Kommentar: Chinas Erholung stockt, die Perspektiven sind mau

Containerhafen im chinesischen Hafen Qingdao: Die Konjunkturdaten schwächeln.
Foto: dpaWenn jemand wie Jamie Dimon die chinesische Staatsführung öffentlich kritisiert, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass es um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht zum Besten steht. Der JP-Morgan-Chef warnte vor zunehmender Unsicherheit, hervorgerufen durch die chinesische Regierung. Diese beeinflusse Investoren und die Menschen, die in der Volksrepublik leben, gleichermaßen, warnte er ungewohnt deutlich.
Wer einen Blick auf die Zahlen der vergangenen Monate wirft, muss Dimon recht geben. Der Aufschwung nach der Aufhebung der drakonischen Corona-Restriktionen fiel schon bei Weitem nicht so stark aus wie erhofft. Und auch die Perspektiven sehen alles andere als gut aus: Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe rutschte im Mai bereits den zweiten Monat in Folge unter die wichtige Marke von 50 Punkten.
Nicht nur in der Industrie gibt es Probleme
Auch bei den Dienstleistungen trübt sich die Stimmung ein. Sowohl die Einzelhandelsumsätze, die stellvertretend für den Konsum in der Volksrepublik stehen, also auch die Industrieproduktion lagen zuletzt unter den Erwartungen der Analysten.
Lesen Sie auch hier: China setzt Russlandfreund als Vermittler im Ukraine-Krieg ein
Noch vor ein paar Jahren hätte die chinesische Staatsführung jetzt kräftig mit Milliardenpaketen die Wirtschaft gestützt. Doch schon während der Pandemie griff sie nur in sehr dosiertem Maß zu diesen Mitteln. Die Mittel des Staates sind nicht mehr endlos. Insbesondere auf Stadt- und Provinzebene sind die Kassen leer. Die drakonischen Corona-Restriktionen, mit denen die chinesische Staatsführung die Zahl der Infektionen fast drei Jahre lang sehr niedrig gehalten hatte, haben horrende Kosten verursacht. Hinzu kommen die Folgen der Immobilienkrise, wodurch den staatlichen Stellen hohe Einnahmen durch Landverkäufe fehlen.
Unternehmen hierzulande sollten die Entwicklung sehr genau verfolgen. Zumindest die Lage im chinesischen Industriesektor zeigt sich bereits jetzt in stark gefallenen deutschen Exporten nach China.