt. Sie zeigen, wo sich Menschen in der Krise mehr oder weniger aufhalten. Damit sollen Krisenmanager laut Google besser entscheiden können, wie die Bevölkerung versorgt und das Infektionsrisiko gesenkt werden soll. Vor allem zeigen die Berichte aber, dass Google viel mehr weiß, als es preisgeben kann oder will. Das stellt den Nutzen von Big Data, den lange angesammelten Datenmengen, einmal mehr infrage.

Der Ansatz an sich ist gut. Google weiß, ob und wo es trotz der Kontaktbeschränkungen noch zu Menschenansammlungen kommt. Es sammelt diese Daten nämlich ständig, um Werbekunden zielgerichtetes Marketing zu ermöglichen und Anzeigenplätze zu verkaufen. Was die Auswertung der Daten nun aber rechtlich problematisch macht: Google hat sie auf Landes- und Bundesebene zusammengeführt, bevor es sie als Coronahilfe präsentierte.

Behörden und Logistiker wollen nun wissen: Wo müssten Supermärkte durch mobile Verkäufer entlastet werden? Wo sind zusätzliche Straßenbahnwagen nötig, damit Menschen Abstand halten können? Doch Google verweist auf den Datenschutz. Detailliertere Auswertungen könnten derzeit nicht geteilt werden, weil Rückschlüsse auf Einzelne verhindert werden müssten.

Es ist schwer zu sagen, ob es wirklich in der Kürze der Zeit unmöglich ist, die Daten nutzbar zu machen, oder ob es hier bloß um Marketing geht. Sicherheitslücken haben wiederholt zu Kritik an dem Unternehmen geführt. So oder so kann man viel daraus lernen.

Zum einen, dass Daten, die für andere Zwecke gesammelt wurden, in Notsituationen wenig nützen. Sie müssen aufwendig aufbereitet werden. Ob und wie das geschieht, hängt stärker von den Interessen der Datensammler ab als von denen der Betroffenen.

Zum anderen könnten aggregierte, anonymisierte Daten tatsächlich helfen. Etwa dann, wenn sie zur Krisenbekämpfung erhoben werden und wenn die Bevölkerung aktiv mithilft und der Verarbeitung ihrer Daten zweckgebunden und temporär zustimmt. Ein gutes Beispiel ist die Corona-Warn-App, mit der 130 europäische Wissenschaftler die Kontaktpersonen von Infizierten benachrichtigen wollen. Nur: Big Data braucht dafür niemand.

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