Kommentar: Boykott-Androhung reicht nicht: Brasilianisches Rindfleisch muss aus deutschen Supermärkten verschwinden
Importe der EU sind nach Berechnungen des WWF für 16 Prozent der Regenwaldrodung verantwortlich.
Foto: dpaEs ist eine gute Sache, dass eine Reihe von großen Handelsunternehmen jetzt beim Schutz des Regenwaldes in Brasilien in die Offensive geht. Wenn auch die Wirtschaft beim Klima- und Umweltschutz die Forderungen der Aktivisten unterstützt, kann sie Politikern, die noch zögern, Mut machen. Und sie kann dabei helfen, dass wichtige Entscheidungen nicht hinausgezögert werden, weil die Politik meint, auf die Unternehmen Rücksicht nehmen zu müssen.
Doch angesichts des Ausmaßes der Zerstörung der Wälder in Brasilien reicht es nicht mehr, mit Boykott zu drohen oder die Politik zum Handeln zu drängen. Die Unternehmen müssen Fakten schaffen – und zwar möglichst sofort.
In den harten Verhandlungen mit den Lieferanten haben deutsche Händler doch immer wieder gezeigt, welch eine wirksame Waffe es ist, Produkte einfach aus den Regalen der Supermärkte auszulisten. Selbst große globale Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé konnten damit in die Knie gezwungen und zu Eingeständnissen bei den Lieferkonditionen bewegt werden.
Nun kann der Handel beweisen, wie ernst es ihm mit seinem Engagement für den Regenwald ist – indem er auch dann auf Produkte verzichtet, wenn es nicht um seine eigenen Profite, sondern um den Schutz der Umwelt geht.
Reine Boykott-Androhungen dürften Politiker wie den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro kaum kümmern. Erst wenn seiner Wirtschaft auf breiter Front die Exportaufträge wegbrechen, besteht zumindest die Chance, dass er einlenken könnte.
Aldi und Lidl können ein Signal senden
Und selbst wenn Bolsonaro stur bleiben und der Brandrodung keinen Einhalt gebieten sollte, wofür ja leider einiges spricht, wäre eine Auslistung der auf diesen Flächen produzierten Lebensmittel ein wichtiges Signal. Denn es würde zeigen, dass die öffentlichkeitswirksam präsentierten Nachhaltigkeitskampagnen des Handels mehr sind als nur Lippenbekenntnisse.
Es ist wie bei vielen anderen Maßnahmen für den Klimaschutz: Erst wenn sie für Unternehmen und Verbraucher in irgendeiner Form Verzicht oder die Veränderung des Verhaltens bedeuten, können sie überhaupt wirken.