Kommentar: Bosch setzt seine ureigene Stärke aufs Spiel

Der Autozulieferer ist bei Lidar ausgestiegen.
Foto: dpaDie Ansprüche beim weltgrößten Automobilzulieferer sind hoch. Vor dreieinhalb Jahren kündigte Bosch an, die Lidar-Technologie massentauglich für das automatisierte Fahren zu machen. Dabei geht es um Laserscanner, die in bestimmten Situationen Radar- und Kameratechnologien bei der Erkennung ihrer Umwelt überlegen sind.
Tatsächlich stellte Bosch die Lidar-Entwicklung im Sommer heimlich ein, wie jetzt bekannt wurde. Auch das Stiftungsunternehmen ZF ist bereits aus dem Thema Lidar ausgestiegen.
Wegen der noch schwachen Nachfrage und der deutlichen Verzögerung bei der Entwicklung von Roboterautos mag die Entscheidung nachvollziehbar sein. Wenn Lidar aber kein Einzelfall bleibt, dann wirft das zentrale Fragen auf. Bosch und ZF sind Stiftungsunternehmen. Immer wieder rühmen sich die Chefs bei Bosch und ZF, dass diese Rechtsform den Schwaben einen langen Atem bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien verschafft.
Bosch bei Lidar extrem kurzatmig
Doch bei Lidar waren Bosch und ZF extrem kurzatmig. Zu spät rein und wieder früh raus. Bosch-Chef Stefan Hartung mag sich zugutehalten, dass er ein entscheidungsfreudiger Manager ist. So wie ZF-Chef Holger Klein wurde er bei McKinsey geprägt. Aber im McKinsey-Stil hätte Bosch niemals über zehn Jahre in die Entwicklung von Antiblockiersystemen (ABS) oder Fahrstabilitätsprogrammen (ESP), die heute extrem erfolgreich sind, investiert. Jetzt setzen vor allem amerikanische und chinesische Unternehmen auf Lidar.