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KommentarChrupalla ist ein Parteichef von Höckes Gnaden

Die Wahl von Tino Chrupalla zum neuen AfD-Chef festigt die Machtposition des rechten Parteiflügels. Das könnte sich für die Partei noch als Belastung erweisen.Dietmar Neuerer 30.11.2019 - 20:19 Uhr

Ohne die Unterstützung des rechten Flügels wäre Chrupalla nicht zum Co-Parteivorsitzenden gewählt worden.

Foto: dpa

Soviel Einmütigkeit hat man selten bei einem AfD-Parteitag erlebt. Am Wochenende hat die Partei demonstriert, wie weit der Prozess ihrer Professionalisierung fortgeschritten ist. Das große Gezänk blieb aus. Stattdessen konzentrierten sich die Delegierten auf das Wesentliche: die Wahl einer neuen Führung.

Diesmal war es nicht irgendeine Vorstandswahl. Es war der Beginn eines Generationswechsels an der Spitze der Partei. Alexander Gauland übergab den Staffelstab an seinen Wunschnachfolger Tino Chrupalla. Dass der Wechsel reibungslos gelang, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass sich der rechtsradikale Parteiflügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke nicht querstellte. Ohne die Unterstützung Höckes wäre der aus Sachsen stammende Chrupalla wohl nicht gewählt worden.

Sicher, es ging bei der Wahl auch darum, den erfolgreichen ostdeutschen Landesverbänden eine Stimme in der Parteiführung zu geben. Allerdings darf man sich keiner Illusion hingeben: Der Bundestagsabgeordnete und Malermeister Chrupalla ist nun auch ein Parteichef von Höckes Gnaden. Durch Chrupallas Inthronisierung festigt sich die Machtposition des rechten Parteiflügels.

Erschwerend kommt hinzu, dass mit Stephan Brandner auch noch ein Höcke-Vertrauter zum Parteivize gewählt wurde. Der Bundestagsabgeordnete war erst vor kurzem als Vorsitzender des Rechtsausschusses abgewählt worden, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Parlaments. Die Mehrheit des Ausschusses hielt Brandner „Hetze und Hass“ vor.

Für die AfD könnte sich das noch als eine große Belastung erweisen. Der rechtsnationalistische Flügel wird vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft. Sowas kann im schlimmsten Fall zu einer Existenzfrage für die gesamte Partei werden.

Viel wird deshalb davon abhängen, wie Chrupalla die Partei gemeinsam mit dem wiedergewählten Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen führen wird. In ihren Vorstellungsreden klang an, wohin die Reise gehen soll. „Wir müssen regierungswillig und regierungsfähig werden“, sagte Meuthen. Chrupalla will mit „überzeugenden Inhalten“ neue Wählerschichten erschließen.

Mit Sacharbeit allein wird die AfD aber keine Regierungsfähigkeit erlangen. Solange Höcke & Co. die Richtung mitvorgeben, ist die Partei nicht koalitionsfähig.

Mehr: Bei der AfD zieht sich die Gründergeneration allmählich zurück. Gauland wird durch seinen Favoriten Chrupalla abgelöst. Meuthen bleibt aber in der Führungsriege.

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