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KommentarChipindustrie: Die Milliardensubventionen sind auch eine Verpflichtung

Die Branche baut mit staatlicher Unterstützung ein Werk nach dem anderen. Doch die Fabriken verbrauchen gewaltige Ressourcen. Das muss sich ändern.Joachim Hofer 28.05.2023 - 14:28 Uhr
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Halbleiterwerke verschlingen enorm viel Strom, Wasser, Chemikalien und Gase.

Foto: Getty Images

Alle, die Rang und Namen haben in der europäischen Chipindustrie, trafen sich vor wenigen Tagen in Amsterdam. TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger der Branche, hatte zu seinem jährlichen Technologie-Symposium eingeladen. Die Veranstaltung hat eine gewisse Tradition. Ein Punkt auf der Agenda aber kam dieses Jahr neu dazu: Umweltschutz.

Das ist kein Zufall. Bislang hat die Industrie stets damit geworben, dass sich mit ihren Produkten der Energieverbrauch senken lässt. Das hat gereicht, um in einem günstigen Licht dazustehen. Nun aber muss sie sich auf einmal selbst für die gewaltigen Ressourcen rechtfertigen, die ihre Werke verschlingen. Und das ist gut so. Es wird Zeit, dass die Konzerne nachhaltiger wirtschaften.

Bislang hat niemand so genau hingeschaut bei den Chipfirmen. Jetzt aber versuchen die Regierungen weltweit, Hersteller mit Milliardensubventionen anzulocken. Jeder will ein Werk vor der eigenen Haustür, um die zerbrechlichen Lieferketten abzusichern. Dabei stellen die Behörden fest: Die Chipproduktion ist eine schmutzige, energieintensive Sache. Halbleiterfabriken sind Stromfresser und sie verschlingen Massen an Wasser, Chemikalien und Gasen.

Auch im Silicon Saxony fehlt das Wasser

Das ist umso schlimmer, als derzeit gleichzeitig Dutzende Fabriken entstehen – zum Teil in trockenen Gebieten wie dem US-Bundesstaat Arizona. Und auch in Deutschlands Chipregion Nummer eins, dem Silicon Saxony von Dresden, fehlte zuletzt häufig der Regen.

Die Branche ist geübt darin, die Chipstrukturen jährlich zu schrumpfen. Die Experten optimieren kontinuierlich jeden einzelnen der mehrere Hundert Prozessschritte in der Produktion. Das reicht aber nicht: Von nun an geht es nicht mehr nur um mehr Leistung der Halbleiter zu niedrigeren Kosten. Von nun an zählt auch, wie nachhaltig produziert wird. Das viele Geld vom Staat sollte mit der Verpflichtung eines grünen Wandels einhergehen.

Erste Schritte dahin machen große asiatische Produzenten wie TSMC, aber auch die führenden europäischen Hersteller wie der Dax-Konzern Infineon. Sie bauen Wasseraufbereitungsanlagen und schließen Verträge mit Ökostromanbietern. Das allerdings sind die einfach zu erzielenden Punkte. Kompliziert wird es, wenn es darum geht, besonders klimaschädliche Gase oder Materialien zu ersetzen.

Doch daran führt schon aus eigenem Interesse kein Weg vorbei. Denn die Branche wird bis Ende des Jahrzehnts gewaltig wachsen, von einem Jahresumsatz von 600 Milliarden Dollar auf eine Billion. Mit dem derzeitigen Ressourcenverbrauch werden sich die dafür nötigen, riesigen Werke immer schwerer betreiben lassen – allein schon, weil in Arizona und Dresden das Wasser fehlt.

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